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Alte Akademie:München bekommt ein Stück Raum in bester Lage zurück

Die Simulation zeigt, wie die Alte Akademie in der Fußgängerzone aussehen soll, wenn die Arbeiten 2023 abgeschlossen sind.

(Foto: Signa/OH)

Beim Umbau der Alten Akademie muss die Firma Signa die Arkade an der Kapellenstraße wieder in ihrer bisherigen Breite herstellen. Das zu akzeptieren, ist dem Unternehmen schwer gefallen. Nun will es aber endlich anfangen.

Und, wie geht es ihm nun mit dem Ergebnis zur Alten Akademie? Damit, dass sein erfolgsverwöhntes Unternehmen doch wieder ein Stück Raum in bester Innenstadtlage der Öffentlichkeit zurückgeben muss, statt es zu einem hübschen Preis vermieten zu können? Dass es nämlich am Ende des Umbaus die Arkade an der Kapellenstraße wieder in ihrer bisherigen Breite von 3,30 Meter herstellen muss, und dass die Arkade zur Neuhauser Straße künftig fünf Meter Breite haben wird?

Tobias Sauerbier lächelt, atmet durch, überlegt, was die passenden Worte sein könnten: "Wir haben gemeinsam mit den Verantwortlichen der Stadt einen tragbaren Kompromiss gefunden", sagt der Vorstand der Signa Prime Selection, des größten Immobilienunternehmens in der Firmengruppe von René Benko. "Wir können damit leben. Es ging für uns auch um die Abwägung, das Projekt in die Realisierung zu bringen." Anders gesagt: Es ist Signa schwer gefallen zu akzeptieren, dass der Wind im Stadtrat sich beim Thema Arkaden an der Fußgängerzone noch einmal gedreht hatte. Aber sie wollten Rechtssicherheit und endlich loslegen mit dem Umbau der Alten Akademie in einen Einkaufs-Gastro-Büro-Wohn-Tempel.

Sicherheit haben sie, seit der Stadtrat Mitte Februar nach einem äußerst ungewöhnlichen politischen Prozess den Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan verabschiedet hat. Bisher hatte das Unternehmen sich zur Alten Akademie öffentlich so wenig wie möglich geäußert. Aber nun lädt die Signa, die Benko zu einem europaweit aktiven Milliardenkonzern mit den Schwerpunkten Immobilien und Einzelhandel geformt hat, zu einem Gespräch in ihr Büro am Maximiliansplatz. Am Tisch sitzt außer Sauerbier noch der Leiter der Projektentwicklung, Alexander Cronauer, aus Wien per Video zugeschaltet ist der PR-Chef von Signa, Robert Leingruber.

Zur Vorgeschichte: Die Alte Akademie, gelegen zwischen der Michaelskirche und der Kapellenstraße, sei "eines der historisch und baukulturell bedeutsamsten Gebäude in der Innenstadt", heißt es im Satzungsbeschluss. Ursprünglich war in dem Renaissancebau ein Jesuitenkolleg untergebracht. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage schwer zerstört, der Westflügel wurde nach einem Entwurf von Josef Wiedemann für das Kaufhaus Hettlage neu errichtet und gilt als repräsentativ für die Zeit des Wiederaufbaus. Der gesamte Komplex, der dem Freistaat Bayern gehört, steht unter Denkmalschutz. Im Jahr 2013 übergab der Freistaat die Alte Akademie im Erbbaurecht für 65 Jahre an die Signa, sie hatte in einem Bieterverfahren am meisten geboten: 230 Millionen Euro.

Im Zuge des Verfahrens für einen neuen Bebauungsplan entspann sich eine Kontroverse um die Arkaden als öffentlichen Raum. Am wenigsten strittig war die Schließung der Arkaden im sogenannten Kopfbau, der zum historischen Teil des Komplexes gehört. Das hatten schon die Gewinner des Architektenwettbewerbs, das Büro Morger Partner (Basel) und der Landschaftsarchitekt Maurus Schifferli (Bern) vorgesehen. Sie schlugen außerdem vor, im Hettlage-Bau die Arkade zur Kapellenstraße zu erhalten und die Arkade zur Neuhauser Straße von acht auf fünf Meter zu verschmälern. Die Signa aber wollte mehr Fläche dem Innenraum zuschlagen. Für viele überraschend ließ sich im Jahr 2018 die SPD-Fraktion, damals noch unter Führung von Alexander Reissl, darauf ein und schuf so mit der CSU eine Stadtratsmehrheit im Sinne des Investors: für die Schließung der Arkade an der Kapellenstraße und die Verschmälerung der Arkade zur Neuhauser Straße von bisher acht auf maximal 4,80 Meter Breite.

Stadtbaurätin Elisabeth Merk, die für den Erhalt der Arkaden gemäß dem Ergebnis des Wettbewerbs eintrat, war brüskiert. Sie stand da wie die Verliererin eines Machtkampfes. Der Verein "Münchner Forum" nannte die Entscheidung "die endgültige Kapitulation der Stadtplanung vor einem Investment-Klüngel", der seine "Machtposition offenbar rücksichtslos auszubauen (...) gedenkt". Unterstützung kam unter anderem von Alt-OB Hans-Jochen Vogel (SPD). Selbst die wirtschaftsfreundliche FDP war für den Erhalt der Arkaden. Dennoch, so dachten viele, war das Thema nach dem Billigungsbeschluss des Stadtrats erledigt. Bis zum letzten Schritt, dem Satzungsbeschluss, passiert meist nicht mehr viel. In diesem Fall kam es anders.

Im vergangenen Sommer beschäftigte sich die Stadtgestaltungskommission, die den Stadtrat zu Projekten von hoher architektonischer Bedeutung berät, mit der Alten Akademie. Sie sprach sich mit breiter Mehrheit für den Erhalt aller drei Arkaden aus. Zudem änderte sich nach dem Wechsel Reissls zur CSU das Stimmungsbild in der SPD. Es kam zu einem Gespräch bei OB Dieter Reiter (SPD), der sich öffentlich bisher zu dem Thema zurückgehalten hatte. Mit am Tisch saßen Stadtbaurätin Merk und Leute von Signa, darunter auch René Benko. Reiter unterstützte Merks Position. Da die Stadt die Planungshoheit hat, musste die Signa sich beugen.

Der Schmuckhof wird öffentlich zugänglich.

(Foto: Signa/OH)

In der abschließenden Stadtratsdebatte begrüßte die planungspolitische Sprecherin der SPD, Heide Rieke, dass der Alten Akademie "neues Leben eingehaucht wird, das da hingehört". Aber sie verband das mit einem scharfen Hinweis an die Signa: "Man hätte als Investor von vornherein sehen müssen, dass man bestimmte Dinge für die Stadt tun muss, damit anderes auch ermöglicht wird." Das war so zu verstehen, dass die Signa bei künftigen Projekten, etwa der grundlegenden Neuplanung des Karstadt-Areals zwischen Hauptbahnhof und Stachus, auch auf das Wohlwollen der Stadt angewiesen sein wird.

War die Signa zu forsch in ihrem Vorgehen bei der Alten Akademie? "Das würde ich nicht sagen", antwortet Tobias Sauerbier. Aber man nehme aus dem wechselvollen Prozess "das Learning mit, noch sensibler bei der Beteiligung der verschiedenen Gremien zu sein", künftig darauf zu achten, "alle mitzunehmen". Er findet auch, dass in der ganzen Arkaden-Diskussion "die Vorzüge der Revitalisierung der Alten Akademie ins Hintertreffen geraten sind. Schließlich wurde das Gebäude mit seiner historischen Bedeutung bisher vor allem als schnöder Verwaltungsbau genutzt". Das Landesamt für Statistik hatte dort seinen Sitz. Künftig, darauf verweist die Signa gern, wird der Schmuckhof im historischen Bauteil öffentlich zugänglich gemacht. Mit der ganzen Planung wolle man "ein maximal gutes Produkt und Ergebnis schaffen", betont Sauerbier.

Die Hauptnutzung in der Alten Akademie wird auf 10 000 Quadratmetern dem Einzelhandel gewidmet sein. Ob tatsächlich, wie es schon lange als Gerücht kursiert, ein Apple-Store dort einzieht, bleibt offen: "Wir sagen generell nichts zu einzelnen Brands", erklärt Signa-PR-Chef Leingruber. In den oberen Stockwerken werden auf 5500 Quadratmetern Büroflächen geschaffen, was grob gerechnet 300 Arbeitsplätzen entspricht. Außerdem baut die Signa etwa 60 Wohnungen zwischen 40 und 140 Quadratmetern. Für Normalverdiener bezahlbarer Wohnraum wird es eher nicht. Die Signa darf die Wohnungen frei finanziert bauen, also später nach Marktwert vermieten. 2500 Quadratmeter schließlich sind für Gastronomie eingeplant. Eine Freischankfläche ist in der Arkade zur Kapellenstraße geplant.

Auch einen Zeitplan nennt die Signa nun: Im zweiten Quartal dieses Jahres sollen die Bauarbeiten losgehen. Tobias Sauerbier rechnet mit einer Dauer von gut drei Jahren. Im Jahr 2023 würde die neue Alte Akademie also in Betrieb gehen.

© SZ vom 02.03.2020/baso
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