Energiewende:Wie sieht das Windkraft-Potenzial in der Stadt aus?

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Energiewende: Dächer bieten viel ungenutzten Platz. Der ließe sich nutzen für die Stromerzeugung, wie hier auf dem Greenpeace-Gebäude in der Hamburger Hafencity.

Dächer bieten viel ungenutzten Platz. Der ließe sich nutzen für die Stromerzeugung, wie hier auf dem Greenpeace-Gebäude in der Hamburger Hafencity.

(Foto: Joerg Boethling/imago images)

Kleine Windkraftanlagen auf Hausdächern rentieren sich selten: Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie der Stadt München. Bei Hochhäusern verhält es sich aber anders.

Von Andreas Schubert

Angesichts der drohenden Energiekrise ist das Thema Windkraft aktueller denn je. In Bayern gibt es über das ganze Land verteilt rund 1100 Windkraftanlagen, im Raum München etwa zwei Dutzend. Geht es nach dem Regionalen Planungsverband, könnten es in Zukunft bis zu 400 werden. Doch wie sieht das Potenzial dafür eigentlich aus in der Stadt?

Nach Angaben des städtischen Referats für Klima- und Umweltschutz (RKU) ist das Potenzial für große Windkraftanlagen mit den beiden großen Windrädern im Norden Münchens bereits weitgehend ausgeschöpft. Das RKU hat nun aber eine Studie veröffentlicht, die das Potenzial für kleinere Windräder untersucht hat, sogenannter Kleinwindenergieanlagen.

Diese kleineren Anlagen könnten, so die Idee, zum Beispiel auf Dächern installiert werden und so einen Beitrag zur Energiewende leisten. Doch das Ergebnis der Untersuchung ist für Freunde der Windkraft eher ernüchternd: Sie sieht in den kleinen Anlagen nur ein eher geringes Potenzial für wirtschaftliche und genehmigungsfähige Anlagen. Der Ausbau der Photovoltaik, so die Erkenntnis, erscheine empfehlenswerter. Gleichwohl sei der ergänzende Einsatz der Windenergie, etwa bei der Weiterentwicklung von Gewerbegebieten, vorstellbar, so das RKU.

Die 104 Seiten umfassende Studie zeigt auf, welche Arten von Anlagen derzeit auf dem Markt sind, wie wirtschaftlich sie sich unter bestimmten Voraussetzungen betreiben ließen und welche Vorschriften bei Planung und Bau zu beachten sind.

Die Windgeschwindigkeit steigt mit der Höhe. Ist die Anlage zu klein, lohnt sie sich nicht

Die Studie ist auf der städtischen Homepage stadt.muenchen.de zu finden, zusammen mit einer Karte für mögliche Standorte. Ein großes Manko der Untersuchung ist das zur Verfügung stehende Datenmaterial. So sind in den Windkarten nur die Werte für Wind in zehn Metern Höhe verzeichnet. Und da weht der Wind in München am häufigsten mit Geschwindigkeiten zwischen sieben und zehn Kilometern pro Stunde - für einen wirtschaftlichen Betrieb von Windkraftanlagen wäre das zu wenig.

Allerdings, so heißt es weiter, steigt die Windgeschwindigkeit mit der Höhe. Bei einer Eigenverbrauchsquote von 100 Prozent und einem Strompreis von 28 Cent pro Kilowattstunde (kWh) wären Anlagen mit einer Leistung von 5,5 Kilowatt ab einer Erzeugung von 8500 kWh pro Jahr wirtschaftlich. Dieser Ertrag wird ungefähr bei 40 Metern Nabenhöhe erreicht. Setzte man dagegen ausschließlich auf die Einspeisevergütung - die Studie rechnet mit acht Cent pro kWh - ohne Eigenverbrauch, würde sich der Betrieb auch bei 60 Metern Nabenhöhe nicht lohnen. Die Erzeugung des Stroms wäre mit 26 Cent je kWh im Vergleich zum Ertrag schlicht zu teuer.

Auf dem SZ-Hochhaus in Steinhausen, das nicht nur rund 100 Meter hoch ist, sondern auch am Stadtrand liegt, könnte sich eine Anlage zum Beispiel durchaus rentieren. Das Gebäude ist auch in der Karte aufgelistet. Auch zentrumsnah gibt es einige Standorte, etwa den Wohnturm "The Seven" an der Müllerstraße (56 Meter hoch) oder das Gebäude des Bayerischen Rundfunks an der Arnulfstraße (68 Meter), um nur zwei weitere Beispiele zu nennen.

Doch das ist bisher nur Theorie: Denn einfach so lässt sich ein Windrad nicht auf einem Dach installieren. So berücksichtigt die Studie laut RKU nicht die statischen Eigenschaften einzelner Gebäude und die lokalen Wind- und Strömungsverhältnisse, die je nach Standort sehr unterschiedlich sein können. Einschränkungen könne es auch wegen der Schallemissionen geben. Ein Windrad ist zwar nicht wirklich laut - aber eben auch nicht lautlos.

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