Nachruf:Der Wiesnpfarrer ist tot

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Nachruf: Wurde 72 Jahre alt: Pater Paul Schäfersküpper.

Wurde 72 Jahre alt: Pater Paul Schäfersküpper.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Der Dominikanerpater Paul Schäfersküpper war 18 Jahre lang Seelsorger für alle Schausteller in Oberbayern und Schwaben - und damit auch für das Oktoberfest zuständig. Nun ist er gestorben.

Von Franz Kotteder

Seinen großen Auftritt hatte er immer in der ersten Woche des Oktoberfests, beim traditionellen Wiesn-Gottesdienst. Der findet stets vormittags in einem Festzelt statt, bevor die Gäste kommen, und für Pater Paul war es stets einer der Höhepunkte, wenn er bei diesem Gottesdienst ein neugeborenes Schausteller-Kind taufen konnte. Wobei "neugeboren" weit auszulegen ist, denn die Schausteller-Eltern warteten gerne mit der Taufe bis zur nächsten Wiesn, damit ihr Kind genau dort von Pater Paul Schäfersküpper getauft werden konnte.

Eine Aufgabe, die künftig sein Nachfolger übernehmen muss, denn der Schaustellerpfarrer Pater Paul Schäfersküpper ist an Silvester 2021 in seiner Heimatstadt Essen gestorben. Das teilte sein Orden, die Dominikanerprovinz vom heiligen Albert in Essen, jetzt mit. Schäfersküpper wurde 72 Jahre alt und war als Spätberufener erst 1994 zum Priester geweiht worden. Zuvor hatte er nach einem Studium der Sprachwissenschaften, Medizin und Pädagogik am Max-Planck-Institut für Psychiatrie gearbeitet.

Dem Dominikaner-Orden trat er 1989 bei, später wurde er Prior beim Grazer Konvent. 2002 übernahm er die Aufgabe als Schausteller-, Zirkus- und Tourismus-Seelsorger für Oberbayern und Schwaben. Damit war er natürlich auch zuständig für das Oktoberfest, was ihm eine große Bekanntheit verschaffte.

Schäfersküpper machte sich stets viele Gedanken über seine Arbeit. Seine Klientel, sagte er oft, könne sich ihren Pfarrer schließlich nicht aussuchen, indem sie einfach in die Nachbarpfarrei gehe. Und auch sonst sah er seine Aufgabe recht pragmatisch. Gerne erzählte er, dass ihm eine Nonne mal vorgeschlagen habe, auf dem Oktoberfest Beichttermine anzubieten. "Die Leute kommen auf die Wiesn, um zu sündigen, nicht um zu beichten", habe er ihr lachend erwidert.

Im September 2020 hatte Pater Paul aus gesundheitlichen Gründen die Aufgabe des Schausteller-Pfarrers niedergelegt und sich nach Essen zurückgezogen. Sein Tod sei dennoch "sehr überraschend" gekommen, teilte die Dominikaner-Provinz vom heiligen Albert zusammen mit den Hinterbliebenen mit. Die Beisetzung findet am kommenden Samstag statt.

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