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Wetterextreme:Das wird ja immer schöner

Eine Palme als Symbol für Wetterextreme in München

Hitze im Juni, Schnee Anfang Februar: 2019 hatte einige Wetterextreme zu bieten.

(Foto: Robert Haas)

Viel zu warm und viel zu sonnig: In München macht sich der Klimawandel bemerkbar - und er wird bald auch Einfluss auf das Stadtbild haben.

Von Thomas Anlauf

Die Fieberkurve steigt. Seit 1955 misst der Deutsche Wetterdienst an seiner Station in der Stadt nicht nur die Temperatur, sondern natürlich auch den Niederschlag, Schneehöhen und Sonnenscheindauer. Doch bei allen Langzeitbeobachtungen können die Forscher mit Sitz an der Helene-Weber-Allee in Neuhausen klar herauslesen, dass die Jahresdurchschnittstemperatur in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen ist. Die Durchschnittstemperatur lag in den vergangenen zwei Jahren bei 11,4 Grad Celsius, das langjährige Mittel ist lediglich 9,2 Grad: Der Klimawandel betrifft längst auch München.

Das lässt sich natürlich nicht an einzelnen heißen Tagen oder Wochen ablesen, aber Experten sind sich darin einig, dass sich Wetterextreme wie Hitzeperioden und Dürrephasen zunehmend verschärfen. So hat sich der Supersommer 2018 im vergangenen Jahr fast nahtlos fortgesetzt. Und 2019 wurde wieder heiß, sehr heiß. Schon Mitte Juni wurde in München erstmals die 30-Grad-Marke geknackt, vom 25. Juni bis 1. Juli stieg das Thermometer fast täglich über 30 Grad, am 30. Juni war es sogar 35,2 Grad heiß. Die größte Hitze folgte dann am 26. Juli mit 35,3 Grad.

Doch auch schon die ersten Monate 2019 waren oftmals ungewöhnlich warm. Am 10. Februar stieg das Thermometer erstmals in der Münchner Innenstadt über 15 Grad, dann folgte trotz Nachtfrost bis Ende Februar eine extrem trockene und milde Phase mit Temperaturen bis zu 18 Grad Celsius. Dabei war es im vergangenen Jahr sogar zeitweise richtig winterlich.

Anfang Februar gab es in München eine geschlossene Schneedecke, nur die Hauptstraßen waren frei von Eis und Schnee. Radler schlitterten auf Nebenstraßen auf Eisbahnen, es kam sogar vor, dass das Fahrzeug eines privaten Winterdienstes in der schneeweißen Grünanlage am Shakespeareplatz in Bogenhausen im Tiefschnee stecken blieb. Die häufigen Schneefälle bekam auch die Stadtkasse zu spüren: Das Baureferat musste im vergangenen Winter 18,8 Millionen Euro für den Winterdienst ausgeben, 2018 waren es 17,6 Millionen. Das lag natürlich vor allem an der Schneemenge: Im Winter 2018/19 fielen insgesamt 145 Zentimeter Schnee, im Jahr zuvor waren es lediglich 87 Zentimeter.

Schlittenfahren auf den Münchner Straßen, 2019

Für die Supersommer 2003 und 2018 reichte es nicht, das vergangene Jahr war dennoch deutlich zu warm - trotz des vielen Schnees am Jahresanfang.

(Foto: Stephan Rumpf)

So lange wie der Winter dauerte, so mächtig kam der Frühling, der schnell in den Sommer überging. Während es den letzten Nachtfrost genau am kalendarischen Frühjahrsanfang am 21. März gab, kletterten die Temperaturen bereits eine Woche später auf bis zu 21,3 Grad. Dazu fiel zwischen 12. Februar und 25. April so gut wie kein Niederschlag.

Im Mai bekam München dafür zum Teil mehr Wasser ab als erwünscht: 71,2 Liter Regen pro Quadratmeter rauschten am 20. Mai vom Himmel herab. Im ganzen Oberland regnete es tagelang zum Teil kräftig. Die Folge: Die Isar verwandelte sich in einen reißenden Fluss.

Die Flut stieg bis auf einen Pegel von 3,57 Metern im Stadtgebiet, normal liegt der Pegel bei 80 Zentimeter. Der Radweg am Ostufer, die Marienklausenbrücke und der Flauchersteg wurden wegen des Hochwassers gesperrt. Auch mehrere Obdachlose mussten ihre Lager nahe der Isar aus Sicherheitsgründen räumen.

Verglichen mit dem Jahrhunderthochwasser vom August 2005 war das Ereignis im vergangenen Frühjahr jedoch ziemlich harmlos. Für die Niederschlagsbilanz waren die Regenfälle zumindest ganz gut: So endete das Jahr 2019 mit einer ziemlich ausgeglichenen Bilanz: Es war in München mit 964 Litern Niederschlag pro Quadratmeter weder zu nass, noch zu trocken, wie der Deutsche Wetterdienst in München mitteilt.

Badende im Eisbach in München, 2019

Der heißeste Tag des Jahres war am 26. Juli, da schien die Sonne bei bis zu 35,3 Grad Celsius.

(Foto: Robert Haas)

Dennoch ist bei der Schnee- und Regenmenge ein leichter Trend nach unten zu erkennen. Vor allem stärkere Niederschläge mit mehr als zehn Liter pro Quadratmeter kommen durchschnittlich seltener vor als in den vergangenen Jahrzehnten. Die langjährigen Niederschlags-Mittelwerte sanken in den vergangenen Jahrzehnten: Fielen zwischen 1961 und 1990 pro Jahr durchschnittlich 974,4 Liter pro Quadratmeter, so waren es im Vergleichszeitraum zwischen 1981 und 2010 nur noch jährlich 948,4 Liter. Das hat natürlich langfristig Auswirkungen auf die Vegetation in München. Denn größere Hitze und gleichzeitig ein trockeneres Klima bedeuten, dass in der Stadt künftig wohl verstärkt mediterrane Bäume gepflanzt werden müssen. Einige Baumarten werden wegen des zunehmend extremen Klimas wohl in nicht allzu ferner Zukunft aus dem Stadtbild verschwunden sein.

Langfristig wird es in München also nicht nur deutlich wärmer und etwas trockener, sondern insgesamt auch sonniger. Auch wenn in diesem Jahr der Rekord aus dem Jahr 2003 mit 2171 Sonnenstunden (Platz zwei belegt 2018 mit 2166 Sonnenstunden) bei weitem nicht erreicht wurde - in diesem Jahr schien die Sonne nur an 1953 Stunden -, wird das Wetter in München statistisch gesehen immer schöner.

Seit dem Jahr 2000 schien die Sonne bis auf drei Ausnahmen länger als im langjährigen Mittel (1680 Stunden). Das dürfte natürlich die Münchner Biergartenbetreiber und Eisdielenbesitzer freuen. Im vergangenen Jahr gab es in diesem Zusammenhang sogar einige Rekorde: Der Juni 2019 war der sonnigste Juni seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in München. Zudem wurde im Juni mit 35,2 Grad der heißeste Junitag (gleichauf mit 2013) gemessen. Ebenfalls im Juni 2019 gab es die meisten Tage mit mehr als 30 Grad Celsius.

Das war es dann aber auch mit den Wetterrekorden im vergangenen Jahr. So gesehen war es ein ziemlich normales Jahr: viel zu warm und zu sonnig.

© SZ vom 03.01.2020/syn

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