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Post an der Schwanthalerhöhe:"Das geht überhaupt nicht"

Seit den 1920er Jahren kann hier Post aufgegeben werden: Die Tage der Filiale an der Bergmannstraße sind aber gezählt, fürchtet man im Viertel.

(Foto: Robert Haas)

Falls die Postbank ihre Filiale an der Bergmannstraße schließt, gibt es im Viertel auch keine Postfiliale mehr.

Von Andrea Schlaier, Schwanthalerhöhe

Mitten im Westend liegt sie, also da, wo eine Säule der Infrastruktur eines Viertels hingehört: die Postfiliale an der Bergmannstraße 47-49, ein blassgelber, strenger, viergeschossiger Bau von Robert Vorhoelzer, Franz Holzhammer und Walther Schmidt aus den 1920er Jahren, der seit dieser Zeit auch ununterbrochen als Poststelle genutzt worden ist. Im Viertel geht die Sorge um, dass die einzige Filiale im Quartier dicht gemacht werden soll. Glaubt man den Ausführungen der Bonner Sprecherin der zuständigen Postbank, sind die Befürchtungen nicht unbegründet.

In einem Dringlichkeitsantrag haben CSU und FDP im Bezirksausschuss (BA) Schwanthalerhöhe in dessen jüngster Sitzung angestoßen, dass das Gremium die Deutsche Post auffordern soll, die Filiale "weiter vollumfänglich zu betreiben". Abgesehen von der postalischen Grundversorgung der Bevölkerung im Stadtteil, argumentiert die Fraktionsgemeinschaft, seien gerade in Corona-Zeiten immer mehr Bürgerinnen und Bürger darauf angewiesen, sich Dinge des alltäglichen Lebens per Versand zu bestellen und liefern zu lassen. Da die Zustellung durch die DHL vielfach nicht im gewünschten Umgang erfolge, sei bei einer Schließung der Filiale Bergmannstraße die Abholung der Pakete etwa in der Arnulfstraße oder am Goetheplatz den Menschen schon von der Entfernung her nicht mehr zumutbar. "Das geht überhaupt nicht", konstatierte in der Sitzung Fraktionschef Uwe Trautmann (CSU).

Die Postbank, unter deren Ägide die Filiale seit 2010 betrieben wird, wie die Bonner Sprecherin Iris Laduch mitteilt, "beobachtet" die Zweigstelle derzeit hinsichtlich "Wirtschaftlichkeit und Optimierungsmöglichkeit". Für viele im Viertel klingt das gefährlich nach verklausuliertem Unternehmersprech, der nichts anderes sagt als: Die Tage dieses Amtes sind gezählt. Entscheidend bei der laufenden Überprüfung, so Laduch, seien nicht die Postdienstleistungen, die sehe man vielmehr als "zusätzlichen Service". Priorität habe vielmehr "unser originäres und letztlich wertschöpfendes Geschäft", sprich, die Finanzdienstleistungen.

Wie alle Banken beobachte auch die Postbank, führt deren Sprecherin weiter aus, dass sich der Markt sowie das Verhalten der eigenen Kunden in Zeiten der Digitalisierung verändere. Immer häufiger höben die Kunden Geld am Automaten ab oder nutzten das Online- und Telefon-Banking. Auch wenn es auf den ersten Blick anders scheine, rechne sich eine Filiale nicht mehr überall.

Hierauf stelle man sich unter anderem dadurch ein, sagt die Postbank-Vertreterin, "dass wir für unsere Kunden unterschiedliche neue Filialformate mit differenzierten Produkt- und Serviceangeboten entwickeln". Am Standort an der Bergmannstraße würden im engen Austausch mit dem Kooperationspartner Deutsche Post ebenfalls verschiedene Optionen ausgelotet, "um für alle Beteiligten eine tragfähige Lösung zu finden". Sollte man zu dem Schluss kommen, das "Filialformat" zu ändern oder den Standort aufzugeben, werde der Kooperationspartner Deutsche Post die "postalische Versorgung der Menschen in der näheren Umgebung der Filiale sicherstellen". Noch sei die Bewertung aber nicht abgeschlossen; wann es soweit ist, kann die Sprecherin nicht sagen.

Die Nachrichten werden die Sorge im Viertel vor einer Schließung der Zweigstelle im denkmalgeschützten Bau weiter befeuern. Der BA drückt deshalb die Alarm-Taste und setzt sich bei der Postbank geschlossen für den Verbleib des bestehenden Angebots ein, um die Infrastruktur aufrecht zu erhalten.

© SZ vom 28.10.2020
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