Werksviertel:"Denkmalschutz hat seinen Preis"

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Werksviertel: Alt und neu kombiniert: Die Rhenania-Villa ist fertig saniert und erstrahlt neben Neubaukomplexen in frischem Glanz.

Alt und neu kombiniert: Die Rhenania-Villa ist fertig saniert und erstrahlt neben Neubaukomplexen in frischem Glanz.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Zwölf Millionen Euro hat die Sanierung der Rhenania-Villa gekostet. Sie wird künftig nicht mehr öffentlich zugänglich sein, sondern von einem Unternehmen genutzt.

Von Sebastian Krass

Die ersten einleitenden Worte spricht Bauherr Stephan Kahl auf der Eingangstreppe zur "Rhenania-Villa". Dann geht es hinein, und der ganze Tross streift Überzieher auf die Schuhe, damit das für viel Geld neu gebaute Holztreppenhaus keinen Schaden nimmt.

Es geht hoch bis ins neu gebaute Dachgeschoss. Und dort kommt Kahl aufs Geld zu sprechen: "Mit dem, was die Renovierung dieser Villa gekostet hat, hätte man zwei Gebäude dieser Art neu bauen können", sagt der Chef der Immobiliensparte des Münchner Unternehmens Rohde & Schwarz (R&S). Zwölf Millionen Euro habe man in die Sanierung gesteckt. "Denkmalschutz hat eben seinen Preis."

Kahl hat an diesem Donnerstagvormittag zu einem Presserundgang durch den "i-Campus" geladen, einem am Ende aus zehn Gebäuden bestehenden Bauprojekt, hauptsächlich für Büros, am nordöstlichen Ende des Werksviertels und direkt gegenüber dem Gleisfeld des Ostbahnhofs. Der größte Teil, darunter fünf neu gebaute Komplexe für insgesamt etwa 2100 Beschäftigte zweier Unternehmen, steht kurz vor Fertigstellung und Bezug.

Werksviertel: Hat viel Geld verschlungen: das hölzerne Treppenhaus.

Hat viel Geld verschlungen: das hölzerne Treppenhaus.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
Werksviertel: Denkmalgerecht saniert: Das Innere der Rhenania-Villa wird künftig nicht mehr öffentlich zugänglich sein.

Denkmalgerecht saniert: Das Innere der Rhenania-Villa wird künftig nicht mehr öffentlich zugänglich sein.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Den repräsentativen Eingang soll die 150 Jahre alte Villa an der Friedenstraße 22 bilden. Sie war erst Sitz einer Waggonfabrik, dann einer Spedition namens Rhenania, zuletzt eine Partylocation. Nach ihrer Kernsanierung erstrahlt sie tatsächlich in neuem Glanz. Fortan wird sie der Steuerberatungsgesellschaft WTS, die auch die umliegenden zwei neuen Bürogebäude für 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angemietet hat, als Repräsentations- und Veranstaltungsort dienen. Die Öffentlichkeit wird keinen Zugang haben.

Bauherr Kahl geht auch darauf ein. Die Stadt, berichtet er, habe sich eine öffentliche Nutzung der Villa gewünscht. Das aber sei nicht möglich gewesen. WTS habe die Villa unbedingt für sich haben wollen. Und er habe wiederum auf die Kalkulation achten müssen. Nachdem die denkmalgerechte Sanierung so viel Geld verschlungen habe, "müssen sich die Dinge auch rechnen", sagt Kahl.

Eine Werbeagentur übernimmt eine Arbeitswelt nach modernsten Ansprüchen

Ein paar Schritte weiter hinten auf dem "i-Campus"-Grundstück stehen drei gleichartige Gebäude mit einer markanten Fassade aus Betonfertigteilen, die wie ein großes Gitter wirken. Sie werden zur neuen Unternehmenszentrale der Werbeagentur Serviceplan für insgesamt 1700 Beschäftigte. Betritt man das Gebäude durch den Haupteingang, steht man vor einer breiten Freitreppe, die zu nahezu komplett offen gestalteten Büroflächen über mehrere Stockwerke führt. Hier, so der Anspruch von Investoren, Architekten und Mietern, soll eine Arbeitswelt nach modernsten Ansprüchen entstehen: kommunikativ und flexibel. Die Beteiligten überschlagen sich förmlich vor Begeisterung. Wie gut die Theorie sich in die Praxis übersetzt, wird sich vom 4. Juli an zeigen, dann zieht Serviceplan mit großem Tamtam um.

Werksviertel: Teil des i-Campus: der Komplex i4 nach Plänen von LRO Architekten.

Teil des i-Campus: der Komplex i4 nach Plänen von LRO Architekten.

(Foto: R& S Immobilienmanagement gmbH)

Bisher nur als Simulation existiert der nächste Baustein des "i-Campus". Auch dieses Projekt, gelegen an der Friedenstraße zwei Häuser links der Villa, stellt R&S an diesem Tag vor. Der Entwurf stammt vom Architekturbüro LRO aus Stuttgart, was der Investor besonders hervorhebt. Schließlich stammt von LRO auch das mit allgemeiner Begeisterung aufgenommene neue Volkstheater. Das Projekt im Werksviertel allerdings wird weniger öffentlichkeitswirksam, handelt es sich doch hier um ein Bürogebäude mit "einer möglichen Ladennutzung im Erdgeschoss", wie man bei R&S erklärt. Es fällt auch im Vergleich mit den Neubauten nebenan deutlich kleiner aus und wird mit einer Fassade aus sichtbarem Mauerwerk eine andere Anmutung haben. Die Fertigstellung ist für die zweite Jahreshälfte 2024 geplant.

Dann soll auch ein weiteres Gebäude des i-Campus hinter der Serviceplan-Zentrale fertig werden. Besonderheit dieses Projekts wird die Holz-Hybrid-Bauweise. Das zehnte und letzte Projekt, ganz hinten an der Ecke Grafinger Straße/Ampfingstraße, wird allerdings noch auf sich warten lassen. Dazu soll es im kommenden Jahr einen Architekturwettbewerb geben, die Fertigstellung ist für 2028 geplant.

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