Khanittha:Wok-Meister im Werksviertel

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Khanittha: Willkommen im thailändischen Streetfood-Market, dem "Khanittha".

Willkommen im thailändischen Streetfood-Market, dem "Khanittha".

(Foto: Stephan Rumpf)

Das Lokal Khanittha sieht aus wie ein echter Streetfood-Market in Thailand, und es schmeckt dort auch so. Ein Holztisch neben einem Tuk Tuk unter bunten Wimpeln und Leuchtreklame ist der perfekte Ort für einen ultimativen Pad-Thai-Test.

Von Rosa Marín

Rosa Marín, das sei hier verraten, bereitet sich gerade darauf vor, mit den Liebsten und dem Rucksack demnächst nach Thailand zu reisen. Dort locken nicht nur Tempel, Strand und Elefanten, sondern auch Pad Thai, das thailändische Nationalgericht. Wo kann man einen Vorgeschmack bekommen, um die Vorfreude zu erhöhen? In München bietet sich das "Khanittha" an, ein luftiges, geräumiges Lokal auf 300 Quadratmetern im Werk 3 des immer cooler werdenden Werksviertels.

Tatsächlich eröffnet sich eine so schön und fantasievoll gestaltete Szenerie nach dem Eintreten, dass sich die Kostproben-Gesellschaft umgehend fühlte, als sei sie auf einem thailändischen Streetfood-Market. Ein großer Imbisswagen ist hier geparkt, ein originales Tuk Tuk sowieso. Über weißen Holztischen, bunt lackierten Stühlen und einfachen Holzbänken hängen farbige Wimpel und Lampions. Dazu Leuchtreklame mit 7-Eleven-Logos und verstreute Grünpflanzen, die den Industrie-Chic in den Räumen neutralisieren, Service-Personal mit Hemden im Batiklook und Ventilatoren, die stilgerecht an der Decke auf Hochtouren drehen - was will man mehr?

Khanittha: Wie wäre es mit Mango Sticky Rice, Thai Pancake Roti oder Coconut Dream aus dem süßen Imbisswagen?

Wie wäre es mit Mango Sticky Rice, Thai Pancake Roti oder Coconut Dream aus dem süßen Imbisswagen?

(Foto: Stephan Rumpf)

Man ist gefühlt 9000 Kilometer Luftlinie entfernt, bestellt um ein Haar auf Englisch und will die Handflächen zum Gruß zusammenführen. Eine perfekte Umgebung für den Pad-Thai-Test. Denn die besten gibt es tatsächlich meist auf den wuseligen Nachtmärkten in Thailand, so gut auch ein feudales Schüsselchen davon auf der Riverside Terrace des Oriental Hotels in Bangkok schmecken mag.

Hier im "Khanittha" ist die zweite Generation am Werk. Monthipha Saparp, die alle Monthi nennen, ist in München geboren, ihre Eltern kamen vor vielen Jahren aus Thailand hierher. Die Mutter namens Khanittha arbeite zuerst im Trader Vics. Dann eröffnete sie ein Lokal in Erding, und später gab es zeitweise zwei Khanittha-Lokale in München. Diese sind inzwischen geschlossen, dafür gibt es den Nachfolger von Monthi im Werksviertel. Hier fing sie vor einigen Jahren mit einem kleinen Imbiss an, der so erfolgreich war, dass sie in die großen Räume expandieren konnte. Ihr Wissen um die thailändische Küche, die Kenntnis um feine Pasten, traditionelle Suppen, Nudeln aller Art und raffinierte Currys ist so groß, dass sie es zum Beispiel zu einem schönen Portrait im Kochbuch "Schweinebraten, Hummus und Pad Thai" schaffte, in dem die Kabarettistin Luise Kinseher, Sternekoch Karl Ederer, und, ja, der SZ-Kollege Franz Kotteder Streifzüge durch internationale Lokale in München unternehmen (so viel Schleichwerbung darf sein, denn Rosa Marín schreibt wie alle Kostproben-Autoren unter Pseudonym und der Kollege weiß nicht, wer sie ist).

Khanittha: Großes Wissen um die thailändische Küche, die Kenntnis um feine Pasten, traditionelle Suppen, Nudeln aller Art und raffinierte Currys: Inhaberin Monthipha Saparp.

Großes Wissen um die thailändische Küche, die Kenntnis um feine Pasten, traditionelle Suppen, Nudeln aller Art und raffinierte Currys: Inhaberin Monthipha Saparp.

(Foto: Stephan Rumpf)

Spaß beiseite, jetzt wird es ernst. Denn am Tisch saß ein echter Experte. Ein junger Mann, der das Gap-Year nach dem Abitur gerade mit hundert Tagen in Asien und reichlich Pad Thai aufgefüllt hatte. So viel sei verraten: Der Daumen ging nach dem ersten Biss hoch. Pad Thai findet sich in der Speisekarte unter der Rubrik Wok. Den gebratenen Reisnudeln mit Sojasprossen, Thai-Lauch, Ei und Erdnüssen können verschiedenen Zutaten zugefügt werden, dann ändert sich auch der Preis: Huhn oder Schwein (13,50 Euro), Ente oder Rind (14,50), Garnelen (16,50), Veggie oder Tofu (12,50). "Klassisch, exakt so wie in Thailand", so das Urteil des Weitgereisten. Besonders angetan hatte es ihm die großzügige Bemessung der Garnelen, die angenehme Schärfe und die perfekte Konsistenz der Reisnudeln, nicht pampig, nicht weich.

Die Speisekarte ist etwas ulkig, mit den großen Fotos der Gerichte würde sie sich auch für etwas ältere Traveller in der Khaosan-Road eignen, die ihre Lesebrille vergessen haben. Aber sie gibt einen guten Überblick. Der Start mit Vorspeisen verlief durchwachsen, man teilte alles auf dem großen Tisch. Peek Gai (6 Euro), eine mittelgroße Portion mit Hähnchenflügeln und Süß-Sauer-Soße enttäuschte, das Fleisch war zu trocken und fast zu knusprig. Ebenso Sate Gai (6), dort waren die Hähnchenspieße nicht saftig genug, das Currygewürz mit zu viel Cardamon schmeckte hervor. Tohu Tord (6), eine ansehnliche Portion mit Tofu, war zu dick frittiert. Ein Pluspunkt jedoch für die Süß-Sauer-Soße, die eindeutig hausgemacht ist. Ein Lob auch für die gemischte Platte (15), auf der sich alle Vorspeisen, auch die tollen Look-Chin-Tord-Fleischbällchen versammeln - zu einem überaus fairen Preis.

Hatte man in der offenen Küche den Wok zu heiß gemacht?

Man wäre verlockt, hier weiterzumachen, doch flugs geht es zu den Hauptspeisen: Pet Pat Pak Bung (18), Scheiben von der Entenbrust mit filigranem Thai-Spinat und einer großen Schüssel Reis, muss mit der Kritik des Enten-Experten am Tisch klarkommen: voll durchgebraten, die Haut nicht knusprig. Da hatte man in der offenen Küche an dem Abend wohl den Wok zu heiß gemacht? Immerhin großes Lob für die feurige Austern-Soße. Sehr zu empfehlen wiederum: Geang Panang (12,50), eine wunderschöne vegetarische Curryschale in Kokosmilch mit Zitronenblättern und Peperoni. Kana Moo Krob (16), knuspriger Schweinbauch mit Thai-Brokkoli, war o.k., aber nicht sehr crispy. Extra Reis kostet zwei Euro zusätzlich.

Die SZ-Kostprobe

Die Restaurant-Kritik "Kostprobe" der Süddeutschen Zeitung hat eine lange Tradition: Seit 1975 erscheint sie wöchentlich im Lokalteil, seit einigen Jahren auch Online und mit einer Bewertungsskala. Etwa ein Dutzend kulinarisch bewanderter Redakteurinnen und Redakteure aus sämtlichen Ressorts - von München, Wissen bis zur Politik - schreiben im Wechsel über die Gastronomie in der Stadt. Die Auswahl ist unendlich, die bayerische Wirtschaft kommt genauso dran wie das griechische Fischlokal, die amerikanische Fastfood-Kette, der besondere Bratwurststand oder das mit Sternen dekorierte Gourmetlokal. Das Besondere an der SZ-Kostprobe: Die Autorinnen und Autoren schreiben unter Pseudonym, oft ist dies kulinarisch angehaucht. Sie gehen unerkannt etwa zwei- bis dreimal in das zu testende Lokal, je nachdem wie lange das von der Redaktion vorgegebene Budget reicht. Eiserne Grundregeln: hundert Tage Schonfrist, bis sich die Küche eines neuen Lokals eingearbeitet hat. Und: Nie bei der Arbeit als Restaurantkritiker erwischen lassen - um unbefangen Speis und Trank, Service und Atmosphäre beschreiben zu können. SZ

Die Preise nicht so niedrig wie in Bangkok, aber für das Münchner Niveau sehr im grünen Bereich. Der Service ist freundlich, aber angesichts der Größe des Lokals aufs Optimum konzentriert. Manchmal dauert es etwas länger. Für ruhige Geschäftsessen ist das "Khanittha" nichts, es ist laut und geschäftig. Rosa Marín fand die Atmosphäre wunderbar. Auch den Thai Ice Coffee (4,50) zum Abschluss, den perfekten Thai Milk Tea (4,50) und den überaus traumhaften Mango Sticky Reis (9), das sind perfekt gereifte Mangoscheiben mit Kokosnuss-Soße. Bald gibt es den dann noch einen Hauch originaler auf dieser schönen, kleinen Insel im Golf von Thailand ...

Khanittha im Werksviertel, Adresse: Atelierstraße 14, 81671 München, Telefon: 0178/6091312, Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 11 bis 23 Uhr, Samstag und Sonntag 12 bis 23 Uhr.

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