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Werksviertel in München:Wie geht es mit dem Container Collective weiter?

Mindestens bis Ende 2022 bilden die teils bemalten und gestapelten ausrangierten Schiffscontainer das Entrée zum Viertel.

(Foto: Stephan Rumpf)

Das Container-Dorf war ein Ort für ein neues Münchner Lebensgefühl, nun herrscht hier viel Leerstand. Anfang Mai soll es wieder losgehen - mit einer neuen Nutzung.

Von Sebastian Krass

Derzeit ist es ein etwas trauriger Anblick, wenn man von der Ecke Friedenstraße/Atelierstraße durch das stilisierte Eingangstor ins Werksviertel tritt: Links die Container, in denen eine Bar war, sind leer. Auch der Container gegenüber, in dem die Motorradschrauber waren, und oben die einstige Sendestation von Radio 80 000 - alles verlassen. Erst im hinteren Teil des Zwischennutzungsprojekts "Container Collective", das es seit 2017 gibt und das einiges zur Bekanntheit des großen städtebaulichen Projekts namens "Werksviertel" beigetragen hat, ist wieder Leben. Das Container-Dorf steckt in diesem Frühjahr 2021 in einem Umbruch. Der Gastronom Robinson Kuhlmann, der den vorderen Teil komplett von der Otec, dem Unternehmen des Pfanni-Erben Werner Eckart, gemietet und dann teilweise untervermietet hatte, habe den Vertrag auslaufen lassen, erklärt eine Otec-Sprecherin.

Daraufhin nahm die Otec das Ganze selbst in die Hand, verkündete Mitte Februar eine "Revitalisierung der Container-Stadt" und rief Interessierte auf, sich um eine Nutzung zu bewerben. Der Betrieb sei bis Ende 2022 sichergestellt, aber auch kürzer angelegte Vorhaben kämen infrage. Inzwischen habe eine Jury die Bewerbungen angeschaut, bewertet und entschieden, wie die Container neu vergeben werden sollen, erklärt die Sprecherin. Auch eine Gastronomie werde es wieder geben. Namen von künftigen Nutzerinnen und Nutzern nennt sie nicht, da die Mietverträge noch nicht unterschrieben sind. Anfang Mai soll es aber losgehen mit der neuen Nutzung im Container Collective.

Es ist im Interesse der Otec, dass es möglichst bald weitergeht, weniger wegen der Mieteinnahmen als wegen der hohen symbolischen Wirkung des Projekts: Schließlich bilden die 39 ausrangierten Schiffscontainer, teils bemalt und gestapelt, ein äußerst werbewirksames Entrée ins Werksviertel, das das zu einem urbanen, kreativen und manchen Stellen auch etwas rohen Quartier machen soll. Erst kürzlich zeichnete der Verein Europäische Metropolregion München (EMM) den Otec-Architekten Panagiotis Doumakis und das Büro Jühling & Partner Landschaftsarchitekten für ihr Container-Projekt mit einem Preis für Baukultur, Unterkategorie Sonderpreis "Orte für gutes Zusammenleben" aus (ein zweiter Sonderpreis ging an das Bellevue die Monaco). Nicht ganz zu Unrecht, schließlich ist die kleine Siedlung aus Metallkisten ein Ort, wie es ihn so in der Stadt sonst kaum gibt - abgesehen vom ähnlich konstruierten, aber anders genutzten "Bahnwärter Thiel" im Schlachthofviertel.

Und an guten Tagen war das Container Collective ein Ort für ein neues Münchner Lebensgefühl: unten ein Kaffee auf einer Holzbank, oben auf der Bar-Terrasse ein Drink in der Abendsonne. Es gab gleichwohl immer auch die Tage, an denen man lieber schnell durchlief, weil es kalt und zugig war, oder man woanders hinging, weil die Sonne Asphalt und Metall so sehr aufheizte, dass das Containerdorf ein eher unwirtlicher Ort wurde.

Es ist gut möglich, dass es auch über 2022 hinaus weitergeht mit dem Container Collective - auch wenn der Grundstückseigentümer das Recht hätte, sofort loszubauen und ein 26 Meter hohes Gebäude mit 15 000 Quadratmetern Geschossfläche zu errichten und damit gutes Geld zu verdienen. Aber das wird vorerst nicht passieren. "Man hat sich hier den Luxus gegönnt, den Platz noch nicht zu verplanen, um auf Dinge, die für das Stadtviertel der Zukunft relevant sind und zum Planungszeitpunkt noch nicht bekannt waren, eingehen zu können", erklärt die Otec-Sprecherin. Der Architekt Johannes Ernst, der mit seinem Büro Steidle für die Otec große Teile des Werksviertels bebaut und deshalb deren Überlegungen gut kennt, spricht von einer vagen Idee, dass dort ein Gebäude mit einer öffentlich-kulturellen Nutzung, eventuell einem Kino, entstehen könnte. Jedenfalls wolle die Otec die Entwicklung des Werksviertels abwarten und dann entscheiden, was an dieser Stelle sinnvoll sein könnte.

© SZ vom 10.04.2021/mmo
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