Münchner Olympia-BewerbungMit aller Macht pro Olympia

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So sah es im Olympiastadion am 26. August 1972 aus: Die Olympischen Sommerspiele werden eröffnet. 
So sah es im Olympiastadion am 26. August 1972 aus: Die Olympischen Sommerspiele werden eröffnet.  Sven Simon/Imago

Die Spitzen der Politik versammeln sich im Stadion, um positive Stimmung vor dem Bürgerentscheid zur Olympia-Bewerbung Münchens zu verbreiten. Helfen soll auch eine Kampagne mit „Jubelschreien“.

Von Joachim Mölter

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Als Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) vor ein paar Wochen zuletzt im Münchner Olympiastadion weilte, gab er dem ZDF sein Sommerinterview: Hinter ihm strahlte der Himmel hellblau, die Sitzschalen in der Arena leuchteten hellgrün. Als er an diesem Dienstagnachmittag mit einem großen Begleittross zurückkehrte, zogen sich indes dunkelgraue Wolken hinter ihm zusammen – braute sich da etwa Ungemach zusammen über dem Start der Werbekampagne für die Münchner Olympia-Kandidatur? Iwo, ach was: „Wir sind die helle Seite“, ließ Söder am Ende der Pressekonferenz wissen. Und tatsächlich: In genau diesem Moment rissen die dunklen Wolken einen Spalt auf und Sonnenstrahlen bahnten sich ihren Weg auf die Szenerie.

Das passte zu dem ganzen Optimismus, den Söder und seine zahlreichen Nebenleute zu versprühen versuchten, als sie die Kampagne für den Bürgerentscheid am 26. Oktober einläuteten. „Wir alle sagen Ja zu Olympia“, rief Söder ins Mikrofon. Da blieb ja keinem etwas anderes übrig, als in die Begeisterung einzustimmen. „Wir werden positiv werben“, versprach Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), „wir müssen Herz und Seele der Menschen streicheln.“

Ziel der Kampagne ist es, die Münchnerinnen und Münchner bei der Abstimmung Ende Oktober dazu zu bringen, ihren Segen für eine Bewerbung der bayerischen Landeshauptstadt um Olympische Sommerspiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 zu geben. Wann genau das Internationale Olympische Komitee (IOC) welche Spiele wohin vergibt, ist bislang noch völlig offen. Söder sprach vom „nächstmöglichen Termin“, für den München in den Ring steigen wolle.

Für ihre Werbezwecke hatten die Politiker allerlei Sportlerinnen und Sportler mitgebracht, darunter die Hälfte aller bayerischen Olympiasieger von Paris 2024: Das war die Dressurreiterin Jessica von Bredow-Werndl, 39. Und die schwärmte von der Atmosphäre in Paris: „Pure Emotion“ sei das gewesen vor einem Jahr – „das ist das, was die ganzen Bedenkenträger nicht spüren“, fand sie. Und fügte hinzu: „Was Paris kann, kann München genauso gut.“

Plakate und Prominenz pro Olympia-Bewerbung: Michael Teuber (von links), Paracyclist und fünffacher Paralympics-Goldmedaillengewinner, Dieter Reiter, Markus Söder, Joachim Herrmann, Jessica von Bredow-Werndl, Dressurreiterin und Olympia-Goldmedaillengewinnerin, und weitere Sportlerinnen, Sportler und Gäste im Olympiastadion.
Plakate und Prominenz pro Olympia-Bewerbung: Michael Teuber (von links), Paracyclist und fünffacher Paralympics-Goldmedaillengewinner, Dieter Reiter, Markus Söder, Joachim Herrmann, Jessica von Bredow-Werndl, Dressurreiterin und Olympia-Goldmedaillengewinnerin, und weitere Sportlerinnen, Sportler und Gäste im Olympiastadion. Leonie Asendorpf/dpa

Abgesehen von der zweimaligen Goldgewinnerin im Einzel und mit der Mannschaft aus der Gemeinde Tuntenhausen bei Rosenheim hatte nur noch der gebürtige Dachauer Oliver Zeidler Gold aus Paris nach Bayern geholt. Der Einer-Ruderer wäre sogar geradezu prädestiniert als Werbefigur für die Münchner Olympia-Bewerbung: Als Deutschlands Sportler des Jahres 2024 besitzt der 28-Jährige aktuelle Strahlkraft, zudem ist er ein Enkel des 72er-Olympiasiegers Johann Färber und nahe der olympischen Regattastrecke in Oberschleißheim aufgewachsen.

Aber Zeidler stand nicht zur Verfügung an diesem Dienstag: Er bereitet sich gerade auf die WM in Shanghai (21. bis 28. September) vor; außerdem startet er schon seit einigen Jahren für einen Frankfurter Verein, nämlich die Ruder-Gesellschaft Germania.

Immerhin der zweite aktive Athlet, den Söder und Reiter am Dienstag präsentierten, trägt das Trikot eines Münchner Vereins: Der fünfmalige Paralympics-Sieger Michael Teuber, 57, tritt für den Behinderten-Sportverein (BSV) München in die Pedale. Bei den Pariser Paralympics vor einem Jahr holte der Radsportler noch einmal Silber im Einzelzeitfahren. Auch er schwärmte von der „Faszination der Spiele“ und hofft, dass ein Zuschlag für München auch das „Interesse am paralympischen Sport“ steigert.

Ein Impuls für den bayerischen Sport tut offensichtlich dringend Not

Ansonsten sieht es derzeit aber eher mau aus mit aktiven Münchner Spitzensportlern außerhalb von Fußballfeldern. Im 73-köpfigen Aufgebot des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) für die am 13. September beginnende WM in Tokio steht beispielsweise nur ein Athlet aus München – der Hammerwerfer Merlin Hummel von der LG Stadtwerke. Die feierte bei der EM 2022 im Münchner Olympiastadion noch zwei Medaillengewinner, die Sprinterin Alexandra Burghardt (Gold mit der 4×100-Meter-Staffel) und den Hochspringer Tobias Potye (Silber).

Aber die beiden sind inzwischen abgewandert – ausgerechnet nach Köln, in die Region des Olympia-Mitbewerbers Rhein/Ruhr. Selbst von den Münchner Hockeyklubs, früher immer stark vertreten in den Nationalteams, schaffte es zuletzt niemand mehr in den Olympia-Kader.

Ein Impuls für den bayerischen Sport tut also offensichtlich dringend Not, den erhoffen sich die Befürworter einer Bewerbung auch durch einen Zuschlag für die Ausrichtung von Olympischen Sommerspielen. Der Haken: Die Athleten, die 2036, 2040 oder 2044 für München, Bayern und Deutschland antreten sollen, müsste man jetzt schon mal fördern. Diesem Thema wich Söder freilich elegant aus: „Jetzt entscheiden wir in Deutschland erst mal, wer’s macht.“ München ist ja nicht der einzige Interessent: Auch Berlin, Hamburg und das Rhein-Ruhr-Gebiet wollen Olympia ausrichten.

In München setzen sie dabei vorrangig auf Emotionen, wie auf den Werbeplakaten zu sehen ist. „Für ewige Helden und bleibende Bauten“ heißt es da, „Für Jubelschreie und Ruhezonen“ oder „Für Leidenschaft und Wirtschaftskraft“. Positives Werben, wie OB Reiter versprochen hatte. Oder wie es Ministerpräsident Söder formuliert: „Olymp-Ja mit einem klaren JA!“

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