Die provisorische Fußgängerzone in der Weißenburger Straße ist bei Anwohnerinnen, Anwohnern und Passanten gut angekommen – etliche Gewerbetreibende hingegen berichten von Umsatzeinbußen und einer schlechteren Erreichbarkeit ihrer Läden. Das sind die zentralen Erkenntnisse der Bilanz des einjährigen Verkehrsversuchs, die bei einer Informationsveranstaltung mehr als 300 Interessierten vorgestellt wurde.
„Die Testphase hat gezeigt, dass die Fußgängerzone funktioniert“, resümierte der städtische Mobilitätsreferent Georg Dunkel. „Die Mehrheit der Menschen wünscht sich eine Veränderung dieses Straßenabschnitts.“ Nun sei es an seinem Referat, auf Basis der Ergebnisse ein Konzept für eine dauerhafte Fußgängerzone in der Weißenburger Straße zu entwickeln, so Dunkel. Über dieses werde der Stadtrat voraussichtlich im Sommer entscheiden.
Zu Beginn der Veranstaltung erinnerte der Mobilitätsreferent zunächst daran, wie kontrovers über den Verkehrsversuch diskutiert und gestritten worden sei. Tatsächlich musste der Startschuss für die Fußgängerzone aufgrund einer Klage kurzfristig um zwei Wochen verschoben werden. Als es dann im August losging, kam es nicht nur zu hitzigen Debatten in sozialen Medien und den Sitzungen des Bezirksausschusses (BA). Sondern Gegner und Befürworter der temporären Fußgängerzone zwischen Weißenburger und Pariser Platz berichteten auch von zerstörten Plakaten, Boykottaufrufen gegen Geschäfte und wüsten Beschimpfungen auf offener Straße. Derweil scheiterten einige Anlieger mit einem Eilantrag gegen das Projekt vor dem Verwaltungsgericht.
Im Laufe der Testphase habe sich die Situation dann zunehmend beruhigt, sagte der BA-Vorsitzende Jörg Spengler (Grüne). Er sprach mit Blick auf die Evaluation von einem „deutlichen Ergebnis“ für eine dauerhafte Fußgängerzone in der Weißenburger Straße und verwies dabei auch auf zwei Online-Petitionen. Dabei habe das Pro-Lager mehr als 2400 Unterstützende aus dem Viertel hinter sich versammelt, wohingegen die Gegner nur auf knapp 400 gekommen seien.
Tatsächlich bewerteten in der Befragung 63 Prozent der Anwohnenden und 73 Prozent der Passanten die temporäre Fußgängerzone als sehr gut oder gut; seitens der Gewerbetreibenden taten dies nur 32 Prozent. Bei letzteren sahen mehr als 60 Prozent eine Verschlechterung für ihre Kundschaft und ihr Geschäft. Er habe während der Testphase Umsatzrückgänge von fünf bis 18 Prozent verzeichnet, sagte Thomas Voglgsang, Inhaber eines Buchladens an der Weißenburger Straße, bei der Podiumsdiskussion im Anschluss der Ergebnisvorstellung. Nachdem die Fußgängerzone im vergangenen August abgebaut worden sei, habe sein Umsatz prompt wieder um vier bis 20 Prozent angezogen.
Eine dauerhafte Fußgängerzone zu errichten, würde wohl ein bis zwei Jahre dauern
Unterdessen lobten die Anwohner in der Befragung hauptsächlich die gestiegene Aufenthaltsqualität in der Haidhauser Einkaufsmeile. Zwei Drittel gaben an, dass sie sich während der Testphase sehr gerne oder gerne in der Fußgängerzone aufgehalten hätten. Zuvor hatten dies lediglich 27 Prozent gesagt. Eine weitere Erkenntnis aus der Befragung: Eine klare Mehrheit befürwortet die Öffnung der Fußgängerzone für den Radverkehr – und das, obwohl es in der Testphase immer wieder Klagen über Radler gab, die sich nicht an die vorgeschriebene Schrittgeschwindigkeit gehalten hätten.
Neben der Befragung führte das Mobilitätsreferat auch Verkehrszählungen und eine Parkraumstudie durch. Demnach hat sich der ohnehin hohe Parkdruck im Franzosenviertel in der Testphase verschärft – bedingt auch durch den Wegfall von 58 Parkplätzen in der Fußgängerzone. Hinsichtlich des Ausweichverkehrs wurde in umliegenden Bereichen wie der Lothringer Straße und der Sedanstraße ein deutliches Mehraufkommen registriert. Laut Rathaus lagen die Zahlen aber unter den Grenzwerten, da die Ausgangsbelastung vergleichsweise gering war. Derweil ging in der Fußgängerzone selbst der Autoverkehr naturgemäß drastisch zurück, während mehr Fußgänger und vor allem mehr Radfahrer gezählt wurden.
In ihrem Resümee unterstrich Isabel Strehle vom Mobilitätsreferat den „breiten Konsens für eine Aufwertung des öffentlichen Raums“ in der Weißenburger Straße. Ihr zufolge sollte eine dauerhafte Fußgängerzone durch bauliche Veränderungen gestaltet werden. Eingedenk der angespannten Haushaltslage könnte sich dieser Weg jedoch als schwierig erweisen, räumte Strehle ein. Insofern werde das Mobilitätsreferat auch untersuchen, wie sich eine Verkehrsberuhigung und ein Flächengewinn für den Fußverkehr kurzfristig erreichen lasse. In jedem Fall, betonte Strehle, sollte der dauerhafte Umbau der Straße in einem „Diskussionsprozess“ stattfinden, also unter Beteiligung der Bürgerschaft.
Bis die Bagger tatsächlich anrollen, werde es aber noch einige Zeit dauern, sagte Mobilitätsreferent Dunkel. Sollten Bezirksausschuss und Stadtrat im Sommer ihr Plazet für eine dauerhafte Fußgängerzone in der Weißenburger Straße geben, werde sein Referat in die detaillierte Planung einsteigen. „Das wird insgesamt ein bis zwei Jahre dauern“, schätzt Dunkel. „Etwas schneller kann es mit Provisorien oder einer Übergangslösung gehen.“

