Gisela (Simone Rethel-Heesters) und Rotraud (Ursula Karven) sind zwei Frauen, die unter sogenannten normalen Umständen wohl kaum zu Freundinnen geworden wären: Die eine betritt naiv und adrett mit Pagenkopf und im Kostümchen, die andere cool und sexy in hohen Lederstiefeln mit silbernem Glitzer-Rock und Langhaarmähne die Bühne in der Komödie im Bayerischen Hof. Aber unterm Tannenbaum landen sie trotzdem gemeinsam bei der Premiere der Weihnachtskomödie „… und das ist gut so!“ von Autor und Regisseur René Heinersdorff.
Schließlich sind da die Söhne der beiden, Max (Patrick Dollmann) und Bernd (Carl Bruchhäuser), seit sieben Jahren glücklich verheiratet. Womit sich ihre Mütter arrangiert haben, sieht man einmal davon ab, dass Giselas Ehemann es vorzieht, den Heiligen Abend in der Kneipe unten im Haus zu verbringen. Schmollend über das schwule Lebenskonzept, das wenig Aussicht auf Enkelkinder bietet. Doch selbst in diesem Punkt ist eine Lösung in Gestalt eines Adoptionsverfahrens anvisiert.
Dieses Tableau vorbildlich-aufgeklärten Familienlebens, in dem die herzige Gisela (wunderbar verkörpert von Rethel) den (Schwieger-)Söhnen sogar glitzernde Meerjungmänner an den Baum hängt, gerät allerdings mächtig ins Schwanken. Denn Bernd, der „Deserteuer“, ist ausgeschert, hat sich erstmals in eine Frau, seine Segelschülerin Stephanie (Yael Hahn), verliebt und komplett neue erotische Seiten an sich entdeckt. In den vergangenen 100 Tagen, erfahrungsgemäß Nagelprobe auch in politischen Koalitionen, ist daraus eine leidenschaftliche Affäre, gar Liebe erwachsen: Und Stephanie, selbst verheiratet und Mutter zweier Kinder, fordert von Bernd, sich zu bekennen – jetzt und sofort.

Konfusion ist die Konsequenz, fortan werden alle mühsam errungenen Toleranzen und erotischen Gewissheiten kräftig durcheinander gewirbelt. So wusste Stephanie zwar, dass ihr Lover verheiratet, nicht aber, dass er schwul ist. Entsprechend groß ist ihre Verblüffung, als ihr plötzlich Max gegenübertritt, der seinem Bernd vorwirft, ein „Hetero im Homopelz“ zu sein.
Mit deftigen Pointen gespicktes Dialogfeuerwerk
Beinahe noch größer ist die Fassungslosigkeit der beiden Mütter: Ausgerechnet Karvens sexuell emanzipierte Rotraud, die sich nie so recht für die Frage interessierte, welcher ihrer Lover als Vater-Kandidat infrage kommt und es in einer Beziehung nie länger als zehn Tage aushält, plädiert dafür, die Ehe nicht leichtfertig zu beenden. Ganz anders dagegen Gisela. Nach dem ersten Schock über das Ehe-Aus „Was sollen wir nur den Nachbarn sagen?“ zeigt sie Verständnis für die Trennung: Sie selbst habe zwar immer bei ihrem Udo ausgeharrt, dafür aber anderweitige Gefühle „verdrängt und unterdrückt“, lautet ihre deprimierende Bilanz.
Aus dieser Gemengelage entfacht das energiegeladene Ensemble ein mit deftigen Pointen gespicktes Dialogfeuerwerk um „die Geschlechterfrage“, Cis-Männer und schwule Stereotypen. Das nicht immer politisch korrekt abläuft, aber doch das Richtige will: Aufgeschlossenheit für alle menschlich-libidinösen Belange. Besonders amüsant sind die Wortgefechte, die sich Bernd und Stephanie hoch oben über den Köpfen des Publikums von gegenüberliegenden Balkonplätzen aus liefern: Während Bernd um mehr Zeit bittet, bis er Max von der neuen Gefühlslage unterrichtet, wirft ihm die taffe Stephanie vor: „Du benimmst dich jetzt schon ganz wie ein typischer Hetero-Mann.“
Dass sich am Ende dieses „Coming in“ doch noch alles zum Guten fügt, ist den Gesetzen einer Weihnachtskomödie geschuldet, zumal im Boulevard. Aber frei von jeden normativen Patentrezepten. Und das ist tatsächlich gut so.
Weihnachtskomödie „… und das ist gut so!, bis 11. Januar 2026, Komödie im Bayerischen Hof, München

