Pino interessiert sich nicht sonderlich fürs Shoppen. Er starrt lieber durch das Schaufenster der Metzgerei in der Dienerstraße, wo Wurstspezialitäten präsentiert werden. Kein Wunder: Pino ist ein Hund, ein „Bracco Italiano“, wie die seltene Rasse heißt. Und sein Herrchen Christian hat ihn in die Stadt mitgenommen, weil er ein paar Klamotten umzutauschen hatte, Weihnachtsgeschenke, die buchstäblich unpassend waren. Das gehört dazu nach dem Fest, was nicht passt, wird passend ersetzt.
In der Fußgängerzone ist dennoch relativ wenig los am frühen Samstagnachmittag unmittelbar nach den Weihnachtsfeiertagen. Die meisten, mutmaßt Hundehalter Christian, werden wohl im Urlaub sein. Denn Weihnachten lag dieses Jahr mit mehreren freien Tagen hintereinander günstig, was nachgerade zum Verreisen einlud. Trotzdem füllen sich die Kaufinger- und Neuhauser Straße im Laufe des Nachmittags mit Menschen. Gegen 14 Uhr ist auch das Parkhaus am Oberanger besetzt, in den Läden tummeln sich immer mehr Kunden, auch bei Sport Schuster.
Und obwohl nach Erkenntnissen des Handelsverbands Bayern (HBE) die Umtauschwelle weitaus geringer ausfällt als in früheren Jahren, berichtet Tobias Knaup, der Verkaufsleiter von Sport Schuster, dass doch viele Menschen am Samstag kämen und Sportkleidung umtauschten. Doch noch mehr Kunden lösten Gutscheine ein. Das Geschäft mit Gutscheinen hat laut HBE-Sprecher Bernd Ohlmann in den vergangenen Jahren stark zugenommen, weshalb auch weniger umgetauscht werde. Etwa ein Drittel aller Geschenke unterm Christbaum sind nach Schätzungen des HBE Gutscheine. Diese würden auch immer schöner und aufwendiger gestaltet als früher, sagt Ohlmann, heute noch umgetauscht würden vor allem Schmuck und Spielsachen.
Vom Weihnachtsgeschäft in Bayern insgesamt ist der HBE aber nicht begeistert. „Von Festtagsstimmung kann keine Rede sein“, sagt Ohlmann. Die Leute hielten ihr Geld mehr zusammen und in den überfüllten Fußgängerzonen sehe man viele „Schaukunden“, dafür weniger „Kaufkunden“. Mit 2,3 Milliarden Euro Umsatz in München hatte der HBE für das Weihnachtsgeschäft im November und Dezember 2025 gerechnet, das sei in etwa so viel wie im Vorjahr, das auch schon nicht gut gelaufen sei. Das Weihnachtsgeschäft mache etwa 20 Prozent des jährlichen Umsatzes aus. Und heuer sei es nicht das Gelbe vom Ei gewesen.
Tobias Knaup hat dieses Jahr ebenfalls eine größere Kaufzurückhaltung beobachtet. Das lag nach seiner Einschätzung aber eher am warmen Wetter Anfang Dezember, bei dem nicht so viele Kunden in die Sportgeschäfte drängten, um sich Skikleidung zu kaufen. Das Geschäft, sagt er, bewege sich leicht unter dem Vorjahresniveau. Von einem „Krisenjahr“ wolle er aber nicht sprechen. Insgesamt sei man durchaus zufrieden. Nächstes Jahr erwarte man wieder ein leichtes Plus, das hänge unter anderem mit der anstehenden Fußball-Weltmeisterschaft der Herren zusammen, die den Verkauf von Sportkleidung wie Trikots erfahrungsgemäß ankurble.

Wolfgang Fischer, Geschäftsführer des Vereins City Partner, in dem die Altstadtkaufleute organisiert sind, sieht das Weihnachtsgeschäft etwas positiver als der Handelsverband Bayern. Das liege auch an Faktoren wie einer starken Gastronomie, die viele Kunden in die Innenstadt locke sowie an den vielen Touristen, die auch im Advent nach München kämen. Und außerdem sei das Weihnachtsgeschäft ja noch nicht vorbei, der Endspurt dauere die nächsten Tage an. Was sich Fischer und Knaup wünschen, ist eine weiterhin gute Erreichbarkeit der Stadt. Wenn die S-Bahn-Stammstrecke gesperrt sei, kämen viel weniger Menschen ins Münchner Stadtzentrum. Und wichtig ist Fischer, dass auch nach wie vor genügend Parkplätze im Zentrum zur Verfügung stehen, auch wenn die Stadt nun an einer Verkehrsberuhigung arbeite.
Der dritte Adventssamstag war übrigens der beste Samstag für den Handel in München. Doch der stärkste Verkaufstag dieses Jahres in München war der 22. Dezember. An diesem Montag vor Weihnachten war die Fußgängerzone so voll, dass Kunden nur langsam vorankamen, vor allem am Marienplatz. Jetzt, nachdem die Buden der Christkindlmärkte wieder abgebaut sind, ist wieder mehr Platz im Zentrum.
Mario und Marisa aus Heraklion auf Kreta sind auf Besuch bei Verwandten in Neufahrn und nutzen den Samstag zum Einkaufen in der Münchner Fußgängerzone, danach wollen sie noch ein paar Museen anschauen. „Hier kann man gut und entspannt shoppen“, sagt Marisa. Und auch Hundefreund Christian wirkt an diesem sonnigen Nachmittag tiefenentspannt, genau wie Pino. Der wird nur ganz kurz unruhig, als sein Herrchen eine Wurst auspackt und sie ihm hinhält. Auch für ihn hat sich der Ausflug ins Zentrum gelohnt.

