Weihnachten:München sucht den perfekten Christbaum

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Weihnachten: Auf dem Skateboard wird der frisch erworbene Baum nach Hause transportiert.

Auf dem Skateboard wird der frisch erworbene Baum nach Hause transportiert.

(Foto: Catherina Hess)

Nordmanntannen sind längst der absolute Liebling, aber auch Fichten und Kiefern halten sich auf dem Markt. Umweltbewusste entscheiden sich oft für das Exemplar im Kübel - doch es gibt Bäume mit besserer Ökobilanz.

Von Günther Knoll

An ihnen kommt derzeit keiner vorbei - Christbäume beherrschen das vorweihnachtliche München: Das (Ersatz-)Prachtexemplar der Stadt am Marienplatz, kleinere Bäume, die wie Jungholzdichtungen so manchen Glühweinstand umrahmen, selbst der türkische Friseursalon oder der Thai-Imbiss wollen auf das christliche Symbol nicht verzichten. Es gilt die Devise: Ohne Baum kein Fest.

Dieser Bedarf will befriedigt werden. Jeder Discounter, jeder Baumarkt hat Weihnachtsbäume im Angebot. Überall in der Stadt sind seit 30. November wieder eigene Verkaufsstellen aus dem Boden geschossen, wo die Münchner sich ihr Wunschexemplar aussuchen können. An diesem dritten Samstag im Advent wird ihnen die Auswahl durch den starken Wind erschwert, der die Bäumchen immer wieder umwirft. "An die Tausend haben wir heute schon aufgestellt", sagt Robert Etterer. Doch diese zusätzliche Arbeit kann dem Händler die gute Laune nicht verderben. Laufend kommt Kundschaft an seinen Stand am Prinzregentenplatz, darunter viele Familien mit Kindern. Und für die ist so ein Baum etwas ganz Besonderes, wie Etterer sagt. An diesem Vormittag habe sich ein kleiner Junge so über den eben gekauften Baum gefreut, dass er ihn sogar umarmt habe. Das kann er auch gefahrlos, denn in den meisten Fällen wählen die Leute Nordmanntannen, und deren weiche Nadeln stechen nicht. Auch ihr sattes Grün, ihre Haltbarkeit und vor allem ihr gerader und dichter Wuchs machen sie zur unangefochtenen Nummer eins.

Weihnachten: Die Auswahl ist groß: Christbäume gibt es bei Christoph Wildmoser am Odeonsplatz.

Die Auswahl ist groß: Christbäume gibt es bei Christoph Wildmoser am Odeonsplatz.

(Foto: Catherina Hess)

Etterers Bäume brauchen sich hier, schräg gegenüber des Prinzregententheaters, vor den Fassaden der Bogenhauser Jugendstilhäuser und Villen nicht zu verstecken. Er verkaufe nur Prachtexemplare, sagt der Händler, "die Leute hier haben Geschmack - und auch Geld", fügt er hinzu. Bei ihm brauchen sie nicht lange zu suchen nach ihrem Wunschbaum, die Auswahl ist zwar klein, dafür aber exklusiv. Der Händler bezieht seine Bäume ausschließlich aus Dänemark, "die haben die besten Samen, bei uns in Bayern wächst keine schöne Nordmanntanne." Es dauert ungefähr zehn Jahre, bis so ein Baum zwei Meter hoch wird. Damit er sich auch schön ebenmäßig in Kegelform präsentiert, dafür helfen die Züchter bei den noch weichen Trieben mit Klammern und Kämmen nach, weiß Etterer.

Soeben hat sein Verkäufer einen stolzen 2,50-Meter-Baum für 125 Euro ins Netz gesteckt, der Kauf hat keine fünf Minuten gedauert. Am Rand der Theresienwiese neben dem Esperantoplatz geht das nicht so schnell. Nicht nur wie für das Bier auf der Wiesn gilt hier offenbar die Maßeinheit Masse. Gleich vier Händler werben direkt nebeneinander um Kunden. Und die tun sich schwer, vor lauter Bäumen den richtigen zu finden: Es dominiert die Nordmanntanne, doch finden sich auch Edeltanne, Nobilis genannt, Blaufichte und sogar die Kiefer. Ein älteres Paar liebäugelt gerade mit einer kleineren Blaufichte, die auf der Verkaufsfläche des "Christbaumdealers" inklusive Wurzelwerk angeboten wird. Man wolle auch beim Weihnachtsbaum an die Nachhaltigkeit denken, sagt die Frau, und ihn nicht einfach nach Gebrauch wegwerfen. Aber erst einmal wollen die beiden weitersuchen.

Weihnachten: Robert Etterer verkauft Bäume am Prinzregentenplatz.

Robert Etterer verkauft Bäume am Prinzregentenplatz.

(Foto: Catherina Hess)

Im Container auf der Verkaufsfläche nebenan sitzt Andre Wolf. Er hält von Christbäumen in Pflanzkübeln, wie sie manche Händler inzwischen anbieten, wenig. Das funktioniere nicht, weil sich das Wurzelwerk nicht richtig ausbilden könne, und sei außerdem "zu teuer und unökologisch", sagt er. Wolf betreibt ein Blumen- und Gartencenter. Vor Weihnachten aber sind er und sein Vater Richard so etwas wie Münchens Christbaumkönige, denn sie haben in der Stadt nicht nur elf Einzelhandelsstellen, sondern beliefern als Großhändler quasi auch ihre eigene Konkurrenz. Über Zahlen rede er deshalb nicht, sagt Andre Wolf, aber: "Wir sind die stärksten hier." Der Firmenname "Christbaum München" zeugt von Selbstbewusstsein.

Wenn auf jeden dritten Deutschen ein Christbaum pro Jahr kommt, dann bedeutet das auf die Stadt München umgerechnet etwa eine halbe Million. Hauptlieferant ist Dänemark, laut Wolf ist der Sandboden dort ideal für die Bäume, Wolf hat allein hier auf der Theresienwiese 1500 Bäume stehen, darunter auch solche aus regionalem Anbau und bio-zertifizierte. "Die sind sogar billiger", weil sie nicht ganz so ideal gewachsen seien, sagt Wolf. Die Kunden wählten dann aber doch die aus konventionellem Anbau. Besonders gefragt seien sie in der Größe zwischen 1,75 und zwei Metern "und schön schlank".

Der Senior Richard Wolf begann mit dem Christbaumverkauf vor 55 Jahren am Siegestor, wo er auch einen Obststand hatte. Damals, erinnert er sich, "sind auf 500 Fichten vielleicht zehn Tannen gekommen". Heute fragt kaum noch jemand nach dem Brotbaum der bayerischen Waldbauern, obwohl ihn der Bund Naturschutz empfiehlt, am besten im benachbarten Wald geschlagen, weil er dann unbehandelt sei und die beste Ökobilanz habe. Mit dem Verkauf von Fichten aus dem eigenen Wald begann auch der Großvater von Christoph Wildmoser auf seinem Hof in der Hallertau. Heute werden dort auf 38 Hektar ausschließlich Christbäume gezogen. Nordmanntannen, sagt sein Enkel und preist vor der Feldherrnhalle stolz die "schönsten Bäume auf dem Odeonsplatz" an.

Weihnachten: Es gilt die Devise: Ohne Baum kein Fest.

Es gilt die Devise: Ohne Baum kein Fest.

(Foto: Catherina Hess)

Wie die anderen Händler setzt Christoph Wildmoser auf die letzte Adventswoche, die sei traditionell "die beste fürs Geschäft". Selbst am 24. Dezember seien viele noch auf Christbaumsuche. Aus Erzählungen der Verwandtschaft wisse er, dass früher an diesem Tage einmal auf dem Elisabethmarkt sogar um die letzten Bäume gerauft worden sei. Das kann heute nicht mehr passieren, das Angebot ist groß genug. 500 Nordmanntannen sind allein bei Wildmoser vergangenes Weihnachten übrig geblieben, die wurden verbrannt. Auch vielen verkauften wird es dieses Jahr nicht anders gehen, wenn sie nach dem Fest ihres Schmucks beraubt sind.

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Die Käufer stellen die riesigen Christbäume etwa in die Eingangsfoyers ihrer Villen - und ordern einen Zweitbaum fürs Wohnzimmer.

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