Weihnachten mit den „Tatort“-Kommissaren

Die Kriminaler haben es diesmal nicht mit einem Mordfall zu tun, höchstens mit Wucher, Ausbeutung und einer nächtlichen Entführung. Denn der alte Geizkragen Ebenezer Scrooge wird in Charles Dickens’ Weihnachtsgeschichte bekanntlich von verschiedenen Geistern heimgesucht und in diverse Zeitebenen seines Lebens verschleppt. Also ein ganz anderer Fall für die gerade aus dem „Tatort“ scheidenden Schauspieler Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl. Zumal das Ende hier von Anfang an bekannt ist: „Scrooge verändert sich zum Guten“, sagt Nemec. „Jetzt hast du’s schon verraten“, scherzt Wachtveitl.
„A Christmas Carol“ ist für das Duo ein zeitloser Klassiker, der jedes Jahr aufs Neue berührt. „Eine universelle Geschichte, mit einem großen, weiten Herzen geschrieben“, findet Wachtveitl, der bei den drei Vorstellungen in der Isarphilharmonie alle Geister und die kleineren Rollen spielen wird. Sie lesen nicht nur, sondern wollen wieder ihr Bühnentalent als Erzähler und Stimmenkünstler unter Beweis stellen. Nemec, der den Scrooge gibt, freut sich vorwiegend auf die musikalische Begleitung: Das Sagas Streichquartett, mit Flügelchen kostümiert, spielt die von Libor Sima eigens komponierte Musik. „Die fand ich von Anfang an gut, weil sie sich nicht scheut, sich emotional in die Kurven zu legen“, sagt Wachtveitl. Es wird also Grund zu Freude geben – und die beiden Kommissare werden als Geist und Scrooge sogar ein Tänzchen aufs Parkett legen.
Miroslav Nemec & Udo Wachtveitl – eine Weihnachtsgeschichte, Donnerstag, 25. Dezember, 19 Uhr, Freitag, 26. Dezember, 15 und 19 Uhr, Isarphilharmonie
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„A Christmas Carol“ geht auch deshalb ans Herz, weil die Geschichte so nahbar ist: Ebenezer Scrooge war ja nicht immer fies, als Kind war er durchaus liebenswert, aber dann … Auch wenn man weiß, wie der Weihnachtsklassiker von Charles Dickens ausgeht, berührt er immer wieder. Besonders stimmungsvoll ist alle Jahre wieder, wie die Native Speaker der „American Drama Group Europe“ kleine und große Besucher im Amerikahaus mit ins viktorianische London nehmen (neun Termine von 12. bis 22. Dezember).
Auch im Münchner Marionettentheater sind die Geister der Weihnacht los. Mit Handpuppen und Live-Sprechern erzählen hier Theaterchef Siegfried Böhmke und sein Team, „wie Ebenezer Scrooge zum Weihnachtskünstler wird“ (Freitag bis Sonntag, 12. bis 14. Dezember, 15 Uhr). Auf der kleinen Puppenbühne werden noch mehr weihnachtliche Geschichten gespielt: „Der verschwundene Wunschzettel“ und „Teddys großes Weihnachtsabenteuer“.
Weihnachten wie beim Bergdoktor

Wer Bergdoktor im Fernsehen wird, muss den Schnee lieben. Er sei schon als Kind „durch gefühlt meterhohe Schneewände gestapft, um zum Christkind zu kommen“, sagt Hans Sigl. Er liebt auch Maroni, er holt sie sich gerne jedes Jahr bei seinem Lieblingsstandl in München. Gelegenheit dazu hat er am 10. Dezember; da gastiert der Schauspieler auf seiner „vorweihnachtlichen Lesetour“ im Carl-Orff-Saal (im ehemaligen Gasteig). Auf seiner „musikalischen Schlittenfahrt“ wird er, swingend begleitet vom Michael Armann Trio, Christian Andersens „Der Tannenbaum“ lesen, Rilkes Gedicht „Kindheit“, Tucholskys „Gefühle nach dem Kalender“ aber auch eine von einer KI geschriebene Story: „Die vertauschten Geschenke“. Alles soll durchaus lustig sein, sagt er, denn: „Ich habe festgestellt, an Weihnachten wird zu wenig gelacht.“
Auch Sigls „Bergdoktor“-Kollegin Monika Baumgartner ist schon in Adventsstimmung. Sie lädt am 21. Dezember zur „Bergweihnacht“ ins Künstlerhaus am Lenbachplatz. Sie liest ihre „Schönsten Weihnachtsgeschichten“. Dazu spielt die Familienmusik Servi und es singt der Tenor Sandro Schmalzl.
Weihnachts-Chor-Musical

„Bethlehem“ wird mit Sicherheit kein Krippenspiel. Das Chor-Musical soll eine Verbindung von der Ur-Weihnachtgeschichte ins Heute schaffen. Und das Heute der von drei Religionen begehrten Stadt in Israel ist sicherlich kein romantisches. Das haben sich der Musikproduzent Dieter Falk (Pur, Paul Young), der Texter Michael Kunze („Elisabeth“, „Griechischer Wein“) und der Regisseur Gil Mehmert („Das Wunder von Bern“) – alle drei Stars ihres Fachs – gedacht, als sie 2023 im Auftrag der Stiftung Kreative Kirche ein großes Musical inszenieren sollten. Und groß wurde „Bethlehem“ wirklich: 3000 Chorsänger wirkten bei der Premiere in Düsseldorf mit, wenn es nun am 27. Dezember erstmals nach München kommt, werden immerhin 1000 die Olympiahalle zum Klingen bringen.
Es geht im heutigen Bethlehem los, zwischen Checkpoint, Stacheldraht und brennendem Ölfass, und durch einen alten Brunnen taucht man ab in die Zeit von Jesu Geburt. Doch auch hier ist alles etwas anders. Der Besucher erlebt eine junge Familie auf der Flucht, die Frau wegen ihrer ungewollten Schwangerschaft verfemt, der Mann kümmert sich um die „Gefallene“. Es geht um Ausgrenzung und einen Despoten namens Herodes, der von Mamba (eine neu eingeführte Figur) vergiftet werden soll.
Neu ist auch die von Pop und Gospel beeinflusste Musik für den „Mega-Chor“ aus Profis und Laien, die „ein starkes Zeichen für Zusammenhalt, Liebe und Frieden“ sein soll. Für weihnachtlich-nostalgische Schauer sorgen freilich bekannte Hits wie „Adeste Fidelis“, „Joy To the Wolrd“ oder Bachs „Gloria“.
Bethlehem, das Chormusical, Samstag, 27. Dezember, 18 Uhr, Olympiahalle
Giesinger Adventssingen

Statt Fan-Gesängen wie „Stark wie noch nie“ oder „Löwenmut“ schallen am 12. Dezember wieder Weihnachtslieder durchs Sechzger-Stadion. Natürlich werden viele Gäste in Fan-Kluft zum „11. Giesinger Adventssingen“ erscheinen, aber traditionelles Accessoire an diesem besonderen Event des Vereins „Freunde des Sechzger Stadions“ sind die Nikolaus-Mützen, natürlich in weiß-blau (und bitte der Nachhaltigkeit wegen die vom Vorjahr mitbringen, wird gebeten). Es wird einer der größten Chöre der Stadt werden, denn ausdrücklich sind nicht nur Fußballfans, sondern alle Münchner und insbesondere die Giesinger Nachbarn eingeladen mitzusingen. Liederbücher, Kerzen und Wunderkerzen werden verteilt, es gibt Glühwein und „die üblichen Stadionsnacks“. Musikalische Unterstützung kommt von den Blasmusikern der TSV-1860-Musiksparte und der Punkband Rauschangriff. Den göttlichen Segen erteilen Vertreter der katholischen und evangelischen Kirchen in Giesing.
Alpenländische Weihnachtsfeiern

Wenn es einen Experten in Sachen alpenländischer Weihnachtsspektakel gibt, dann Enrico de Paruta. Der Radio- und Fernsehmann übernahm bereits vor 42 Jahren von Gustl Bayrhammer die Adventsveranstaltung in der Münchner Residenz. Als der damalige Bundespräsident Johannes Rau 1996 eine „Fernsehweihnacht“ im ZDF zelebrierte, lag die künstlerische Leitung bei dem Münchner Medienprofi. In den vergangenen Jahren entwickelte de Paruta den Klassiker „Münchner Weihnachtssingen“ immer weiter.
Im Kern wird es getragen von de Parutas von Bayern 1, 2 und 3 bekannter Radiostimme, die mit 80 Jahren noch so wärmend wirkt wie ein Jagertee am Kaminfeuer. Damit trägt er – in allen Charakteren – vor allem Ludwig Thomas bairische Geschichte „Heilige Nacht“ vor. Der „Bauerndichter“ habe sich aber immer ein „symphonisches Bühnenerlebnis“ gewünscht. Und so machte er aus der ursprünglichen Lesung mit Musikern vor zwei Wintern die Weihnachtsfestspiele Heilige Nacht.
Das Singspiel bietet eine große Ensemble- und Solistenbesetzung: „Opern- und Konzertsänger, Chöre sowie die beliebten TV-Kindersoprane der ,Engelsstimmen‘ scharen sich unter dem großen Weihnachtsbaum“; dazu erklingen Bläser, Harfen, Glocken und Pauken – ein bayerisch barockes Winterwunderland an 18 Terminen in der Allerheiligen-Hofkirche der Münchner Residenz (10. bis 16. Dezember, 18 Termine) sowie in Ingolstadt (19.) und Regensburg (20.) (www.heilige-nacht.com).
Vielleicht liegt es an der Schneesicherheit: Je tiefer man in die Alpen vordringt, umso höher sind die Erwartungen an die Weihnachtsseligkeit. Aus dem Werdenfelser Land bringen Elisabeth Rehm, ihre Familie und Freund schon seit 19 Jahren ihren Altbayerischen Advent nach München. Mit alten Weisen, besinnlich humorvollen Texten und dem Andachtsjodler stimmen diesmal die Werdenfelder Bläser, die Chiemgauer Sänger, die „Auf Knopfdruck“-Geigenmusi und der Werdenfelser Dreigesang in der Allerheiligen-Hofkirche auf die Heilige Nacht ein (Sonntag, 21. Dezember, 17 Uhr).
Der Werdenfelser Dreigesang und die Familienmusik Rehm begleiten mit alpenländischen Liedern auch Rainer Maria Schießler. Münchens Bühnenstar unter den Pfarren liest nicht aus seinen eigenen Büchern wie „Ja, es ist Weihnachten“ sondern Ludwig Thomas Mundart-Geschichte vom Tegernsee (Sonntag, 14. Dezember, 11 Uhr).
Den Kleinen gehört im Münchner Volkstheater die große Bühne: Intendant Christian Stückl persönlich inszeniert das Krippenspiel Ein Stern ist aufgegangen mit den Riederinger Hirtabuam und vielen Kindern aus Oberammergau. Sie spielen, singen und erzählen eine Geschichte aus dem „bayerischen Judäa“ vom Teufel, der den Weihnachtsstern vertreiben will, um die Geburt Jesu zu verhindern. Dazu spielen die Kirchleitn Saitenmusik und die Riederinger Bläser (Freitag, 19. Dezember, 16.30 und 19 Uhr, Samstag, 20. Dezember, 15 und 18 Uhr).
Poppige Christmas-Konzerte

Die poppige Erlösung im Jahresendspurt kam stets von der Band Erdmöbel, die mit ihren poetisch-melancholischen Weihnachtssongs auf Tour ging. Nun allerdings hat Sänger Markus Berges einen Hörschaden erlitten, damit fällt auch das Konzert am 14. Dezember im Backstage aus. Aber Rettung naht, das Christmas-Virus hat auch andere Musiker angesteckt: Der Wiener Ariel Oehl etwa hat ein ganzes Weihnachtsalbum herausgebracht: „Dunkle Magie“ (Grönland Records) spürt „fast ohne Kitsch“ und „wie eine warme Decke“ einer „kindlichen Sehnsucht“ nach. Die Songs mit Chor, Piano, Gitarren und Bläsern wie „Es schneit“ oder „Merry Christmas, Mr. Sakamoto“ bringt Oehl auf einer „Oehl du fröhliche“-Tour am 11. Dezember ins Volkstheater.
Ein Weihnachtskonzert gibt die Münchner Szenestars Raketenumschau im Substanz: „Hehres Glänzen, heilge Schauer!“ (18.12., 19.30 Uhr). Und auch andere Musiker machen auf ihre Weise mehr aus den Klassikern: die Tango- und Jazzmusiker Quadro Nuevo (16.12., Prinzregententheater), der Folk- und Weltmusiker Rudi Zapf (6.12., Schloss Nymphenburg), vier Sänger wie Sandra Leitner bei Merry Musical im Silbersaal des Deutschen Theaters (8. bis 11. Dezember) oder die Klassik-Pop-Stars Salut Salon (3.12., Prinzregententheater).

Beatles Go Christmas ist der vielleicht etwas gewagte Lockruf im Münchner Hofspielhaus. Aber wenn jemand die großen Vier aus Liverpool mit dem Fest der Liebe zusammenbringen kann, und das noch im Kostüm der „Bavarian-Race-Airline-Besatzung“, dann sind das die swingende Sängerin und Komikerin Julia von Miller (String of Pearls) und ihre Flugbegleiterinnen: Sie versprechen Weihrauch, Christmas-Songs und ein „Ticket to Ride“ ohne Co2-Ausstoß für ihre Revue (3. bis 28. Dezember).
Zur „vermutlich derbsten Weihnachtsfeier“ lädt Thorsten Nagelschmitt ein, den man als Schriftsteller von Punkrocker von Muff Potter kennt. „Nur für Mitglieder“ im Deutschen Theater ist seine Text-Bild-Musik-Revue gemeinsam mit dem Pianisten Lambert, die zur Flucht aus der „alljährlichen Dezemberdepression“ verhelfen soll (20. Dezember).

