So sehr sich der Umbau über die vergangenen vierzehn Monate auch verzögert hat, pünktlich zum Wiesnanstich sollte am Münchner Platzl Weihenstephaner Bier fließen, und diese Frist wurde eingehalten. Am Dienstagmittag hat die Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan ihr erstes Wirtshaus in München mit einem Fass-Anstich durch Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) offiziell eröffnet.
Blume bezeichnete das kernsanierte Restaurant, wo zuvor Schuhbecks Südtiroler Stuben zu finden war, als „eine Art ‚Showroom‘ für das moderne Bayern“ und beglückwünschte die Wirtsfamilie Zinner zu ihrem neuesten Projekt. Bisher hat sich das Wirte-Trio bereits mit dem Wirtshaus Zinner und dem Burger-Konzept „Happy Bros“ in Taufkirchen, dem Weinhäusl am Wiener Platz, ihrer Weinschänke in der Utzschneiderstraße sowie einem eigenen Catering-Betrieb einen Namen gemacht.
Im Weihenstephaner am Platzl wird nun Ferdinand Zinner als gelernter Hotelfachmann die Rolle des Gastgebers übernehmen. Sein Bruder Sebastian Zinner kümmert sich als Koch um die oberste Küchenleitung und dessen Ehefrau Cornelia Zinner, die in Weihenstephan Brauwesen studiert hat, ist für die Qualitätskontrolle der Biere zuständig.

An der zentralen Schanktheke im Gastraum, die aus einem mehr als 250 Millionen Jahre alten Gneis-Block aus dem Valsertal gefertigt ist, kann man sich quer durchs Weihenstephaner Biersortiment probieren. Neben dem klassischen Hellen und alkoholfreien Hellen gibt es Weißbier, Kellerbier, Dunkles, Pils, Doppelbock und sogar einen Weizenbock mit 7,7 Prozent Alkoholanteil. Für eine Halbe davon muss man 7,20 Euro hinblättern. Die Halbe Helles kostet dagegen 5,80 Euro, wie im Hofbräuhaus nebenan. Für 19,50 Euro wird außerdem ein „Streifzug durch die Bierkarte“ mit begleitendem Wirtshaus-Schmankerl angeboten. Oder aber man reserviert sich für eine Bier-Verkostung den „Kuchltisch“ direkt gegenüber der Küchenanrichte.
In der Schwemme, ein paar Treppenstufen unterhalb der Wirtsstube, können Gäste nicht nur ein Bier am Hochtisch trinken, sondern dazu auch den Blick aufs Platzl durch die offenstehende Fensterfront genießen. Dazu gibt es auf die Hand von der Küche „Entendöner Bavarese“ (9,50 Euro) mit gezupfter Ente und Blaukraut sowie bayerische „Banh Mi“, das sind Sandwiches nach vietnamesischem Vorbild gefüllt mit Schweinebauch und Leberwurst oder Pilzen, Wurzelgemüse und Tofucreme (je 13 Euro).
Bayerische Küche mit asiatischen Einflüssen findet sich auch auf der regulären Speisekarte, die nach der Wiesn zum Einsatz kommen wird. „Weihenstephaner exportiert sein Bier in alle Welt, da darf man sich kulinarisch ruhig von außerhalb inspirieren lassen“, findet Wirt Sebastian Zinner, der zusammen mit seinem Co-Küchenchef Nico Lange und Souschef Frank Grundhöfer für die Speisekarte verantwortlich ist.

Zum Beispiel gibt es Spinat mit Ei mal anders: Auf Spinatcreme, Pumpernickel und Kartoffelrisotto kommt ein Onsen-Ei anstelle eines Spiegeleis (18 Euro); und der „No Grammelknödel“ (19 Euro) wird mit Kimchi gefüllt und mit Bayrisch Kraut gereicht. Aber auch bei den Fleisch- und Fischgerichten hat sich das Küchenteam Neues einfallen lassen: Schweinsbraten etwa gibt es mit Spitzkohl und Kartoffel-Frischkäse-Knödel (18,50 Euro), Gulasch vom Bison mit Selleriepüree und eingelegtem Radieschengemüse (29 Euro) und gebratener Lachs wird begleitet von toskanischem Brotsalat und scharfer Chimichurri-Soße (32 Euro).
Damit bildet die Speisekarte gut ab, was Brauerei-Direktor Josef Schrädler in seiner Begrüßungsrede mit dem „Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne“ meint, in dem sich Weihenstephaner stets bewege. Auch die Einrichtung solle diesen Spagat widerspiegeln, modernste Technik treffe auf authentische Atmosphäre. „Wir wollten ein Stück vom Weihenstephaner Berg nach München bringen“, erklärt Schrädler mit Blick auf die großen Säulen im Gastraum, auf denen der heilige Korbinian, der Gründer des Klosters Weihenstephan und Schutzpatron des Bistums Freising, abgebildet ist.
Neben dem „Scheinheiligen“ Aloisius vom Hofbräuhaus sei nun mit Korbinian ein echter Heiliger am Platzl eingezogen, scherzt Kabarettist Wolfgang Krebs am Dienstagmittag während seiner Parodie auf Edmund Stoiber, Hubert Aiwanger und Ministerpräsident Markus Söder. Letzterer war zur Eröffnung angekündigt, ist der Einladung aber nicht gefolgt.

