Bayerische StaatsgemäldesammlungenWechsel an der Führungsspitze der Alten Pinakothek

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Der Leiter der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen Anton Biebl. Hier steht er in der Pinakothek der Moderne, aktuell beschäftigt ihn eher die Modernisierung der Alten Pinakothek.
Der Leiter der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen Anton Biebl. Hier steht er in der Pinakothek der Moderne, aktuell beschäftigt ihn eher die Modernisierung der Alten Pinakothek. (Foto: Robert Haas)

Drei von fünf Sammlungsleitern verlassen die Alte Pinakothek, darunter Andreas Schumacher. Anton Biebl plant, die Stellen nicht einfach nachzubesetzen. Ein „Digital Officer“ soll helfen, das Mutterschiff der Bayerischen Museen in die Zukunft zu navigieren.

Von Susanne Hermanski

Neues in der Alten Pinakothek: Auf dem Mutterschiff der Bayerischen Museen gibt es zahlreiche personelle Veränderungen. Sammlungsleiter Andreas Schuhmacher, der zeitweise auch Stellvertreter des zurückgetretenen Generaldirektors Bernhard Maaz war und die Provenienzforschung der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in einem internen Schreiben kritisiert hatte, verlässt das Haus.

Nach dem Sammlungsleiter für die Holländische sowie Deutsche Kunst Bernd Ebert und dem für die Altdeutsche Kunst zuständigen Gabriel Dette, ist Schumacher der dritte Sammlungsleiter, der binnen eines Jahres geht. Doch anders als seine beiden Kollegen wechselt er nicht an ein anderes renommiertes Museum – Ebert wurde im Mai 2025 Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Dette wird am 1. Februar der neue Kurator für alte Meister am Kunstmuseum Basel. Andreas Schumacher dagegen gibt seinen Beamtenstatus auf. Er wechselt, so heißt es in Museumskreisen, in den Kunsthandel. Sein Ausscheiden hat Anton Biebl, der Leiter der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen bestätigt.

Ob und wie Schumachers und die anderen beiden Posten an der Alten Pinakothek künftig neu besetzt werden, ist noch nicht zur Gänze geklärt. Insgesamt gibt es bislang fünf Sammlungsleiter-Posten. „Ich strebe aber an, dass wir eine neue Position schaffen, die eines ‚Digital Officers‘ für die Alte Pinakothek. Das könnte einen anderen Zuschnitt der Zuständigkeiten zur Folge haben“, sagt Biebl, dem die Pinakotheken und ihre Zweigstellen unterstehen.

Anders als sein Vorgänger Bernhard Maaz, der den Titel Generaldirektor führte, ist Biebl kein Kunsthistoriker. Der Jurist und ehemalige Kulturreferent der Stadt München wurde als Krisenmanager an die Staatsgemäldesammlungen geholt, nachdem deren Umgang mit potenzieller Raubkunst und personelle Missstände in die Kritik geraten waren und Maaz seinen Posten zur Verfügung gestellt hatte.

Andreas Schumacher ist noch bis November „Sammlungsleiter Italienische Malerei bis Ende des 18. Jahrhunderts“ und in dieser Funktion auch zuständig für die Staatsgalerien Schleißheim und Würzburg. Zeitweise war er auch Sammlungsdirektor der Alten Pinakothek, verlor diese Position aber bereits vor dem Ausscheiden von Bernhard Maaz wieder. Diesen Posten bekleidet nun Miriam Neumeister.

Sie ist eine der beiden verbliebenen Sammlungsleiterinnen und aktuell zuständig für einen sehr großen Part des 30 000 Kunstwerke zählenden Schatzes des Alten Pinakothek: die Flämische Barockmalerei sowie Eberts früheren Bereich, die Holländische und Deutsche Barockmalerei. Ebenfalls noch am Haus ist die Sammlungsleiterin Französische und Spanische Malerei bis Ende des 18. Jahrhunderts Elisabeth Hipp, die auch die Staatsgalerien Ansbach, Bayreuth und Ottobeuren betreut.

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Anton Biebl sieht in der Neuordnung der Verantwortlichkeiten die Chance zu tiefgreifenden Veränderungen und „zum Aufbruch“ an der Alten Pinakothek. Im Rahmen seines früheren Amtes als Kulturreferent der Stadt München war er auch für deren Museen, das Lenbachhaus und die Villa Stuck verantwortlich. Bayerns Kunst- und Wissenschaftsminister Markus Blume holte ihn zum Jahreswechsel ursprünglich als Kopf seiner neu gestarteten „Museumsinitiative Bayern“ ins Ministerium.

Die Initiative soll die Häuser des Freistaats mit einem gemeinsamen Konzept in die Zukunft führen. Erst als die Krise an den Staatsgemäldesammlungen öffentlich wurde, machte er ihn zusätzlich zu deren Leiter. Die Bezeichnung Generaldirektor hält Anton Biebl für sich selbst aufgrund seines anderen beruflichen Hintergrunds für „nicht angebracht“. Dennoch sorgt seine Berufung in Kreisen der Kunstmuseen für Debatten. In Deutschland stehen an der Spitze vergleichbarer Häuser traditionell immer noch Kunsthistoriker, die ursprünglich vornehmlich als Kuratoren und Wissenschaftler gearbeitet haben. Kulturmanager sind sie qua Ausbildung selten.

Im Haus der Kunst etwa setzt Bayern aber seit einer massiven Führungskrise vor sieben Jahren auf eine Doppelspitze mit einem künstlerischen und einem kaufmännischen Leiter. Von der Museumsinitiative ist zu erwarten, dass sie den Staatlichen Sammlungen noch mancherlei neue Strukturen beschert.

In einer früheren Fassung dieses Textes, hieß es: „Auf eine Anfrage der SZ hat sich Schumacher bislang nicht geäußert.“

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