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Polizei in München:Isar: Drei Personen in Schlauchboot geraten in Not

Isar bei Großhesselohe, 2011

Der Blick von der Großhesseloher Eisenbahnbrücke auf die Isar und das Wehr Großhesselohe.

(Foto: Claus Schunk)

Ein Großaufgebot rettete die Besatzung, bevor sie in ein offenes Wehr gezogen wurde. Die Männer hatten sich trotz Hochwassers bei Dunkelheit auf die Isar gewagt.

Von Michael Morosow

Obwohl das Landratsamt München für das vergangene Wochenende dringend vom Befahren der Hochwasser führenden Isar abriet, ließen sich die drei Männer, zwei Münchner im Alter von 39 beziehungsweise 43 Jahren sowie ein 35-Jähriger aus dem Kreis Nordhausen, bei völliger Dunkelheit in einem aufblasbaren Gummiboot auf der Isar treiben, als sie gegen 22.30 Uhr in akute Not gerieten. "Es war ein klassischer Fehler, sie haben zu spät ausgebootet", erklärt Stoiber.

Für die Gestrandeten hätte es wohl schlecht ausgesehen, wenn zu diesem Zeitpunkt nicht die Schleusentore geschlossen gewesen wären. "Dann wären sie im günstigsten Fall durch die enorme Sogwirkung durchs Wehr gezogen worden, im ungünstigsten Fall in die Wasserwalze geraten und ertrunken", sagt Stoiber. So aber konnten sich die drei Männer in reißender Strömung gerade noch an der Wehranlage festklammern. Sich selbst in Sicherheit bringen konnten sie indes nicht. Nachdem sie die Aussichtslosigkeit ihrer Lage erkannt hatten, "mussten sie die Hosen runterlassen und die Rettung verständigen", so der Kommandant.

Circa 60 Einsatzkräfte rückten mit 20 Fahrzeugen an, machten zuallererst an der Unfallstelle mit Scheinwerfern die Nacht zum Tag und platzierten flussabwärts Rettungsschwimmer und -taucher aufgrund der Gefahr, dass einer der Gestrandeten den Halt verliert und abgetrieben wird. Von einer Rettung auf dem Flussweg habe man angesichts von Kiesbänken an dieser Stelle abgesehen, berichtet Stoiber, sodass die Einsatzkräfte wie schon vor wenigen Wochen dort von einem Fixpunkt an der Wehranlage eine Steckleiter zu den drei Männern in fünf Metern Tiefe herablassen mussten, dieses Mal aber bei Dunkelheit. Gesichert konnten die Schiffbrüchigen nach oben klettern. Er habe den Verunglückten die "klassische Moralpredigt" gehalten, und diese hätten sich auch entschuldigt, berichtet Stoiber.

Dass die drei Männer die Kosten des Einsatzes bezahlen müssen, das glaube er nicht, auch wenn sie sich durch Leichtsinn selbst in die Gefahr gebracht hätten. Man müsste ihnen grobe Fahrlässigkeit nachweisen, das sei nicht so einfach. "Das wird im Sande verlaufen", nimmt Stoiber an. Die Polizei will zumindest geprüft wissen, ob man die Geretteten für die Kosten in die Pflicht nehmen kann.

Nach ähnlichen Vorfällen im Vorjahr hatte des Landratsamt München im Januar eine "Verordnung zur Regelung des Gemeingebrauchs auf der Isar im Landkreis München" erlassen mit Vorgaben zu Fahrzeugen, Ausrüstung und Fahrtüchtigkeit der Besatzungen. Nachts bei Hochwasser ins Schlauchboot zu steigen, verstößt sicher dagegen.

© SZ.de/huy/kbl

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