Hitze in MünchenDie Isar wird immer wärmer – und das wird zum Problem

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Je mehr Menschen in der Isar baden, desto mehr Stress bedeutet das für die Fische.
Je mehr Menschen in der Isar baden, desto mehr Stress bedeutet das für die Fische. (Foto: Peter Kneffel/dpa)

Trockenheit und Hitze lassen den Flusspegel sinken und die Wassertemperatur steigen. Für Huchen und Forellen könnte das bald gefährlich werden.

Von Bernd Kastner

21,6 Grad zeigt das Thermometer am Dienstagmittag. Klingt kühl in diesen Hitzetagen, aber das täuscht – es ist die Wassertemperatur der Isar in München. So angenehm das für die badenden Menschen ist, den Fischen sei das auf Dauer viel zu warm, sagt Sebastian Hanfland. Bis 20 Grad seien okay, sagt der Geschäftsführer des Landesfischereiverbands, für kurze Zeit vertrügen die Fische auch mehr, aber eben nicht auf Dauer. Aber wenn die Hitze schon Ende Juni, Anfang Juli so groß ist, sei anzunehmen, dass die Isar über Wochen zu warm bleibe. Und das werde bald kritisch für Huchen, Esche und Forelle, sie bräuchten kühles Wasser. Weil zur Hitze große Trockenheit komme, verringere sich der Wasserdurchfluss, und je weniger Wasser, desto schneller erwärme es sich, am Nachmittag sind es laut Wasserwirtschaftsamt schon 22,3 Grad.

Hinzu komme ein weiterer Risikofaktor für den Fisch: der Mensch. Damit meint Fischerei-Chef Hanfland nicht den mit der Angel, sondern jenen in Badehose. Je mehr Menschen im Wasser, desto größer der Stress für die Fische. Weil sie weniger Raum hätten, um die hohe Wassertemperatur in Ruhe auszusitzen. Hanfland sagt, er sei in Sorge, dass es in den kommenden Wochen zu einem größeren Fischsterben kommen könnte, wenn das Wasser nicht kühler werde.

Noch nicht in Alarmstimmung ist hingegen der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes München, Stefan Homilius. Ja, die Pegel von Flüssen und Bächen seien niedrig und weiter fallend, aber noch nicht extrem. Davor schütze die Isar der Sylvensteinspeicher südlich von Lenggries, weil der Stausee konstanten Wasserabfluss bewirke. Vor seinem Bau in den 1950er-Jahren sei die Isar im Sommer immer wieder mal komplett ausgetrocknet, sagt Homilius. Dass derzeit so wenig Wasser in den Flüssen sei, liege auch am trockenen Winter. Der Schnee in den Bergen war früher ein perfekter Wasserspeicher.

Dass Homilius vergleichsweise gelassen wirkt, liegt am Glück in Südbayern: Hier regne es immer noch deutlich mehr als in Nordbayern, und das wirke sich auch positiv aufs Grundwasser aus: Noch sei genügend vorhanden, vor allem dank des nassen Jahres 2024. Deshalb müsse auch nicht zum verschärften Wassersparen aufgerufen werden. Sorgsam mit Trinkwasser umzugehen, dieser Appell gelte natürlich immer. Aber Duschen sei weiter uneingeschränkt okay, und den Garten dürfe man wässern, sagt Homilius. Nur bitte kein Wasser aus Bächen abpumpen: Wenn jeder Gartenbesitzer ein Flüsschen anzapfe, sei es irgendwann trocken.

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