Süddeutsche Zeitung

Ludwigsvorstadt:Bäume fürs Beton-Begleitgrün

Lesezeit: 2 min

Green City lässt seine wandernde Allee in der Schwanthalerstraße Station machen. Die Aufstellung verweist auf besonders staubige Ecken der Stadt und ist zugleich eine Forderung nach dauerhafter Bepflanzung.

Von Julian Raff

"Haltet durch!" möchte man den 15 Bäumchen zurufen, die sich derzeit in ihren Pflanzkübeln an die staubigen Fassaden der Schwanthalerstraße zwischen Paul-Heyse- und Goethestraße drücken - und genau so funktioniert die "Wanderbaumallee" des Vereins Green City seit nunmehr 30 Jahren: Durch ihr trotziges Da-sein zeigt sie auf, was fehlt in den grauesten und heißesten Ecken der Stadt. Viele Münchner kennen die mobile Pflanzaktion inzwischen aus ihrem Viertel. Den Bäumen wirklich beim Wandern zusehen kann man aber auch, bis zu drei Mal im Jahr. So oft es geht, veranstaltet Green City den Baumtransport zum neuen Standort als angemeldeten Demonstrationszug.

Diesmal startet die Baumwanderung im ebenfalls nicht übertrieben grünen Arnulfpark, wo sich Ginkgo, Zierapfel, Sommerlinde, Wildbirne, Gleditschie, Fächerblattbaum und Ahorn für ein paar Wochen ins spärliche Beton-Begleitgrün eingereiht haben. Je zwei Helferinnen pro Baum packen an, die eine zieht das Umzugswägelchen, die andere schiebt und stützt. Die technische Schlüsselstelle der knapp 2,5 Kilometer langen Strecke wartet gleich am Anfang mit der schneckenförmigen Rampe hinauf zum Arnulfsteg, wo sich die Baumspitzen gelegentlich verhakeln.

Gut, dass die Organisatorinnen Katharina Frese und Silvia Gonzalez ihrem Team vorher gezeigt haben, wie man die schweren Kübel samt Baum und Wassersack zur Seite neigt, ohne sie umzuwerfen oder sich den Rücken zu verreißen. Gerade noch ohne Kippmanöver geht es anschließend unter den Tram-Oberleitungen an der Landsberger Straße hindurch, wo der Starkstrom wirklich Vorsicht gebietet.

Über die Bergmann-, Westend- und Ganghoferstraße biegt der Zug schließlich in die Schwanthalerstraße ein, die in ihrem Westteil keine Schmuddelmeile ist, sondern eine überraschend schöne Wohnstraße. Einem älteren Herrn geht die vorausmarschierende Sambatruppe "Go Brazil" etwas zu laut aufs Trommelfell, ansonsten gibt es längs des Weges viel spontanen Zuspruch und Applaus aus Fenstern und Schanigärten.

Am Ziel angekommen, werden die Bäumchen möglichst wetterfest fixiert. Um die Wasserversorgung kümmern sich unter anderem Schüler der Sabel-Wirtschaftsschulen, weitere "Gießpaten" sind jederzeit willkommen. Die Wanderbaumallee gastiert an dieser Stelle schon zum vierten Mal nach 2009, 2010 und 2016.

Natürlich können die zarten Pflanzen nicht wirklich Schatten und Kühle in die Schwanthalerstraße bringen. Die Green-City-Aktiven hoffen dennoch auf nachhaltige Wirkung über eine Petition zur dauerhaften Begrünung mit großen, fest gepflanzten Bäumen, ähnlich wie an der Baumkirchner Straße in Berg am Laim oder der Lindenschmitstraße in Sendling, wo es bereits positive Signale aus der Stadtverwaltung gibt.

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