"Wanda"-Konzert in München:Sportlich in ganz eigenen Disziplinen

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"Wanda"-Konzert in München: Hängen eher dem alten Exzess-Dogma des Rock'n' Roll an als dem Optimierungswahn des Sports: Wanda-Frontmann Michael Marco Fitzthum und seine Band.

Hängen eher dem alten Exzess-Dogma des Rock'n' Roll an als dem Optimierungswahn des Sports: Wanda-Frontmann Michael Marco Fitzthum und seine Band.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die wunderbar verruchte Wiener Indie-Rockband "Wanda" zieht das Publikum im Olympiapark mit einem medaillenreifen Auftritt auf ihre Seite.

Von Martin Pfnür

Als das Konzert auf seinen fulminanten Höhepunkt vor dem Zugabenblock zusteuert, steht Wanda-Frontmann Michael Marco Fitzthum versunken wie ein Schamane in absinthgrünem Bühnenlicht und verlangt mit Vehemenz nach Hochprozentigem. "Ich will Schnaaaaaps", faucht, gurgelt und grient er in das prallgefüllte Rund der Seebühne im Olympiapark, während seine bis dahin eher souverän aufspielende Band einen Bluesrock-Wahnwitz entfaltet, wie er dreckiger und mitreißender nicht sein könnte.

Und ja, es ist natürlich ein feiner Treppenwitz, dass im Begleitfestival einer Sportveranstaltung wie den "European Championships" eine Band auftaucht, die sich dem alten Exzess-Dogma des Rock'n' Roll so nachdrücklich wie kaum eine zweite verschrieben hat. Aber gut, wie man in einem Interview mit dem Berliner Tagesspiegel erfährt, ist Fitzthum längst zu einem "professionellen Alkoholiker" gereift, der beim Saufen penibel auf eine ausreichende Wasserzufuhr achtet, und sich auch vom Schnaps verabschiedet hat, den er nicht einmal zur Verdauung anrät.

Mehr als nur schmissige bis räudige Sauf- und Mitsinghymnen

Das scheint ihm recht gut zu bekommen, zumindest auf der Bühne. Direkt mit dem eröffnenden "Bussi Baby" schaltet er in einen Hyperaktivitäts-Modus, der sämtliche Formen der Publikums-Animation miteinschließt. Mehr als sportlich ist das, wie Fitzthum in seiner mittlerweile wohl angewachsenen Lederjacke in seinen ganz eigenen Disziplinen um Edelmetall kämpft. Vom traditionellen Derwisch-Kreiseln übers taktgenaue Dauerhüpfen bis hin zu eher choreografisch-animierenden Herausforderungen wie dem ausdauernden zweiärmigen Pendelwinken oder dem auf Knien präsentierten Fingerherz.

Schönerweise beweisen Wanda zugleich, dass weit mehr als nur schmissige bis räudige Sauf- und Mitsinghymnen in ihnen stecken. Denn auch wenn der Beginn klanglich eher matschig ausfällt, kristallisiert sich hier doch auch heraus, dass sie es im konsequenten Besingen schwerst angerauter Gefühlszustände längst zu wahrer Meisterschaft gebracht haben. Noch immer ist da diese ewige Lust am Liebesschmerz und seiner Betäubung ("Auseinandergehen ist schwer"). Noch immer ist da dieses auch mal in wienerischem Italienisch ausgedrückte Sehnen nach dem Land jenseits des Brenners ("Lascia mi fare").

Gleichzeitig jedoch zeigen Wanda an diesem Abend mit neuen Singles ihres im September erscheinenden Albums wie "Rocking in Wien" und "Va bene" auch neue Seiten auf. Zeugt erstere als herrlich dämliche Falco-Persiflage von einer humorigen Zitier-Laune, so liegt in der Altersmelancholie von "Va bene" eine bisher ungekannte Nachdenklichkeit. Werde man doch mit dem Lauf der Jahre stets ein wenig "ängstlicher", "hässlicher", "einsamer" und "verletzlicher", wie Fitzthum mit dieser wunderbar vokalverschnörkelten Wiener Sprachmelodie auf der Seebühne röhrend verlauten lässt, um dann zu konstatieren, dass ja trotzdem alles immer weitergehen müsse. Launig? Leiwand!

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