Neubaupläne des TSV WaldtruderingWarum der Druck auf die Münchner Sportvereine steigt

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Einige Kurse hat der TSV Waldtrudering bereits ins Freie verlegen müssen.
Einige Kurse hat der TSV Waldtrudering bereits ins Freie verlegen müssen. Robert Haas

Weil immer mehr Menschen in die Stadt ziehen, wächst die Nachfrage nach Sportmöglichkeiten. Gleichzeitig werden durch die Ganztagsbetreuung die Kapazitäten in Schulturnhallen noch geringer. Die Vereine suchen dringend nach Lösungen – auch wenn diese teuer sind.

Von Joachim Mölter

Beim TSV Waldtrudering war noch mal mächtig Betrieb, kurz vor den Ferien: Auf den beiden Fußballfeldern neben der Wasserburger Landstraße hatten Teams verschiedener Altersklassen ihre Terrains fürs Training abgesteckt, und aus der Halle tröpfelten unaufhörlich Mädchen in pinken Tüllröckchen, die auf dem schmalen Gehweg umher hüpften wie Flummis. Sie hatten gerade die Generalprobe für eine Ballett-Aufführung hinter sich und waren immer noch aufgekratzt.

Im Inneren des Flachbaus bereiteten die Funktionäre des Vereins derweil alles vor für einen Info-Abend, bei dem sie ihren Mitgliedern erklären wollten, warum der TSV Waldtrudering dringend eine neue Halle braucht, eine deutlich größere. „Den Bedarf an Sportmöglichkeiten werden wir mit unserer Mini-Halle nicht mehr decken können“, sagt der Vorstand Josef Bichler. „Ein Neubau ist eigentlich alternativlos“, pflichtet Geschäftsführer Robert Schraudner bei: „Die aktuelle Halle ist nicht zukunftsträchtig.“

Die aktuelle Halle hält TSV-Geschäftsführer Robert Schraudner für nicht zukunftsträchtig.
Die aktuelle Halle hält TSV-Geschäftsführer Robert Schraudner für nicht zukunftsträchtig. Robert Haas

Sie stammt aus den Sechzigerjahren, ist bloß 285 Quadratmeter groß – eine schlichte Einfachhalle: zu niedrig für Volleyball, zu kurz für Bogensport oder Bodenturnen, kaum geräumig genug für die kleinen Mädchen der Ballett-Abteilung. Einige Fitness- und Yoga-Stunden verlegt der Verein nach draußen auf den Rasen, wenn das Wetter mitspielt; für manche Abteilungen hat er Übungszeiten in naheliegenden Schulturnhallen angemietet. Trotzdem reicht es nicht. „Wir haben einen Aufnahmestopp, weil wir die Kinder nicht mehr unterbringen“, sagt Schraudner.

Beim rund 2800 Mitglieder zählenden TSV Waldtrudering lässt sich gerade gut sehen, was auf die Münchner Sportvereine zukommt in den nächsten Jahren: Sie drohen zerrieben zu werden zwischen zunehmender Nachfrage und abnehmenden Angebotsmöglichkeiten. Die Nachfrage resultiert aus dem anhaltenden Zuwachs von Menschen, gerade in Vierteln mit starker Nachverdichtung: So ist beispielsweise in der Messestadt Riem, nicht weit entfernt vom TSV Waldtrudering, der fünfte Bauabschnitt mit 2500 neuen Wohnungen beschlossene Sache. Das knapper werdende Angebot ist vor allem auf das ab 2026 geltende Recht auf Ganztagsbetreuung an Schulen zurückzuführen, die zwangsläufig zu einer Reduzierung der Kapazitäten in den dortigen Turnhallen führt.

Das Referat für Bildung und Sport (RBS) der Landeshauptstadt München überlässt zwar alle 365 Schulsporthallen nach dem Unterrichtsende Sportvereinen, privaten Gruppen oder kommerziellen Anbietern. Aber die Zeiten, die grundsätzlich dem Schulsport vorbehalten sind, gehen von 8 bis 18 Uhr; nur „wenn die schulische Nutzung früher endet, können die Vereine auch schon früher in die Hallen“, teilt das RBS mit. Die Nachmittagsstunden, die unmittelbar an die schulische Nutzung anschließen, seien in jedem Fall für Kinder- und Jugendsport reserviert. Und der Zeitraum zwischen 17 und 19 Uhr sei auch „am stärksten nachgefragt, die Auslastung der Sporthallen entsprechend hoch“, heißt es vom RBS weiter. Aktuell liege die Auslastung in dieser Zeit „deutlich über 90 Prozent“.

Weil der außerschulische Bedarf an Sportstätten weiter wächst, baut die Landeshauptstadt im Rahmen ihres Schulbauprogramms selbst dort Dreifachhallen, wo für schulische Belange nur Einfach- oder Zweifachhallen nötig wären. Ohne Vereine mit eigenen Hallen gäbe es trotzdem nur ein eingeschränktes Angebot für die Bevölkerung. Wer etwas Eigenes hat, wie der TSV Waldtrudering, kann beispielsweise auch am Vormittag oder frühen Nachmittag sportliche Aktivitäten für Senioren anbieten.

Um ihr Angebot aufrechterhalten und noch erweitern zu können, wirbt die Vorstandschaft des TSV Waldtrudering also bei den Mitgliedern um Unterstützung und Zustimmung für einen Hallenneubau. Geplant sind eine 810 Quadratmeter große Doppelhalle mit einigen Büro- und Nebenräumen, Umkleiden für Fußballer und Hallennutzer, eine Hausmeisterwohnung und eine Gaststätte. Statt einer Unterkellerung wie bisher wird das Gebäude aufgestockt. Mit einer 3D-Animation führt der Vorstand die interessierten Mitglieder bei einer Präsentation durch das Gebäude, das im Idealfall bis 2030 an der Wasserburger Landstraße entstehen soll.

Die Baukosten veranschlagt Geschäftsführer Schraudner mit rund zwölf Millionen Euro, achteinhalb Millionen davon könnten durch Zuschüsse und zinsgünstige Darlehen vom Bayerischen Landes-Sportsportverband (BLSV) und von der Stadt München aufgebracht werden. Aber dafür drängt die Zeit: Das entsprechende Sportförderprogramm der Landeshauptstadt läuft zum Jahresende aus – bis dahin müssen Pläne und Anträge eingereicht sein.

Das Finanzierungsmodell sehen vor allem ältere Mitglieder kritisch

Bleibt ein Eigenanteil von rund 3,5 Millionen Euro, den der Verein aufbringen muss. „Nicht ganz wenig“, gibt Schraudner zu. Dass das Finanzierungsmodell die Erhöhung des Mitgliedsbeitrags ebenso vorsieht wie einen zeitlich befristeten Zusatzbeitrag, sehen beim Info-Abend vor allem ältere Mitglieder kritisch.

„Wenn der Verein nicht neu baut, muss er trotzdem viel Geld in die Hand nehmen für Instandhaltung und Generalsanierung der alten Halle“, erklärt Vorstand Bichler die Notwendigkeit des Projekts. Nach knapp 60 Jahren in Betrieb kommen Arbeiten am Dach und an der Heizung, an Duschen und Fenstern auf den Verein zu. Dann könne man auch gleich etwas bauen für die nächsten 60 Jahre, findet der 2. Vorstand Andreas Roßband: „Wir machen das nicht nur für unsere Generation, sondern für unsere Kinder und Enkelkinder.“

Für den TSV Waldtrudering ist der Hallenneubau ein „Zukunftsprojekt“, wie Geschäftsführer Schraudner erklärt. Behörden und Politik unterstützen das Vorhaben: „Wir haben von keiner Seite wirklich Steine in den Weg gelegt bekommen.“ Auf kommunaler Ebene wissen sie ja, wie wichtig das Engagement des Vereins für das ganze Viertel im Münchner Osten ist. Schraudner rechnet jedenfalls mit einem größeren Zulauf, wenn die Halle erst einmal fertig ist und auch die neuen Einwohner im nahen Riem da sind: „Die Prognose ist, dass wir bis 2035 rund 4000 Mitglieder haben könnten.“

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