Nun also doch: In München soll ein urbaner Waldgarten entstehen. Der gleichnamige Verein will in Berg am Laim eine Wiese in eine hochwertige Grünfläche für die Allgemeinheit verwandeln. Nach anfänglicher Ablehnung hat das städtische Baureferat dem Projekt zugestimmt: Im Januar hat der Verein die Patenschaft für eine Fläche am Michaelianger übernommen, vom kommenden Jahr an soll das Areal offiziell als Waldgarten firmieren und gepflegt werden. Im kommenden Frühjahr wollen Ehrenamtliche die ersten zusätzlichen Obstbäume pflanzen.
Ein urbaner Waldgarten ist eine öffentliche Grünfläche, auf der diverse Pflanzen in mehreren Schichten wachsen. Oben Obst- und Nussbäume, in der Mitte Beerensträucher, am Boden Kräuter, womöglich auch Gemüse. So soll ein robustes, waldähnliches Pflanzensystem entstehen, und an den Früchten darf sich die Allgemeinheit bedienen. Neu ist dieses Konzept nicht, in Berlin gibt es einen Waldgarten seit Jahren.

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Quentin Orain gehört dem Vorstand des Münchner Waldgarten-Vereins an und berichtet, dass er und seine Mitstreiter die ursprünglichen Pläne reduziert hätten. Für den Anfang sei das passend. Statt die ganze, etwa 5000 Quadratmeter große Fläche zwischen dem Altenheim St. Michael und dem Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern zu bearbeiten, kümmere sich der Verein nun um etwa 1900 Quadratmeter. Statt der ursprünglich kalkulierten Kosten von circa 350 000 Euro rechne man jetzt mit einem Bruchteil, etwa 30 000 Euro. Anders als in Berlin wolle man am Michaelianger nicht alles neu anpflanzen, sondern das Bestehende ergänzen. Dafür brauche man keine großen, teuren Maschinen. Es stehen bereits einige Obstbäume auf der Wiese, die Wiese soll auch weitgehend erhalten bleiben.
Vier Ziele verfolgt der Münchner Waldgarten-Verein: Die Biodiversität wolle man fördern, mehr als 100 Pflanzenarten und zahlreiche Tierarten könnten in einem Waldgarten leben. Er würde zudem das Stadtklima in Zeiten der Klimaerwärmung verbessern, wenn auch nur in kleinem Umfang. Das gemeinsame Gärtnern fördere die Gemeinschaft, obendrein biete sich der Waldgarten für Umweltbildung an, beispielsweise für Führungen und Workshops.
Ungefähr zwei Dutzend Menschen seien derzeit im Verein aktiv, sagt Orain. Sobald es ans Arbeiten gehe, brauche man etwa 50 Personen, die sich in der Pflege des Gartens abwechseln und etwa einmal im Monat etwas tun: Bäume pflanzen, Bäume zuschneiden, zweimal im Jahr die Wiese mähen, bald auch Beete anlegen und pflegen. Man wolle vor allem Naturinteressierte aus Berg am Laim einbinden, sie müssten nicht erst durch die halbe Stadt zum Garteneinsatz fahren.
Das Geld für das Projekt wolle der Verein über Förderung von Institutionen, zum Beispiel Lotterien, und Spenden zusammen bekommen, sagt Orain; und auf einen Zuschuss vom Bezirksausschuss Berg am Laim hoffe er. Zunächst müsse das Stadtteilgremium dem Projekt generell zustimmen, heißt es aus dem Baureferat. Die Pacht für die Fläche soll von 2027 an etwa 500 Euro pro Jahr betragen. Dieses Frühjahr wollen die Aktiven zehn zusätzliche Obstbäume pflanzen. Sie kommen aus der städtischen Baumschule, die Stadt schenkt sie den Waldgärtnern.

