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Aufforstung:"Vor allem die Konkurrenz um Flächen in und um München ist groß"

Aubingerwald

München hat viele Wälder, doch nicht alle eignen sich für eine weitere Aufforstung.

(Foto: Catherina Hess)

Um dem Klimawandel etwas entgegenzusetzen, wollte Kommunalreferentin Kristina Frank 100 000 Bäume pro Jahr pflanzen - eigentlich.

Von Thomas Anlauf

Kristina Frank hat ein Herz für Bäume. Die Münchner Kommunalreferentin ist schließlich in Personalunion auch oberste Försterin der Stadt und so ist sie gelegentlich an Waldrändern anzutreffen, wenn sie wieder mal ein Bäumchen pflanzt. Am Montagvormittag war es wieder so weit: Da stand die CSU-Politikerin mit dem Münchner Forstrevierleiter Klaus Kagerer auf einer eingezäunten Wiese nahe der Nürnberger Autobahn und setzte zwei etwa einen halben Meter große Stieleichen in die feuchte Erde.

Als sie vor ziemlich genau zwei Jahren gemeinsam mit Umweltschützer Felix Finkbeiner von der Organisation "Plant for the Planet" und einigen Schülern im Fürstenrieder Wald stand und mit ihnen insgesamt 20 Weißtannen-Setzlinge pflanzte, kündigte Frank eine große Baumpflanzaktion im Stadtgebiet an, um dem Klimawandel Bäume entgegenzusetzen. So sollen bis 2025 insgesamt eine halbe Million neue Bäume zusätzlich in München wachsen. Doch nun scheint die Pflanzoffensive bereits ins Stocken zu geraten: Von den in diesem Jahr geplanten 100 000 Bäumen wurden bisher lediglich 20 000 Setzlinge in die Erde gebracht. Der Grund: Es fehlt an geeigneten öffentlichen Grundstücken.

Buddeln für die Zukunft: Revierleiter Klaus Kagerer und Kommunalreferentin Kristina Frank pflanzen kleine Stieleichen.

(Foto: Robert Haas)

"Vor allem die Konkurrenz um Flächen in und um München ist groß", räumte Frank am Montag ein. "Dementsprechend schwer gestaltet sich unsere Suche nach Grund in München beziehungsweise im Umkreis von 50 Kilometern, den wir erstaufforsten können." Die Kommunalreferentin ruft deshalb Grundstücksbesitzer mit mehr als 10 000 Quadratmetern unbebauter Forst- oder Landwirtschaftsfläche auf, Land zur Aufforstung zur Verfügung zu stellen. Sie sollen sich möglichst per Mail unter akquise.kom@muenchen.de mit ihrem Angebot melden. Das klingt fast nach einem Hilferuf.

Denn viel mehr als die städtischen Wälder, die das Kommunalreferat in und um München besitzt, kommen für großflächige Aufforstungen offenbar nicht in Frage.

Hinzu kommt die problematische Zuständigkeit für städtische Grundstücke. Zwar ist das Kommunalreferat für die Liegenschaften zuständig, allerdings betreuen auch andere Referate, etwa das Sozialreferat, Schulreferat und das Baureferat Grundstücke. Und unklar ist, ob künftig das neue Klimaschutzreferat ebenfalls Einfluss auf die kommunalen Grünflächen haben wird. Zudem eignet sich nicht jedes Grundstück gleichermaßen für eine Bepflanzung.

Zwar gibt es in der Stadt wertvolle zusammenhängende Biotope, doch sie werden zum Teil bewusst von Bäumen weitgehend freigehalten, um Magerrasenwiesen zu erhalten - dazu zählt etwa die Fröttmaninger Heide. Auch die Allacher Lohe im Nordwesten Münchens ist nicht für eine großflächige Aufforstung geeignet, hier leben in den lichten Wäldern und Wiesen Pflanzen und Tiere, die in München nur noch selten vorkommen.

Und in den städtischen Wäldern, etwa dem Bergmischwald am Taubenberg im Landkreis Miesbach, pflanzen die Münchner Förster ohnehin jährlich etwa ebenso viele Bäume wie sie fällen - ein Nullsummenspiel also.

In den vergangenen Wochen wurde unter anderem im Gemeindewald von Trudering und Perlach, in Hohenlinden, in der Moosschwaige und im Sendlinger Wald aufgeforstet. Dabei setzen die Förster nicht mehr auf die Fichte, die wegen des fortschreitenden Klimawandels in den kommenden Jahren immer mehr verschwinden wird. Sie kommt mit der zunehmenden Trockenheit, aber auch mit starken Stürmen nicht mehr zurecht. Es werden deshalb vor allem Eichen, Linden und Hainbuchen, aber auch Elsbeere und Speierling gepflanzt. Im Herbst soll eine Grünlandfläche in Unterföhring erstmals aufgeforstet werden. Das Ziel, 500 000 Bäume bis 2025 zu pflanzen, wird Kristina Frank aber wohl so nicht erreichen.

© SZ vom 20.04.2021/syn
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