50 Meter hoch, rund 40 Meter Durchmesser und ein Brutto-Fassungsvermögen von 57 000 Kubikmetern Fernwärmewasser – der neue Wärmespeicher der Stadtwerke München ist nicht nur ein unübersehbarer neuer Blickfang im Stadtbild. Er gilt auch als wichtiger Schritt für die Wärmewende. Die Stadtwerke haben den Wärmespeicher in Sendling nun nach zweieinhalbjähriger Bauzeit in Betrieb genommen. Er ist Teil eines umfassenden Ausbaus der Energieversorgung, in dessen Zuge neue geothermische Kapazitäten, effizientere und leistungsfähigere Turbinen sowie Fernkälteanschlüsse ausgebaut werden.
Von Weitem sieht der Speicher aus wie eine überdimensionierte schimmernde Blechdose. Er gehört zum Heizkraftwerk Süd an der Schäftlarnstraße auf Höhe der Großmarkthalle, in dem Strom und Fernwärme erzeugt werden. Das Heizkraftwerk arbeitet mit sogenannter Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Dabei wird Erdgas in Gas- und Dampfturbinen genutzt, um gleichzeitig Strom und Wärme zu erzeugen. Kraft-Wärme-Kopplung gilt dabei als besonders effizient; in Zeiten hohen Strombedarfs entsteht viel Abwärme.
Genau hier kommt der neue Wärmespeicher zum Einsatz: Er dient dem Einspeichern von überschüssiger Wärme in Form von heißem Wasser bei Temperaturen von mehr als 100 Grad Celsius in einer sogenannten Zweizonen-Speichertechnologie. So geht die Wärme nicht verloren, sondern wird flexibel zwischengespeichert.
Diese Wärme kann der Speicher dann zum Beispiel in das Fernwärmenetz einspeisen. Dadurch soll das Gesamtsystem effizienter und die Versorgungssicherheit erhöht werden. Die eingespeicherte Energie kann so theoretisch über Wochen oder Monate gespeichert werden, in der Praxis wechselt die gespeicherte Energie aber je nach Bedarf im Tagesrhythmus.
Von den Stadtwerken heißt es, der Speicher ermögliche es, „in Zeiten hohen Strombedarfs die komplette Abwärme der KWK-Anlagen, die nicht direkt im Fernwärmenetz untergebracht werden kann, zu speichern“. Momentan werde die eingespeicherte Wärme bereits genutzt, um den Fernwärmebedarf in den Fernwärmenetzen Innenstadt, Perlach und Sendling während der Mittags- und Nachmittagsstunden vollständig zu decken, wodurch der Gaseinsatz im Heizwerk erheblich reduziert werden könne.
Der neue Speicher fügt sich in die größte Geothermieanlage Deutschlands
Zudem kann der Speicher in Zeiten geringer Nachfrage auch überschüssige Wärme aus der 2021 in Betrieb genommenen Geothermieanlage aufnehmen und bei steigendem Wärmebedarf wieder ins Netz einspeisen. Die größte Geothermieanlage Deutschlands auf der Nordseite des Geländes kann bereits aus einer Tiefe von 2400 bis 3200 Metern bis zu 80 000 Münchnerinnen und Münchner mit Fernwärme versorgen.
Die Region München gilt als besonders vielversprechend für den Ausbau von Geothermie. 2025 nahm etwa der Dax-Konzern MTU eine eigene Geothermieanlage in Betrieb.
Ein ähnliches Projekt zur Wärmespeicherung wurde bereits 2007 in wesentlich kleinerer Größenordnung am Ackermannbogen verwirklicht. Hier wird Energie aus Solarkollektoren auf den Dächern der Wohngebäude in den saisonalen Wärmespeicher mit circa 5700 Kubikmetern Kapazität eingespeist und bei Bedarf in den Wintermonaten über ein Nahwärmenetz in die Wohngebäude transportiert. Das Projekt galt als eines der ersten dieser Art in Europa. Im Winter kann der Energiebedarf der 320 Haushalte damit bis zu 50 Prozent gedeckt werden.

