Neubauprojekt am Vogelweideplatz:Bogenschlag in Bogenhausen

Neubauprojekt am Vogelweideplatz: Am Donnerstag war die Grundsteinlegung für die Büroimmobilie "Der Bogen".

Am Donnerstag war die Grundsteinlegung für die Büroimmobilie "Der Bogen".

(Foto: OH)

Neben der Zentrale von Giesecke und Devrient am Vogelweideplatz entsteht ein auffälliges Neubauprojekt. Die etwa 2000 Arbeitsplätze sollen vor allem von Start-Ups genutzt werden.

Von Alfred Dürr

Die vier neuen Türme der Bavaria-Towers prägen den Vogelweideplatz in Bogenhausen. Dieses früher eigentlich nur zur Verkehrsfläche degradierte Areal am Beginn der Autobahn A 94 in Richtung Passau hat in den vergangenen Jahren sein städtebauliches Erscheinungsbild gründlich verändert. Nun kommt ein architektonisch auffälliges Neubauprojekt hinzu. Am Donnerstag war die Grundsteinlegung für die Büroimmobilie "Der Bogen" unmittelbar neben der Firmenzentrale des international tätigen Sicherheitskonzerns Giesecke und Devrient (G+D) an der Ecke Vogelweidestraße und Prinzregentenstraße.

Das 1852 in Leipzig gegründete Familienunternehmen G+D will sein Hauptquartier weiter entwickeln. Anfang der Fünfzigerjahre erfolgte der Umzug nach München. An der Prinzregentenstraße entstand das erste Gebäude für den neuen Firmenhauptsitz. Aus einer Druckerei für Banknoten wurde im Lauf der Jahrzehnte ein Hightech-Spezialist für Sicherheitssysteme. Der ursprüngliche Bautrakt mit Büros und Produktionsstätten wurde nicht mehr benötigt und abgerissen.

Immerhin wird nun fast ein Drittel des G+D-Geländes neu gestaltet. Auf dem 11 500 Quadratmeter großen Areal bietet der neue Technologie-Campus Raum für etwa 2000 Arbeitsplätze. Sie sollen hauptsächlich aus dem Bereich von Start-up-Unternehmen sowie der IT- und Sicherheitsbranche kommen.

"Wir schlagen damit auch einen Bogen von analogen Produktionshallen zur digitalen Welt", sagt Marian von Mitschke-Collande als Vertreter des Bauherrn G+D. Sein Anspruch ist, keinen verwechselbaren Bürokomplex zu schaffen. Er spricht von einem multifunktionalen Campus, der ein breites Angebot zur Verfügung stellt: angenehme Kommunikationsflächen wie Terrassen oder begrünte Dachflächen, Fitnessstudio, Gastronomie und Läden wie einem Supermarkt oder einem Bäcker. Der ehemals abgeriegelte G+D-Komplex öffnet sich mit den Erdgeschosszonen zur Nachbarschaft. Die Landschaftsarchitektur (Ramboll Studio Dreiseitl, Überlingen) sieht eine Erschließung von allen angrenzenden Straßen vor.

Nicht nur die künftigen Mieter sollen also von dem Neubau profitieren, sondern auch "in höchstem Maß" die Anwohner, sagt Fredrik Werner vom Architektenbüro Henn aus München. Dieses hat zwei in den Obergeschossen verschränkte Baukörper entworfen. Zwei verschieden gestaltete Fassaden mit bronze- beziehungsweise messingfarbenen Elementen sorgen für eine optische Differenzierung. Durch das Erdgeschoss führen für jeden zugängliche Wege, es gibt Innenhöfe und Grünflächen.

Diese öffentlichen Bereiche gestaltet das Mailänder Büro Matteo Thun & Partners mit vielen natürlichen Elementen. "Wir wünschen uns ein lebendiges Quartier", sagt Projektleiterin Patrizia Glawon.

Obwohl hier international renommierte Büros am Werk sind, hätte ursprünglich eine andere Architektur zum Zug kommen sollen. Vor drei Jahren gewann das Münchner Büro 03 Architekten den Wettbewerb. Sie schlugen eine Gebäudegruppe mit unterschiedlicher Höhenentwicklung bis zu 60 Metern vor. Zusammen mit dem Ensemble der Bavaria-Towers und einem weiteren Hochhaus, das in den kommenden Jahren am Vogelweideplatz entstehen soll, hätte hier ein bemerkenswerter Stadteingang gebildet werden können.

Dass die jetzige Gebäudeskulptur einen wichtigen städtebaulichen Akzent setzen wird, steht für Marian von Mitschke-Collande außer Frage. Der Henn-Entwurf sei prägnant und eigenständig, füge sich dennoch gut in die Umgebung und in die Nachbarschaft zur G+D-Zentrale ein. Nicht zuletzt spiele es eine Rolle, "dass uns als Familienunternehmen das Dezente besser gefällt". Letztlich habe der zweitplatzierte Henn-Entwurf in technischer, wirtschaftlicher und terminlicher Hinsicht überzeugt. Das Konzept von 03-Architekten hätte ein Bebauungsplan-Verfahren mit höherem Zeitaufwand erfordert. Außerdem verweist man bei G+D auf Gegenwind aus der aus der Nachbarschaft, wenn höhere Gebäude gebaut worden wären. "Der Bogen" wird acht Geschosse hoch und soll 2024 bezugsfertig sein.

© SZ vom 05.10.2021/kafe
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