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Altstadt:Temporäre Kunstgalerie auf dem Viktualienmarkt

Michael Bajer malt auf dem Viktualienmarkt.

(Foto: Stephan Rumpf)

Das Open-Air-Event "Artlokal" verwandelt den Viktualienmarkt in eine Ausstellungsfläche. Das Projekt hat der Brite Peter Guest ins Leben gerufen - der noch Großes vorhat.

"Die letzten Pinselstriche habe ich erst vor zwei Tagen gesetzt, trocken ist das bestimmt noch nicht", Petra Feber zeigt auf ein kleinformatiges Ölgemälde, darauf ist ein Blumenstand auf dem Viktualienmarkt in München zu sehen. Die Farben glänzen tatsächlich noch feucht. "Wenn ich schon auf dem Viktualienmarkt ausstellen darf, dann brauche ich doch auch ein Bild von hier, dachte ich mir." Sie gehört zu den 33 Künstlerinnen und Künstlern, die beim Open-Air-Kunstevent "Artlokal" auf dem Viktualienmarkt ausstellen.

München und Bayern ist das Thema der Freiluft-Kunstgalerie, natürlich sind deshalb viele Landschaftsbilder zu sehen, aber auch Stillleben, Porträts, Fotografie, Comiczeichnungen und Mangas. Petra Febers Bilder dominiert das Wasser. Alles ist in leuchtenden Farben gehalten: Menschen auf einem Steg vor einem orange-roten Sonnenuntergang, Segelboote tanzen auf blau-grünen Wellen des Ammersees, Brücken und der Springbrunnen am Friedensengel - einer ihrer Lieblingsplätze in München. Gemalt hat sie schon immer gerne, aber erst mit einer Kunstausbildung im Münchner Akthof hat sich ihr Stil bedeutend weiterentwickelt. Dass sie jetzt auf dem Viktualienmarkt ausstellen und mit anderen Künstlern und Besuchern über ihre Bilder sprechen darf, kann sie immer noch kaum fassen.

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Ins Leben gerufen hat das Event der Brite Peter Guest. Der Künstler aus Bournemouth betreibt seit vielen Jahren die "Kräuter Gallery" auf dem Viktualienmarkt. Hier verkauft er seine eigenen Aquarellbilder, Kunstdrucke und bayerischen Tees. Wenn er nicht gerade an seinem Stand steht, dann entwirft er futuristische Autos. Das "Artlokal" soll eine Art Kunstviertel der Stadt werden, denn so etwas fehle in München noch, sagt Guest. Und welcher Ort ist dafür besser geeignet als "der Magen Münchens" - der Viktualienmarkt?

Guests' Hoffnung ist es, dass das Artlokal vielleicht irgendwann zur einer dauerhaften Installation wird. In die Szenerie passt sich die Ausstellung gut ein, auch wenn die Zäune, an denen die Bilder aufgehängt sind, vielleicht ein bisschen an Baustellenabsperrungen erinnern. Auf 180 Quadratmetern sind diese an der Ecke Frauenstraße und Westenriedstraße im Zickzackmuster aufgestellt, sodass die Besucher einmal an jedem Künstler und seinen Werken vorbeigelotst werden. Auf den Treppenstufen zur Straße hin sitzen Menschen und trinken Kaffee und Wein oder essen ein Eis, dort kommen Einheimische, Touristen und Künstler miteinander ins Gespräch. Die Bäume spenden in der brennenden Mittagssonne zumindest ein bisschen Schatten. Unter ihnen haben sich viele Künstler eingefunden.

Das Artlokal läuft eine Woche - für Herbst ist ein längerfristiges Projekt geplant

Einer von ihnen ist Michael Bajer. An die Staffelei des Künstlers aus Trudering ist ein Foto des Monopteros im Englischen Garten geheftet, in seinem Aquarellmalkasten mischt er verschiedene Grüntöne für die Blätter der Bäume an. Seit 15 Jahren malt er jetzt schon, das meiste hat er sich selbst beigebracht. Eigentlich ist er Ingenieur, vor Kurzem hat er seine Arbeitsstunden reduziert, um sich noch mehr auf seine Kunst konzentrieren zu können. Mittlerweile verbringt er täglich fünf bis sechs Stunden an seinen Bildern. Die Werke, die er mit auf den Viktualienmarkt gebracht hat, zeigen typische Wahrzeichen Münchens, manchmal aus ganz neuen und unerwarteten Perspektiven: den Marienplatz aus der Vogelperspektive oder zwei telefonierende Männer in Anzügen vor der Feldherrnhalle.

Im Moment ist das Artlokal nur für eine Woche angesetzt, im Herbst will Peter Guest jedoch ein Konzept für ein längerfristiges Projekt bei der Stadt München vorstellen. Eine Oase der Kultur, eine Bühne für die zeitgenössische Kunst Münchens und ganz Bayerns, das ist sein Traum für den Viktualienmarkt. Vielleicht wird er Ende des Jahres schon zur Realität.

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