Süddeutsche Zeitung

Versicherungskammer -Gebäude an Maximilianstraße:Zu veraltet und marode für eine Sanierung

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Die Versicherungskammer plant den Abriss und Neubau ihres Büro-Ensembles in der Maximilianstraße. Die Herausforderung: Es soll sich in eine Umgebung einfügen, die von Baudenkmälern geprägt ist.

Von Alfred Dürr

Neue Großbaustelle an der Maximilianstraße: Die Versicherungskammer Bayern errichtet dort bis voraussichtlich 2029 einen Bürokomplex mit sechs Geschossen nach den Plänen des niederländischen Architekturbüros Mecanoo. Dieses ist jetzt als Sieger aus einem Wettbewerb hervorgegangen. Der bestehende Komplex aus den frühen Siebziger- und Achtzigerjahren, gelegen am Kreuzungsbereich zur Widenmayerstraße und zur Sternstraße, wird abgebrochen. Schon Ende des Jahres sollen die vorbereitenden Arbeiten beginnen. Die Pläne für das Projekt reichen bis in das Jahr 2017 zurück.

In dem Büro-Ensemble ganz in der Nähe zur Isar befanden sich unter anderem das Rechenzentrum, ein großflächiges Archiv und die unternehmenseigene Druckerei. Diese Einrichtungen würden inzwischen in dieser Form nicht mehr gebraucht, heißt es aus dem Unternehmen. Auch die Kulturstiftung samt Kunstfoyer war hier untergebracht.

In dem Neubau sind ausschließlich Büros vorgesehen. Die Versicherungskammer, die bundesweit der größte öffentliche Versicherer ist, sieht im Bestandsgebäude zu wenig Spielraum für eine künftige Nutzung. Die Haustechnik sei veraltet, Fassade und Dach wiesen Schäden auf, eine Wärmedämmung sei nicht vorhanden und die Betonkonstruktion sei teilweise marode. Zudem seien auch Durchbiegungen und Risse festgestellt worden, die eine statische Ertüchtigung erforderten.

Im Hinblick auf den Brandschutz oder die Barrierefreiheit seien "sehr aufwendige" Ertüchtigungen nötig. Bei der Frage, ob man das Gebäude erhält und saniert, um CO₂ zu sparen, ist das Unternehmen zu einem klaren Ergebnis gekommen. Die Untersuchungen eines Ingenieurbüros hätten ergeben, dass ein Abbruch und ein neu konzipierter Ersatz die nachhaltigste Lösung darstelle. Eine Sanierung wäre extrem teuer und würde sehr viele Ressourcen verbrauchen. Die grundlegenden strukturellen Beeinträchtigungen würden nicht verbessert, der materialtechnische Aufwand wäre nahezu gleich hoch.

"Mit Ruhe und großer Selbstverständlichkeit"

Deswegen also die Entscheidung für einen nachhaltig geplanten und realisierten Ersatzneubau, bei dem auf die CO₂-Reduzierung größter Wert gelegt werde. Nicht nur ökologische Herausforderungen waren aber bei dem Projekt ein großes Thema. Das Gebäude muss auch in eine Umgebung passen, die von zahlreichen Baudenkmälern geprägt ist. Der Entwurf des Delfter Büros Mecanoo, das sich mit Großprojekten in vielen Ländern einen Namen gemacht hat, füge sich "mit Ruhe und großer Selbstverständlichkeit" in den baulichen Kontext ein, urteilte das Preisgericht. Von einer angenehmen Zurückhaltung, mit der der Entwurf subtil auf den Stadtraum reagiere, ist die Rede. Die klare, zeitlose und reduzierte Formensprache des Neubaus überzeuge, ebenso wie die Qualitäten der Arbeits- und Aufenthaltsräume im Innern.

Als eine architektonische Besonderheit wird die Dachterrasse mit einem Pavillon hervorgehoben. Von hier aus habe man einen atemberaubenden Blick auf die Stadt. Das Erdgeschoss soll offen und flexibel strukturiert werden. Möglicherweise kann hier eine Veranstaltungsfläche untergebracht werden. Auch ein Café sei vorstellbar. Genauere Pläne dazu müssten allerdings noch ausgearbeitet werden. Das gelte auch für die Gestaltung der Grünflächen im Hof des neuen Ensembles. Man befinde sich noch in einem Arbeitsprozess.

Fest steht allerdings bereits, dass die Kulturstiftung und das Kunstfoyer künftig im benachbarten Lehel-Carré ihren Sitz haben werden. Die geplante Geschossfläche des Neubaus beträgt 17 500 Quadratmeter, die sich auf die sechs Geschosse plus Dach mit Terrasse verteilen. Das Grundstück hat eine Größe von rund 4000 Quadratmeter.

Der Vorstandsvorsitzende der Versicherungskammer, Frank Walthes, sieht in dem Neubau an der Maximilianstraße "ein schönes Exempel dafür, dass sich die Versicherungskammer mit ihrer über 200 Jahre dauernden Geschichte immer den Anforderungen der jeweiligen Zeit stellt". Als öffentlicher Versicherer bekenne man sich klar zum Standort München.

Die Entwürfe der Preisträger sowie aller am Wettbewerb beteiligten Architekturbüros sollen im Mai im Erdgeschoss des Planungsreferats an der Blumenstraße ausgestellt werden. Auf den zweiten Platz hatte es das Büro Baumschlager Eberle aus Lustenau geschafft. Auf den dritten Platz kamen LRO GmbH & Co. KG aus Stuttgart. Mit einer Anerkennung gewürdigt wurde der Entwurf des Münchner Büros Hilmer Sattler Architekten Ahlers Albrecht.

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