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Verkehrssicherheit:Unbeachtete Trixi-Spiegel

Erprobung von Trixi Spiegeln

In München hängen rund 550 Trixi-Spiegel an Kreuzungen. Sie zeigen an, ob sich Radfahrer oder Fußgänger im toten Winkel befinden.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Nicht einmal jeder zehnte Lkw-Fahrer nutzt die Vorrichtung vor dem Rechtsabbiegen. Die Stadt will trotzdem weiter auf sie setzen, um München sicherer für Radfahrer zu machen.

Von Andreas Schubert

Keine Verkehrstoten mehr: Dieses Ziel der "Vision Zero" hat sich München gesetzt. Und auch wenn sich die Zahl der Unfälle im Stadtgebiet im vergangenen Jahr um 17 Prozent verringert hat und sieben Prozent weniger Unfälle mit Personenschaden passiert sind, ist die Zahl der tödlichen Unfälle mit 21 gleich geblieben.

Am Mittwoch will das Mobilitätsreferat den Sachstand zur "Vision Zero" dem Stadtrat vorstellen. Dabei zeigt sich unter anderem, dass Rechtsabbiegeunfälle nach wie vor eine große Rolle spielen, da elektronische Abbiegeassistenten erst 2022 für neue Fahrzeugtypen und 2024 für alle neuen Lkw und Bussen vorgeschrieben sind. Die sogenannten Trixi-Spiegel, die an vielen Kreuzungen angebracht sind, haben indes keine allzu große Wirkung. Von diesen Spiegeln, die Lastwagenfahrern auch Personen im toten Winkel anzeigen sollen, hatte die Stadt Ende 2019, Anfang 2020 100 Stück an ausgewählten Knotenpunkten anbringen lassen. Weitere 450 Trixi-Spiegel sind bei einer Spendenaktion des Radiosenders Radio Gong im Stadtgebiet montiert worden, 550 weitere sollen in den nächsten Monaten noch folgen. Doch die Ergebnisse der Evaluation sind ernüchternd.

Bei der Analyse von insgesamt 554 beobachteten Lkw-Abbiegevorgängen, davon 140 unter Beteiligung von Fahrradfahrern, sei der Trixi-Spiegel nur in rund neun Prozent der beobachteten Fälle verwendet worden, heißt es in der Vorlage des Mobilitätsreferats. 83 Prozent der Lkw-Fahrer hätten nur ihre Fahrzeugspiegel beachtet, acht Prozent seien ohne Verwendung jeglicher Spiegeleinrichtungen abgebogen. 20 Prozent der Lkw-Lenker hätten vor dem Abbiegevorgang trotz grüner Ampel gestoppt, wogegen der Rest ohne Halt durchgefahren sei. Deutlich häufiger, mit einem Anteil von 26 Prozent, sei der Trixi-Spiegel hingegen in Kombination mit einer gelbblinkenden Warnleuchte beachtet und genutzt worden, etwa an der Kreuzung Berg-am-Laim-Straße / Leuchtenbergring.

Insgesamt sei die beobachtete Nutzungsquote der Spiegel sehr gering, so die Verkehrsexperten des Mobilitätsreferats. Eine Aufmerksamkeitskampagne für Lkw-Fahrer könne ihrer Einschätzung nach zu einer besseren Nutzung beitragen, insbesondere solange es keine alternativen Lösungen wie eben verpflichtende Abbiegeassistenzsysteme gebe. Dennoch seien die Trixi-Spiegel insgesamt ein weiterer Baustein für mehr Sicherheit, nur dürfe ihre Wirkung nicht überschätzt werden. Radfahrer und Fußgänger seien immer noch in vielen komplexen Verkehrssituationen "höchst gefährdet", Radler, so der Rat aus dem Referat, sollten grundsätzlich damit rechnen, dass sie aufgrund der oft unübersichtlichen Fahrerkabine eines Lastwagens übersehen werden und deshalb einen Lkw niemals rechts überholen. "Im Zweifel sollte auf das Vorfahrtsrecht verzichtet werden", heißt es in der Vorlage.

Trotz der schlechten Evaluationsergebnisse empfiehlt das Mobilitätsreferat, diese Maßnahme fortzuführen und alle 1000 Spiegel wie geplant zu montieren. Von einer flächendeckenden Ausstattung von Kreuzungen in der Stadt rät die Verwaltung indes ab. Zielführender erscheine es, die begrenzten Ressourcen in den Aufbau und Einsatz der Arbeitsgruppe "Sichere Kreuzungen" zu investieren, wodurch sich größere Verbesserungen für die Verkehrssicherheit erzielen ließen.

Einiges hat die Stadt bereits umgesetzt. Sie hat ein digitales Portal geschaffen, um die Schulwegsicherheit zu erhöhen, und bereits einige gefährliche Kreuzungen entschärft. Sogenannte freilaufende Rechtsabbieger, spezielle Abbiegespuren für Autos an Ampelkreuzungen, hat die Verwaltung erfasst und will sie nach und nach abschaffen. Dass die Unfallzahlen zurückgegangen sind, vor allem jener Unfälle, an denen Schüler beteiligt waren, ist aber nicht nur den Maßnahmen, sondern auch dem zurückgegangenen Verkehrsaufkommen und dem Home-Schooling während der Corona-Pandemie zu verdanken. Dass es dennoch so viele Todesopfer gab, ist ein Zeichen, dass es noch einiges zu tun gibt, auch abseits sämtlicher baulicher oder technischer Maßnahmen. So gehört es auch zur Vision-Zero-Strategie der Stadt, für die gegenseitige Rücksichtnahme im Straßenverkehr zu werben.

© SZ vom 18.05.2021/syn, van
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