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München:Der Radweg in der Rosenheimer Straße soll noch 2014 beschlossen werden

Reiter glaubt bei der Verkehrsführung für die Altstadtquerung an das Prinzip der Mischnutzung. Das heißt, die Verkehrsfläche steht Radlern und Fußgängern gemeinsam zur Verfügung. Das funktioniert aber nur, wenn beide Seiten aufeinander Rücksicht nehmen. Doch daran, das zeigt sich auf Reiters Spaziergang, hapert es gewaltig, vor allem auf Seiten der Radfahrer. Überall weisen nämlich Schilder in diesem Bereich darauf hin, dass nur Schritttempo gefahren werden darf, auch wenn diese Schilder viel zu klein sind. Doch die Bereitschaft, diese Vorschrift auch zu befolgen, tendiert bei den Radlern, die während Reiters Spaziergang an ihm vorbeizischen, gegen Null.

"Es gibt sehr viele rücksichtslose Radler", stellt Reiter fest, während eine ältere Fußgängerin am Odeonsplatz erschrocken zur Seite springt, weil ein Radfahrer mit hohem Tempo in die Einfahrt zum Hofgarten schießt. Reiter denkt deshalb darüber nach, die Schilder deutlicher sichtbar zu machen (in der Residenzstraße ist der Hinweis "Schritttempo" auf dem Asphalt kaum noch zu entziffern), und er plädiert auch für ein "Minimum an Kontrollen".

Einen Radl-Joker wird es mit Reiter nicht geben

Oft führt aber auch Unkenntnis zu Konflikten, etwa in der Residenzstraße, wo Fußgänger auch die Fahrbahn begehen dürfen, von Radlern aber häufig aus dem Weg geklingelt werden, schließlich gibt es in diesem Bereich auf beiden Seiten Gehsteige. Die Gehsteige einfach wegzunehmen und eine einheitliche Fläche zu schaffen, schafft aber neue Problemen. Vor allem ältere Leute, sagt Reiter, würden sich einen Gehsteig wünschen, weil sie sich dort sicherer fühlten. "Das ist alles unheimlich schwer zu lösen", sagt der OB über die vielfältigen Probleme auf diesen wenigen hundert Metern.

Reiter will aber die gesamte Verkehrspolitik der Stadt, die bisher stark von den Grünen dominiert wurde, zur Chefsache machen. Er wolle das Thema "ganz nah bei mir haben", sagt der OB. Dabei wird es wohl auch zu deutlichen Akzentverschiebungen kommen.

"Da muss uns was einfallen": OB Dieter Reiter, hier an der engen Stelle in der Residenzstraße.

(Foto: Stephan Rumpf; Stephan Rumpf)

Einen Radl-Joker samt teurer Kampagne wird es unter Reiter nicht mehr geben, "das ist für mich Schaufensterpolitik". Und auch einer generellen Aufhebung der Radwegbenutzungspflicht, die Radler ermächtigt, auf der Straße zu fahren, auch wenn es daneben einen Radweg gibt, steht Reiter kritisch gegenüber. Wenn ein völlig freier Radweg von den Radlern nicht benützt würde, "steigert dies das Aggressionspotenzial bei den Autofahrern", sagt Reiter.

Bei einem anderen Streitthema ist Reiter hingegen ganz auf Seiten der Grünen. Der Beschluss über den Radweg in der Rosenheimer Straße "kommt noch in diesem Jahr", sagt er. Und zu der umstrittenen Frage, ob dafür eine Fahrspur oder Parkplätze geopfert werden, hat der OB eine klare Meinung: "Das kann nur zu Lasten der Parker gehen." Reiter erwartet eine "spannende Diskussion zwischen CSU und SPD" in dieser Frage. So oder so sei eine Mehrheit für diesen Radweg aber sicher.

© SZ vom 02.08.2014/tba
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