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Ausbau:Mit der Tram aus dem Münchner Verkehrschaos

Eine Tram fährt am Münchner Hauptbahnhof vorbei - wenn es nach der Politik geht, sollen die Bahnen viel mehr Orte in der Stadt verbinden.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Die acht Kilometer lange Tram-Westtangente gilt als Schlüsselprojekt für den Münchner Nahverkehr. 2026 soll die Strecke in Betrieb gehen.
  • Außerdem prüft die MVG breitere Bahnen und weitere Verbindungen - etwa eine Tram 24 im Norden der Stadt.

Der Ausbau des Münchner Tramnetzes kommt voran. Die Stadtwerke München (SWM) können demnächst nach einer längeren unfreiwilligen Wartezeit bei der Regierung von Oberbayern den Antrag auf Baugenehmigung für die Tram-Westtangente einreichen. Außerdem prüfen die SWM derzeit, auf welchen Strecken künftig breitere Straßenbahnen eingesetzt werden können, um mehr Kapazität zu schaffen.

Die Tangente soll auf einer 8,25 Kilometer langen Strecke vom Romanplatz in Neuhausen über die Fürstenrieder Straße in Laim bis zur Aidenbachstraße in Sendling den Verkehr entlasten. Beschlossen hat sie der Stadtrat bereits 2018, doch dann verzögerte sich das Projekt um mehr als ein Jahr. Die SWM mussten erst ein Genehmigungsverfahren für die Laimer Unterführung abwarten, die eine zusätzliche Röhre bekommt. Bei den Plänen hatten sich Details wie Bahnsteigbreiten geändert, und weil die Bahn zum Teil Bauherrin der neuen "Umweltverbundröhre" ist, durch die die Tram fahren soll, war für Genehmigungen das Eisenbahnbundesamt zuständig. Die SWM wiederum wollten ihre eigenen Planungen erst abschließen, wenn alle Genehmigungen für die Unterführung vorliegen.

Jetzt, nachdem diese bürokratische Hürde genommen ist, soll es schnell gehen, ist bei der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) zu erfahren. Die Linie soll dann wie geplant 2026 in Betrieb gehen. Die MVG sieht in der Westtangente eines der wichtigsten Nahverkehrsprojekte der Stadt. Die Linie wird fünf Stadtviertel direkt miteinander verbinden. Die Tram soll auf einer eigenen Fahrspur verkehren und somit pünktlicher und leistungsfähiger als die heutigen Busse sein.

Die CSU im Stadtrat hat sich lange gegen das Projekt gewehrt, ebenso wie gegen eine Tram-Nordtangente, die durch den Englischen Garten führen soll. Letztlich hat sie dann doch zugestimmt, die Planungen aufzunehmen, weil inzwischen Konsens herrscht, dass Trambahnen wegen längerer Bauzeit den Verkehr zwar nicht so bald entlasten können wie Busse, aber sehr viel schneller zu realisieren und deutlich günstiger sind als U-Bahnen. Und die Tram ist beliebt: Mehr als 120 Millionen Fahrgäste nutzen sie pro Jahr. Inzwischen gibt es auch von den Christsozialen Anträge, Tramlinien zu verlängern, etwa die heutige Linie 19 von Berg am Laim bis Riem. Immerhin bis Daglfing wird eine Verlängerung jetzt geprüft.

Auf Initiative der SPD werden nun auch die Planungen für die Tram 24 im Norden der Stadt wieder aufgenommen, die zunächst zu Gunsten einer Schnellbuslinie nicht weiter verfolgt wurden. Sie soll die Haltestellen Am Hart und Kieferngarten verbinden, bevor dies - wenn überhaupt - Ende der 2030er Jahre eine neue U-Bahn übernehmen soll. Und geht es nach Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) werden in den nächsten Jahren ein ganzes Bündel neue Verbindungen geprüft. Die MVG wird aus mehr als 20 Maßnahmen, die der OB zusammen mit Stadtbaurätin Elisabeth Merk jüngst als Idee vorgestellt hat, einige heraussuchen, die sinnvoll erscheinen.

Auch die Linke setzt sich für einen weiteren Ausbau des Straßenbahnnetzes ein. Am Samstag demonstrierten die Kandidaten für die Kommunalwahl mit einer kuriosen Aktion für eine "Tram-Offensive". Passend zum Fasching hatten sie sich als Straßenbahn verkleidet und zogen von der Pfeuferstraße die Lindwurmstraße entlang bis zum Goetheplatz.

Die Linke hat sich als Trambahn verkleidet und zieht durch die Lindwurmstraße. Tram Offensive

Die Linke hat sich als Trambahn verkleidet und zieht durch die Lindwurmstraße.

(Foto: Florian Peljak)

Die Linke wirbt unter anderem für eine "Pendler-Tram Nord", die zwischen Am Hart über den Petuelring, Schleißheimer Straße und Hauptbahnhof zur Silberhornstraße führen soll, sowie für eine Südtangente zwischen Waldfriedhof und Tegernseer Landstraße. Auch die Strecke über die Lindwurmstraße, auf der einst die von dem Volkssänger Weiß Ferdl besungene, Linie 8 fuhr, soll nach Wunsch der Linken wiederbelebt werden. Eine solche Verbindung kann sich auch die MVG vorstellen. Stadträtin Brigitte Wolf und Stadtratskandidat Stefan Jagel finden parallel zur U-Bahn verlaufende Strecken durchaus sinnvoll, wie sie am Samstag sagten. Die Straßenbahn verspreche eine kleinteiligere Anbindung der Stadtviertel und könne die U-Bahn entlasten. Außerdem hat die Linke nun beantragt, breitere Straßenbahnen zu prüfen.

Diesen Plan verfolgt die MVG bereits, wie Sprecher Matthias Korte auf Nachfrage erklärt. In zehn Jahren könnte die Standardbreite neuer Züge von 2,35 Meter auf 2,65 Meter wachsen - "perspektivisch", wie Korte es nennt. Dementsprechend müssten auch die Gleise der entgegenkommenden Trams weiter voneinander entfernt sein als bisher. Der sogenannte Gleismittenabstand müsste allerdings von heute 2,75 auf 3,05 Meter erweitert werden. Das wiederum geht nicht überall in der Stadt, sodass die breiten Bahnen nur auf bestimmten Strecken zum Einsatz kommen könnten. "Besser so, als gar nicht", sagt Korte.

Auch sollen die Züge in Zukunft bis zu 60 Meter lang werden. Neue Bahnsteige müssen die SWM dann entsprechend länger bauen und diese auch gleich höher gestalten, um eine bessere Barrierefreiheit zu erreichen. Die derzeit an den Trambahnen eingesetzten Hublifte fallen zum Ärger von Rollstuhlfahrern immer wieder mal aus.

© SZ vom 24.02.2020/infu
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