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Verkehr in München:Tempo 30 soll in Sendling die Regel werden

Zwischen Herzog-Ernst-Platz (im Bild) und Dudenstraße entlang der Plinganserstraße wechselt die Geschwindigkeitsvorgabe mehrmals zwischen 50 und 30. Das würden die Politiker gerne ändern.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Der Bezirksausschuss will Sendling als Pilotgebiet ausweisen. Ausnahmen sollen nur auf dem Mittleren Ring und auf einem Teil der Schäftlarn- und der Plinganserstraße gelten.

Von Birgit Lotze, Sendling

Nach der Schwanthalerhöhe und Au-Haidhausen fordert jetzt auch Sendling generelles Tempo 30 im Stadtbezirk. Der Bezirksausschuss hat sich dafür ausgesprochen, Sendling als Pilotgebiet für die Erprobung einer Regelgeschwindigkeit von Tempo 30 auszuweisen. Ausnahmen sollen nur auf dem Mittleren Ring und auf einem Teil der Schäftlarn- und der Plinganserstraße gelten. Der Antrag ist in diesem Fall ungewöhnlich, da er nicht nur auf die Grünen zurückgeht, sondern auch von der SPD initiiert wurde.

In der grün-roten Rathaus-Koalition hatte es gewaltig gekracht, als die Grünen im Februar einen ähnlichen Vorstoß für das Stadtgebiet gemacht hatten. Unprofessionell hatte OB Dieter Reiter (SPD) die grünen Bündnispartner genannt, von blinden Autohassern sprach der SPD-Fraktionsvorsitzende Christian Müller.

In Sendling aber sagte der Vorsitzende des Bezirksausschusses, Markus Lutz (SPD), man wolle das gerne im Stadtbezirk kleinteilig testen. Innerhalb des Mittleren Ringes könne Tempo 30 durchaus sinnvoll sein. Und außerdem ergänze sich ein generelles Tempolimit auch gut mit den gleichen Ambitionen der Nachbarn in der Schwanthalerhöhe. Lutz: "Versuchen wir es doch mal."

Der Sendlinger Bezirksausschuss hat sich in der Vergangenheit schon mehrmals für Tempo 30 im Stadtbezirk ausgesprochen und bisherige Tempo-30-Einführungen stets gefordert und begrüßt. In Sendling erwartet man Vorteile für die Verkehrssicherheit, für den Verkehrsfluss, sieht mögliche Verbesserungen hinsichtlich des Verkehrslärms, der Luftqualität und für das Klima. Das Stadtbild ändere sich zum Positiven, Fußgänger und Anwohner hätten bessere Voraussetzungen, sogar Verwaltungsaufwand und Kosten könnten gespart werden, so die Hoffnung.

In der Sitzung wurden dazu zwei konkrete Beispiele genannt: So wechsle die Geschwindigkeitsvorgabe zwischen Herzog-Ernst-Platz und Dudenstraße entlang der Plinganserstraße mehrmals zwischen 50 und 30. Dieser Flickenteppich könne beseitigt werden, die vorgeschriebene Geschwindigkeit werde besser eingehalten. Auch könnten in großem Ausmaß Verkehrsschilder abgebaut werden.

Allein im Sendlinger Unterfeld - zwischen Brudermühl-, Plinganser-, Lindwurm- und Lagerhausstraße - fielen mindestens 60 Tempo-30-Zone-Schilder weg. Sechs neue Tempo-50-Schilder kämen an der Brudermühl- und der Schäftlarnstraße hinzu.

Seit dem Scheitern auf Stadtebene haben die Grünen auch schon in anderen Stadtvierteln versucht, ihr Tempo-30-Anliegen von unten her durchzusetzen. Außer in Haidhausen, der Schwanthalerhöhe und jetzt in Sendling sind sie bislang nicht durchgedrungen. In Hadern, Neuhausen-Nymphenburg und Ramersdorf-Perlach wurde der Vorschlag abgewiesen.

In Sendling verweist man auf ein Projekt des Deutschen Städtetags, dem man sich anschließen möchte. Dieser sucht aktuell Modellkommunen, die Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit - mit der Ausnahme ausgewählter Hauptverkehrsadern - testen. Dies leiste einen wichtigen Beitrag für das Klima und für eine menschenfreundliche Stadt, hieß es.

© SZ vom 15.04.2021/baso
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