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München:Wie ein Kreisrat den Straßenverkehr sicherer machen will

Trauer um im Straßenverkehr getötetes Kind in München, 2019

Damit Ghostbikes, die an getötete Radler erinnern, überflüssig werden, sollen Warnsysteme her.

(Foto: Stephan Rumpf)

Otto Bußjäger will, dass MVV-Regionalbusse Abbiegeassistenten bekommen. Zudem sollen spezielle Anlagen getestet werden, die Lastwagenfahrer vor Radlern im toten Winkel warnen.

Als Revoluzzer will sich Otto Bußjäger nicht sehen, aber der Kreisrat der Freien Wähler sagt in Anlehnung an den verstorbenen Altkanzler Helmut Schmidt: "Die Dummheit der Regierenden ist nicht zu unterschätzen." Und wenn sich "die da oben" etwa der Sicherheit auf den Straßen nicht annehmen wollten, "dann machen wir es", sagt der Höhenkirchner.

So freut es den Kreisrat, dass die Verwaltung im Landratsamt zwei Anträge seiner Fraktion positiv bewertet hat, die den Fahrradfahrern im Landkreis mehr Schutz bieten sollen: Die Ausstattung von neuen MVV-Regionalbussen mit Abbiegeassistenten sowie die testweise Inbetriebnahme mehrerer sogenannten Bike-Flash-Anlagen, die Lastwagenfahrer beim Rechtsabbiegen vor Radlern im toten Winkel warnen soll.

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Besonders spannend dürfte also werden, ob der Mobilitätsausschuss des Kreistags in seiner Sitzung an diesem Donnerstag, 11. Juli, in das Projekt Bike Flash einsteigen und es als Pilotprojekt an ausgewählten Kreuzungen im Landkreis testen will. Denn der Bund-Länder-Fachausschuss zum Straßenpersonenverkehr, ein Gremium der verantwortlichen Ressortchefs der Länder, hält den Einsatz des Systems für unzulässig, da es mit bestehenden Einrichtungen der Straßenverkehrsordnung (StVo) verwechselt werden und sich erheblich auf den Verkehr auswirken könnte. Dennoch plädiert die Verwaltung im Landratsamt für ein Pilotprojekt, das etwa 35 000 Euro je Bike-Flash-Anlage kosten dürfte. Die Freien Wähler haben beantragt, zehn solcher Systeme an Kreuzungen für den Testbetrieb aufzubauen.

Entwickelt hat Bike Flash der Flensburger Martin Budde. Es besteht aus vier halbkreisförmigen gelben Leuchtbändern, die an einem etwa fünf Meter hohen Mast nahe einer Kreuzung befestigt werden. Auf dem etwa fünf Meter hohen Pfosten wird eine Wärmebildkamera angebracht, die einen etwa vier Meter breiten und 40 Meter tiefen Bereich kontrolliert. Kommt der Radfahrer oder Fußgänger in diesem Bereich, registriert die Kamera die Wärmestrahlung und löst dadurch das Blinken der gelben Warnbänder aus. Dadurch, dass sie auf verschiedenen Höhen angebracht sind, können sie sowohl von Lkw- als auch Autofahrern gesehen werden. Somit werde, verhindert, dass es zu Unfällen im toten Winkel kommt.

Eine Anlage von Flash Back ist derzeit - ohne Genehmigung - im niedersächsischen Garbsen nahe Hannover in Betrieb. Laut Bußjägers eigener Recherche sei die "dortige Bevölkerung" der Meinung, dass die Anlage einen sinnvollen Beitrag zur Sicherheit des Straßenverkehrs leiste. Aus seiner Sicht gebe es "genügend Standorte", an denen das Pilotprojekt erprobt werden könne. "In Unterschleißheim, am Isarcenter in Ottobrunn, an den Ausfallstraßen B 304 oder B 13. Da gibt es unzählige Möglichkeiten", sagt Bußjäger.

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