Nicht wenige Menschen dürften im Münchner Westen an diesem Samstag, 28. Februar, spürbar aufatmen. Nach einer etwa zweijährigen Bauzeit wird in Laim der erste Abschnitt der Tram-Westtangente zwischen Agnes-Bernauer-Straße und Ammerseestraße mit einer Jungfernfahrt und einem anschließenden Bürgerfest am Laimer Anger eröffnet. Die Linie auf dem etwa 1,5 Kilometer langen Abschnitt der Fürstenrieder Straße ist eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte der Stadt, das den Anwohnerinnen und Anwohnern viel abverlangt und im wahrsten Sinne des Wortes Spuren hinterlassen hat.
Die Tram-Westtangente, die spätestens Ende 2028 auf einer Länge von etwas mehr als acht Kilometern die Stadtbezirke Neuhausen-Nymphenburg, Laim, Hadern, Sendling-Westpark und Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln miteinander verbinden soll, war immer umstritten. Seit Beginn der Planungen vor mehr als zehn Jahren gab es Proteste gegen das Vorhaben, Bürgerinitiativen gründeten sich mit dem Ziel, die Westtangente noch zu verhindern.
Hinter der Ablehnung steckte stets die Angst vor nicht erträglichem Baustellenlärm, dem Verkehrskollaps durch die Reduzierung von Fahrspuren für den motorisierten Verkehr, vor Schäden an Gebäuden, Nachteilen für Geschäftstreibende und ausufernden Kosten. Tatsächlich klagten viele Besitzer von kleinen Läden, insbesondere im vergangenen Jahr über massive Einbußen. Manch einer, wie der Inhaber von Heidi Foto an der Ecke Fürstenrieder/Gotthardstraße, sah sich sogar zur Geschäftsaufgabe gezwungen und führte diese unter anderem auf die Einschränkungen durch die Bauarbeiten direkt vor der Haustür zurück. Und auch Bewohner berichteten von Schäden wie Rissen in den Wänden oder zersplitterten Fliesen in ihren Wohnungen, für die sie die Erschütterungen durch die Bauarbeiten verantwortlich machten.

Jetzt dürfte es zwischen der Fürstenrieder und der Agnes-Bernauer-Straße deutlich ruhiger werden. In den vergangene Wochen hat die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) immer wieder Testfahrten auf dem ersten Abschnitt der künftigen Linie 14 absolviert. Arbeiter legten auf ihren Turmtriebwagen an den Oberleitungen letzte Hand an.
Und auch neben den Gleisen schreitet die Umgestaltung der Fürstenrieder Straße voran. Kleinere Restarbeiten an den Haltestellen „Fürstenrieder Straße“, „Laimer Platz“, „Aindorferstraße“ sowie „Ammerseestraße“ seien noch notwendig, teilt ein Sprecher der MVG mit. Die Arbeiten an den Fuß- und Radwegen an der Fürstenrieder Straße sowie den Fahrspuren würden im Laufe dieses Jahres abgeschlossen. Daher müssten Verkehrsteilnehmer „bis zur Fertigstellung der Oberfläche“ immer wieder mit Verkehrsumlegungen rechnen.
Eine Praxis, mit der die Laimerinnen und Laimer in den vergangenen zwei Jahren leidlich Erfahrungen gemacht haben; immer wieder wechselten Querungen über die Fürstenrieder Straße, teils kam die Müllabfuhr nicht mehr bis zu den Einfahrten heran und Tiefgarageneinfahrten waren oft tagelang versperrt. Dies soll nun mit der Eröffnung des ersten Abschnitts ein Ende haben.

Die neue Linie 14 soll den Pendlerinnen und Pendlern im Münchner Westen ganz neue Möglichkeiten erschließen. Die Straßenbahnen auf der neuen Linie werden von diesem Samstag an nicht nur auf dem Abschnitt zwischen der Agnes-Bernauer- und der Ammerseestraße verkehren – dafür fehlen auf der kurzen Trasse schlichtweg die Wendemöglichkeiten. Die Linie wird im Norden von der Haltestelle Fürstenrieder Straße über die Linie der 19er-Tram bis zum Pasinger Bahnhof geführt und wendet dort. Am Ende des Abschnitts im Süden verläuft die neue Straßenbahn von der Haltestelle Ammerseestraße auf den Gleisen der Linie 18 bis zum Gondrellplatz und dreht dort um.
Diese Streckenführung wird die neue Linie 14 beibehalten, bis die beiden anderen Streckenabschnitte in Betrieb gehen werden. Derzeit plant die MVG die Inbetriebnahme des Abschnitts von der Aidenbachstraße in Obersendling bis zur Ammerseestraße im zweiten Halbjahr 2028. Die Eröffnung der Trasse vom Romanplatz bis zur Agnes-Bernauer-Straße soll wenige Monate später im Dezember erfolgen – wenn alle Zeitpläne eingehalten werden können.
Am Eröffnungstag werden auf dem neuen Abschnitt und den Verlängerungen nach Pasing und zum Gondrellplatz vierteilige Trambahnen vom Typ Avenio zum Einsatz kommen. Im Regelbetrieb wird die MVG dann dreiteilige Fahrzeuge einsetzen. „Wir beobachten die Nachfrage aber sehr genau“, sagt ein Sprecher der Verkehrsgesellschaft. „Spätestens mit der Gesamtinbetriebnahme werden dann vierteilige Fahrzeuge eingesetzt.“
Bis dahin wird es aber noch etwas mehr als zwei Jahre dauern. Zumindest auf einem kleinen Abschnitt der Fürstenrieder Straße kehrt an diesem Samstag aber wieder so etwas wie Normalität ein.

