„My Radl“München bekommt ein neues Mietrad-System – Flotte wird deutlich größer

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Die MVG-Mieträder und ihre markanten Stelen an den Leihstationen sind Geschichte. Bereits im Frühjahr soll ein neues Mietrad-System in München und dem Umland kommen.
Die MVG-Mieträder und ihre markanten Stelen an den Leihstationen sind Geschichte. Bereits im Frühjahr soll ein neues Mietrad-System in München und dem Umland kommen. Robert Haas

Die Firma Nextbike hatte bis Herbst 2025 für die Münchner Verkehrsgesellschaft die markanten silberblauen MVG-Räder im Verleih. Nun kommt sie nach einer Klage wieder zum Zug. Was bei „My Radl“ geplant ist.

Von Martin Mühlfenzl

München und das Umland bekommen in diesem Frühjahr ein neues Mietrad-System – und der neue Betreiber der Leihräder ist ein alter Bekannter. Die Leipziger Firma Nextbike, die bis September vergangenen Jahres die markanten silberblauen MVG-Mieträder im Auftrag der Münchner Verkehrsgesellschaft betrieben hat, wird auch das neue Leihsystem aufbauen. Dieses Mal allerdings im Auftrag des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds (MVV), der den Auftrag zum Aufbau eines regionalen Bikesharing-Modells ausgeschrieben hatte – und unter dem Namen „My Radl“.

Dass erneut das Unternehmen Nextbike, das eigenen Angaben zufolge in mehr als 300 Städten und Gemeinden weltweit Bikesharing anbietet, bei der Ausschreibung zum Zuge gekommen ist, hatte ein juristisches Vorspiel. Denn eigentlich sollte Anfang Oktober vergangenen Jahres ein anderer Betreiber nahtlos den Betrieb des Mietrad-Verleihs in München und zahlreichen Umland-Kommunen übernehmen. Dieser hatte sich in der Ausschreibung unter anderem gegen Nextbike durchgesetzt. Doch der bisherige Betreiber der MVG-Mieträder klagte vor dem Bayerischen Obersten Landesgericht wegen eines Fehlers in der Ausschreibung gegen die Vergabe – und bekam Recht. Der Auftrag musste neu ausgeschrieben.

Mit erheblicher Verzögerung plant nun also doch wieder Nextbike den Aufbau eines komplett neuen Systems und spart dabei nicht mit Superlativen. Denn entstehen soll nicht weniger als die „größte Bikesharing-Flotte Deutschlands“ mit etwa 7000 Rädern, darunter auch Pedelecs und E-Bikes. Zum Vergleich: Als Betreiber der MVG-Mieträder hatte Nextbike etwa 4500 Fahrräder in Betrieb.

Allerdings gibt es vor der Einführung des neuen Systems noch einige Fragen zu klären, die das Projekt ambitioniert erscheinen lasen. Auf SZ-Nachfrage führt eine Sprecherin des MVV, der die Vergabe im Auftrag der Landeshauptstadt sowie Kommunen aus den Landkreisen München und Fürstenfeldbruck und des Landkreises Fürstenfeldbruck ausgeschrieben hatte, aus, dass Details zu geplanten Abstell- und Ausleih-Anlagen noch geklärt werden müssten. Diese würden rechtzeitig vor Betriebsstart des neuen Systems kommuniziert. Es werde zudem noch geklärt, wo Fahrräder zurückgegeben werden können – etwa an Stationen ähnlich den ehemaligen MVG-Mietrad-Stationen oder über das gesamte Stadtgebiet verteilt. Aber auch Informationen zu Mietpreisen, der Integration in bestehende Apps etwa des MVV, der MVG oder der Bahn würden noch geklärt.

Die Firma Nextbike wird auch künftig die Mietrad-Flotte in München betreiben.
Die Firma Nextbike wird auch künftig die Mietrad-Flotte in München betreiben. Bernd von Jutrczenka/dpa

Und auch der genaue Zeitpunkt der Einführung von My Radl steht bisher nicht fest. Bekanntgegeben hat der MVV allerdings die Rahmeneckdaten des Vorhabens: So sollen in der Landeshauptstadt München und 36 weiteren Städten und Gemeinden primär in den Landkreisen München und Fürstenfeldbruck etwa 1000 Standorte für die nahezu 7000 Bikes zur Ausleihe und Rückgabe aufgebaut werden. Mit dabei sind etwa Städte wie Unterschleißheim und der Universitätsstandort Garching im Landkreis München, die künftig über den neuen Radschnellweg aus dem Münchner Zentrum angebunden werden. Bikesharing wird aber auch etwa in der Kreisstadt Fürstenfeldbruck, Germering und Gröbenzell sowie im Landkreis Freising in Eching oder Hallbergmoos möglich sein.

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) begrüßte die Wiedereinführung eines Mietrad-Systems: „Das regionale Bikesharing schließt Lücken im Alltag, überbrückt Wege, die zu Fuß zu weit sind, verbindet Stadt und Umland und erleichtert den Umstieg auf Bus und Bahn.“ Für Münchens Landrat Christoph Göbel (CSU) spielt auch der ökologische Aspekt eine wichtige Rolle. „Auf dem kompletten Großraum München lastet ein ganz erheblicher Verkehrsdruck“, so der Christsoziale. „Gleichzeitig ist der noch überwiegend fossil betriebene motorisierte Individualverkehr für einen großen Teil der emittierten Treibhausgase verantwortlich.“ My Radl könne dabei helfen, den öffentlichen Nahverkehr bedarfsgerecht umzugestalten und das Mobilitätsangebot zu erweitern.

Die Reaktivierung des öffentlichen Mietrad-Systems stößt aber nicht nur auf Zustimmung. Veronika Mirlach, verkehrspolitische Sprecherin der Fraktion von CSU und Freien Wählern im Münchner Stadtrat, erklärte das System als gescheitert und kritisiert den hohen Subventionsbedarf durch die öffentliche Hand. „Ich verstehe, dass das Umland besser angebunden werden möchte, aber wir können als Stadt kein Geld mehr in dieses System stecken“, sagte Mirlach auf SZ-Nachfrage. Laut einem Stadtratsbeschluss aus dem Jahr 2023 sollen etwa 6,7 Millionen pro Jahr in das Mietrad-System investiert werden. Dieses Geld, sagte Mirlach, sollte stattdessen in andere, sinnvollere Verkehrsprojekte investiert werden – schließlich gebe es bereits zahlreiche private Mietrad-Anbieter in München.

Die neuen Mieträder werden aber von diesem Frühjahr an wieder das Stadtbild prägen – wie einst die silberblauen MVG-Mieträder. Wo aber sind die etwa 4500 alten Fahrräder nach ihrem zehnjährigen Einsatz in München gelandet? Nach dem Systemende, sagte eine Nextbike-Sprecherin, seien intakte Bikes technisch überprüft und professionell überarbeitet worden – einzelne Komponenten kämen wieder in andren Systemen zum Einsatz. Räder, die nicht mehr verkehrssicher waren, seien recycelt worden. Und München und das Umland bekämen eine ganz neue Mietrad-Flotte.

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, alte MVG-Mieträder kämen in anderen Städten zum Einsatz. Das ist nicht korrekt, Nextbike verwendet nur einzelne Komponenten weiter.

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