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Verkehr:E-Mobilität kommt in München nur langsam voran

Neue Parkplätze und Parkmarkierungen u.a. Schrägparkplätze in der Amalienstraße

Hier sind noch Plätze frei: Eine der vielen öffentlichen Ladestationen in der Stadt.

(Foto: Florian Peljak)

In der Stadt fahren gerade einmal 8056 Autos rein elektrisch - aber fast 850 000 mit Verbrennungsmotor. Wie Förderprogramme das ändern sollen.

Von Andreas Schubert

In einem aktuellen Image-Film preist BMW seinen neuesten Elektro-SUV an, der Ende 2021 auf den Markt kommen soll. In dem Filmchen rast Schauspieler Christoph Waltz mit einem laut röhrenden BMW-Oldtimer zur Zentrale des Autobauers, und nachdem ihm Vorstand Oliver Zipse persönlich den SUV vorgestellt hat, macht sich der zunächst skeptische Waltz fast lautlos damit aus dem Staub - zum Kaffeetrinken nach Wien. Die rund 400 Kilometer vom Olympiapark bis zum Wiener Café Hawelka sollte der geliehene, zweieinhalb Tonnen schwere Koloss locker schaffen. Voraussichtlich bis zu 600 Kilometer Reichweite verspricht der Münchner Hersteller, wobei diese Angabe noch nicht offiziell bestätigt ist.

Neben den hohen Preisen hielten lange Zeit geringe Reichweiten und eine noch stark ausbaufähige Ladeinfrastruktur die Menschen davon ab, auf Elektromobilität umzusteigen. Doch auch wenn die Reichweiten steigen - zum Beispiel der rein elektrische VW ID.4 soll je nach Fahrweise zwischen 360 und 520 Kilometer weit kommen -, ist der Anteil der E-Autos nach wie vor relativ gering. Immerhin wird dieses Jahr die Zahl der in München zugelassenen E-Autos voraussichtlich fünfstellig werden, aktuell zählt die Zulassungsstelle (Stand: 10. Dezember) 8056 reine E-Autos und 411 E-Lastwagen. Rechnet man die Hybride mit ein, sind es rund 25 000. Dem gegenüber steht aber ein Gesamtbestand von 850 000 Kraftfahrzeugen in der Stadt.

Immerhin hat sich die Zahl der E-Autos binnen zwei Jahren verdoppelt. Ende 2018 waren 3112 Elektro-Pkw (plus 178 elektrische Lkw) in München gemeldet. Im selben Zeitraum gestiegen ist nach Angaben des Kreisverwaltungsreferats und des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) auch die Zahl der Lademöglichkeiten auf öffentlichem Grund, und zwar von rund 700 Ladepunkten an rund 360 Ladestationen auf fast 1300 Ladepunkten an rund 600 Stationen. Laut BDEW hat nur Berlin mit 1355 öffentlichen Ladepunkten mehr anzubieten, dafür sind dort mehr als 13 000 reine E-Autos zugelassen.

Die Stadt München tut einiges, um die Elektromobilität weiter auszubauen. Trotz knapper Kassen hat der Stadtrat erst kürzlich die Förderung von privaten E-Fahrzeugen und Ladestationen um ein Jahr bis Ende 2021 verlängert. Dieses Jahr soll der Stadtrat dann die Fortschreibung des Förderprogramms bis 2025 beschließen.

Allerdings hat der Stadtrat die Spielregeln etwas geändert. Wer sich ein E-Auto zulegt, bekommt nur noch Fördergeld, wenn er oder sie sich nachweislich verpflichtet, dieses mit Ökostrom zu betreiben. E-Autos fördert die Stadt dann mit maximal 2000 Euro, für Roller und andere elektrisch betriebene Leichtfahrzeuge gibt es bis zu 1200 Euro. Im Jahr 2020 gingen rund 3300 Förder-Anträge bei der Stadt ein, wovon 71 für E-Autos gestellt wurden.

Etwa 13 Millionen Euro hat die Stadt bisher an Fördergeld ausgegeben, die Ladeinfrastruktur mit einberechnet. Für Ladepunkte gibt es 40 Prozent der Nettokosten bis zu einer maximalen Fördersumme von 3000 Euro pro Normal- und 10 000 Euro pro Schnellladepunkt. Für Beratungskosten gibt es bis zu 6000 Euro.

Parallel dazu sollen spätestens im Jahr 2023 alle Pkw und leichten Nutzfahrzeuge im städtischen Fuhrpark ohne Verbrennungsmotoren angetrieben werden. 2021 werden rund 210 batterieelektrische Fahrzeuge im städtischen Fuhrpark im Einsatz sein. Mit dem Förderprogramm "E-Taxi" unterstützt die Stadt zudem die Umstellung der Münchner Taxi-Flotte auf Fahrzeuge mit emissionsfreien Antrieben. Auch der öffentliche Nahverkehr rollt zunehmend mit Ökostrom. Auf den Buslinien 100 und 144 sind derzeit insgesamt 15 Elektrobusse im Einsatz. Beide Linien sind inzwischen komplett elektrisiert, im Dezember nahm die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) zwei mit Strom angetriebene Gelenkbusse in Betrieb.

In diesem Jahr soll die elektrische MVG-Flotte auf mindestens 26 Busse anwachsen. Das kostet allerdings eine Menge Geld. Allein für die im Oktober beschafften acht neuen E-Busse und den nötigen Ausbau der Ladeinfrastruktur hat die MVG knapp sechs Millionen Euro ausgegeben. Laut MVG-Chef Ingo Wortmann soll in zehn Jahren die gesamte Busflotte elektrisch fahren. Bis dahin gibt es laut Wortmann allerdings noch einiges zu tun, was die Entwicklung der Batterien und somit die Reichweite von großen Bussen angeht. Die neuen Gelenkbusse von Mercedes haben eine Reichweite bis zu 250 Kilometern, das müssen sie allerdings im Alltag beweisen. Man werde Energieverbrauch und die Reichweite genau im Auge behalten, so Wortmann. Künftige Elektrobusse müssten die Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit von Dieselbussen erreichen, sagt der MVG-Chef. Die zwei neuen Gelenkbusse kosten rund 1,6 Millionen Euro, Bund und Freistaat fördern sie mit rund 550 000 Euro.

Was das Carsharing angeht, so hat bei den sogenannten Free-Floating-Anbietern, deren Autos man praktisch überall im definierten Geschäftsgebiet abstellen kann, Share Now derzeit 200 E-Autos bei einer Gesamtflotte von 1100 im Angebot. Konkurrenz Sixt Share bietet ebenfalls E-Autos an, nennt die Zahl der in München stationierten Fahrzeuge aber nicht. Von "mehreren tausend" Fahrzeugen in Berlin, Hamburg und München seien etwa ein Drittel E-Autos.

Auch BMW setzt am Stammsitz München künftig ausschließlich auf Elektromobilität und will von 2024 an Verbrenner nur noch an anderen Standorten produzieren. Wie viel übrigens der neue SUV iX kosten wird, steht noch nicht fest. Schon das aktuelle und kleinere Modell iX3 gibt es erst ab rund 65 000 Euro. Leistete man sich ein bisschen Sonderausstattung, könnte man für das gleiche Geld auch zehn Jahre lang mit der Bahncard 100 der Deutschen Bahn fahren - in der Ersten Klasse.

© SZ vom 04.01.2021/kbl
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