Bereits in fünf Jahren sollen Pendlerinnen und Pendler aus dem Oberland, Chiemgau und Bayerns Osten die Münchner Innenstadt deutlich schneller und komfortabler erreichen als bisher. Am Montag haben Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter, der parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium Ulrich Lange (beide CSU) sowie Heiko Büttner, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für den Freistaat, einen Planungs- und Realisierungsvertrag für den Bau des Regionalzughalts Poccistraße geschlossen. Mit dieser Vereinbarung soll der Personenverkehr auf dem Südring reaktiviert und insbesondere die Stammstrecke mit den stark frequentierten Stationen Hauptbahnhof, Marienplatz und Ostbahnhof entlastet werden.
Seit den Achtzigerjahren halten auf der Trasse südlich der Münchner Innenstadt keine Regionalzüge mehr – wohl aber Güterzüge auf dem Weg nach Südeuropa und in umgekehrter Richtung zu den Nordseehäfen. Diese aber sollen langfristig – und mit dem Bau des Brenner-Nordzulaufs im Inntal – auf den Nordring verlagert werden. Dann sollen auf dem Südring vornehmlich wieder Personenzüge unterwegs sein.
Verkehrsminister Bernreiter wertet die Vereinbarung zwischen Bund, Freistaat und DB über den Bau des neuen Regionalzughalts Poccistraße daher als „starkes Signal für die moderne und umweltfreundliche Mobilität in der bayerischen Landeshauptstadt“. Gebaut wird die neue Station als Bestandteil des Bahn-Programms „Starke S-Bahn München – Programm 14plus“.
Dieser Name aber bedeutet nicht, dass künftig auf dem Südring auch wieder S-Bahnen fahren werden und der Regionalzughalt ans S-Bahn-Netz angebunden wird. Dies sei zwar „grundsätzlich“ möglich, so Bernreiter, aber immer auch eine Frage des Geldes und der Priorisierung beim Ausbau der Infrastruktur.

Denn das Geld sei eben begrenzt. Die sogenannten Realisierungsmittel, die der Bund den Ländern jährlich zur Finanzierung des Schienenpersonennahverkehrs zur Verfügung stellt, reichten nicht aus, so Bayerns Verkehrsminister, der zudem eine Warnung hinterherschickte: „Wir müssen schauen, wie die Mittel in Zukunft gestaltet werden. Wenn nicht mehr kommt, werden wir auch in Bayern Verkehre abbestellen müssen.“
Die Finanzierung des neuen Regionalzughalts Poccistraße indes ist mit der Vertragsunterzeichnung gesichert. Geplant ist ein etwa 340 Meter langer Mittelbahnsteig, der über zwei Zugänge erreichbar sein wird: über eine neue Unterführung von der Lindwurmstraße aus sowie östlich des Kreisverwaltungsreferats über die Ruppertstraße, wie vom Stadtrat gewünscht. Die Gesamtkosten für den Bau des neuen Regionalzughalts liegen laut Verkehrsministerium bei etwa 96 Millionen Euro – und da das Nutzen-Kosten-Verhältnis des Projekts äußerst positiv ausfällt, könnte einen Großteil dieser Summe der Bund aus seinen Fördertöpfen bezahlen.
In unmittelbarer Nähe zum neuen Regionalzughalt plant die Stadt ein weiteres Infrastrukturvorhaben, das die Poccistraße zum neuen Verkehrsknotenpunkt südlich der Innenstadt werden lassen könnte. Zwischen den U-Bahnhöfen Poccistraße und Implerstraße soll ein neuer Bahnhof für die geplante U9 von Sendling nach Schwabing entstehen. Auch mit dieser neuen Trasse sollen primär die Knotenpunkte der S-Bahn auf der Stammstrecke sowie die stark frequentierten U-Bahnlinien U3 und U6 entlastet werden.
Für Heiko Büttner, der auch Chef der Münchner S-Bahn ist, geht es mit dem Regionalzughalt Poccistraße darum, die Leistungsfähigkeit des Münchner Bahnnetzes aufrechtzuerhalten und auszubauen sowie einen verlässlichen Schienenpersonennahverkehr garantieren zu können. Und für Reisende aus dem Chiemgau oder Mühldorf, verbessere die Station Poccistraße nicht nur die Qualität, sondern werde auch die Reisezeiten verkürzen. „Wir schaffen eine leistungsfähige Verbindung und verteilen die Reisenden anschließend direkt auf die U-Bahn“, so Büttner.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, dass auf dem Südring seit den Achtzigerjahren keine Regionalzüge mehr fahren. Das ist nicht korrekt. Sie halten seitdem nicht mehr auf dieser Trasse.

