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Verkehr:München bekommt einen neuen Carsharing-Anbieter

Thomas Großnann will seinen Carsharing-Dienst Scouter künftig auch in München anbieten.

  • Mit dem Marburger Unternehmen Scouter will ein neuer Carsharing-Anbieter auf den Münchner Markt.
  • Erst Ende Februar hatte die Firma Oply das Geschäft eingestellt.
  • Geplant war der Start für den 1. April - wegen der Coronavirus-Pandemie wurde der Termin auf den 1. Mai verschoben.

In den Münchner Carsharing-Markt soll neuer Schwung kommen. Erst Ende Februar hat Oply, Anbieter von stationärem Carsharing, sein Geschäft eingestellt. Jetzt will es der Marburger Anbieter Scouter in der Landeshauptstadt probieren.

Anders als Oply, dessen Wagen in bestimmten Stadtquartieren auf der Straße ausgeliehen und eben dort, also im selben Parklizenzgebiet, auch wieder zurückgegeben werden mussten, will Scouter vor allem auf feste Stationen zum Ausleihen setzen. Das Modell gleich dem des Münchner Unternehmens Stattauto, das es bereits seit 1992 gibt und das aktuell mit rund 450 Fahrzeugen an 125 Stationen vertreten ist.

Scouter ist derzeit in Bonn, Marburg, Gießen, Nürnberg und Fürth sowie in Kassel und Würzburg aktiv. Gleichzeitig kooperiert das Unternehmen mit der Bahntochter Flinkster, ebenfalls ein Carsharing-Unternehmen. Scouter-Kunden können dort, wo die Marburger keine eigene Flotte unterhalten oder wo gerade keine Scouter-Wagen zur Verfügung stehen, auf Flinkster-Autos zugreifen. Die eigene Flotte umfasst derzeit etwa 300 Autos.

"Das ist relativ klein", sagt Geschäftsführer Thomas Großnann, das solle aber auf Dauer nicht so bleiben. Sprich: Wachstum ist vorgesehen, aber laut Großnann nur eines, das sich am Bedarf der Kunden orientiert und das die Firma auch aus eigenen finanziellen Mitteln verkraftet. Anders als das gescheiterte Start-up Oply, hinter dem als Investor der chinesische Autobauer SAIC stand, will Scouter nicht von einem großen Geldgeber abhängig sein und, wie Großnann es nennt, nachhaltig wachsen.

Zunächst wird Scouter mit zehn bis 15 Autos an festen Stationen und mit bis zu 30 Autos in Parklizenzgebieten an den Start gehen. Die ursprünglich geplante Markteinführung zum 1. April hat das Unternehmen wegen der Corona-Krise verschoben. Eine Zeit, in der das öffentliche Leben weitgehend still steht, sei ungünstig. Derzeit erlebt der Carsharing-Markt Einbrüche von bis zu 80 Prozent. Nun ist der 1. Mai als neuer Starttermin angedacht.

Scouter will zunächst in der Maxvorstadt, in Schwabing und mindestens einem dritten Bezirk innerhalb des Mittleren Rings starten, wo genau, ist noch offen. Im Internet informiert das Unternehmen unter scouter.de/blog/muenchen-info über weitere Pläne. Dort ist auch zu erfahren, dass ehemalige Oply-Kunden ohne Anmeldegebühr zum neuen Anbieter wechseln können und überdies noch 100 Freikilometer bekommen sollen.

Der Start für neue Carsharing-Anbieter in München ist auch in normalen Zeiten nicht leicht, weil die Stadt bereits flächendeckend zugeparkt ist und zudem wenig Raum für Stellplätze, etwa in Wohnanlagen, zur Verfügung steht. Doch hier kooperiert das Unternehmen mit dem Energie- und Mobilitätsdienstleister Isarwatt.

Dieser Genossenschaft gehören 17 Wohnungsunternehmen an, darunter die Wogeno. Deren Chef Peter Schmidt sitzt gleichzeitig im Vorstand von Isarwatt und verfolgt das Ziel, den motorisierten Individualverkehr in München zu verringern - keine leichte Aufgabe angesichts steigender Bevölkerungszahlen und einer damit einhergehenden steigenden Zahl an Privatautos.

Schmidt, der selbst nur Carsharing-Fahrzeuge nutzt, und dessen Unternehmen seit vielen Jahren mit Stattauto zusammenarbeitet, will die Zahl stationärer Leihautos signifikant steigern. Weil Stattauto aber in den vergangenen Jahren seine Flotte nicht vergrößert hat, will Isarwatt nun eben mit einem weiteren Anbieter kooperieren und entsprechende Flächen zur Verfügung stellen. Ziel ist es, dass die Bewohner der Häuser der Isarwatt-Gesellschaften kein eigenes Auto mehr brauchen sollen. Dabei solle Stattauto nicht durch die neue Konkurrenz geschädigt werden, beteuert Schmidt.

Isarwatt will allerdings nicht nur auf Carsharing setzen sondern auch auf Bikesharing, etwa mit Lastenrädern. "Das kann dann jeder nutzen, der sich zum Beispiel ein Tragerl Bier holen will", sagt Schmidt. Ein Auto brauche man dazu nicht. Überhaupt bezeichnet Schmidt die vielen, immer größer werdenden Privatautos in den Wohngebieten als "Standblech" und "Platzräuber". Mit den Sharing-Angeboten soll den Menschen in den Quartieren wieder freier Platz zurückgegeben werden.

© SZ vom 09.04.2020/kaal
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