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Urteil:Sexualtäter muss in Psychiatrie

Von sal

Wie er sich seine Zukunft vorstelle, will der Richter von Wiktor Z. gegen Ende der Verhandlung noch wissen. "Ich sehe gut in meine Zukunft, weil ich weiß, ich muss Medikamente nehmen - kann sein bis an mein Lebensende, und natürlich möchte ich nie mehr Alkohol trinken", antwortet der 41-Jährige auf die Frage von Frank Zimmer, dem Vorsitzenden der 12. Strafkammer am Landgericht München I. Wiktor Z. ist alkoholabhängig und leidet an paranoider Schizophrenie. Am 29. September vergangenen Jahres missbrauchte er gegen 18 Uhr am Gärtnerplatzrondell in aller Öffentlichkeit eine Frau auf einer Bank. Passanten versuchten ihn durch Schreien davon abzuhalten. Doch erst einer Polizeistreife gelang es, Z. von seinem Opfer wegzuziehen. An die Tat hat der 41-Jährige, der damals obdachlos war, keinerlei Erinnerung. Er war völlig betrunken. Laut Gutachten eines Gerichtsmediziners hatte Z. eine Blutalkoholkonzentration von etwa 4,13 Promille zur Tatzeit. Außerdem hatte er sein Medikament, mit dem er wegen paranoider Schizophrenie behandelt wird, seit Monaten nicht mehr genommen. Auch sein Opfer, die 51 Jahre alte Maja F. (Name geändert), war betrunken. Ihre Blutalkoholkonzentration lag bei knapp vier Promille. Wo Maja F. sich derzeit aufhält, ist unklar. Auch sie war zur Tatzeit obdachlos. Anders als in der Anklage, ging das Gericht in seinem Urteil nicht davon aus, dass Z. sein Opfer vergewaltigt habe. Am ersten Verhandlungstag hatten Zeugen, die das Geschehen beobachtet hatten, sich nicht festlegen können. Die Verteidigerin des 41-Jährigen, Rechtsanwältin Ruth Beer, ging deshalb von einem sexuellen Übergriff aus. Da Wiktor Z. strafrechtlich nicht zur Verantwortung gezogen werden kann, ordnete das Gericht dessen Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik an.

© SZ vom 24.10.2020
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