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SZ-Serie: Bühne? Frei!:Probieren geht über Lamentieren

Verena Sarre

Verena Sarré leitet den Kinderchor des Gärtnerplatztheaters. Zudem gründete sie die Sarré Musikakademie, um musikalisch talentierte Kinder und Jugendliche zu fördern.

(Foto: JOANIE Fotografie)

Kultur-Lockdown, Tag 113: Die Sängerin und Pianistin unterrichtet in ihrer Musikakademie nun online

Gastbeitrag von Verena Sarré

Stillstand im Lockdown? Nichts für Kreative! Sagt sich leicht, war es aber nicht. Im vergangenen März musste eine schnelle Lösung her, um fast 80 Kinder und Jugendliche von sechs bis 23 Jahren aus allen sozialen Schichten weiter in unserer Akademie in Singen, Tanzen und Schauspielen auszubilden, vor allem zu motivieren, Eltern in Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit zu unterstützen, unsere Dozenten weiter zu beschäftigen und selber nie den Mut zu verlieren. Nur durch die schnelle Umstellung auf eine Online-Akademie und dank der Unterstützung wunderbarer Menschen ist uns dieser Spagat - bis jetzt - gelungen. Zuerst aber Schockstarre: Wir können unser Gastspiel des Musicals "Oliver!" in Unterföhring mit 60 Darstellern nicht aufführen, es wurde verschoben auf den 14. Mai 2021. Außerdem musste die Premiere des Musicals "Peter Pan" vorbereitet werden. Nur Impfstoff kann die Rettung sein.

Der Applaus der letzten ausverkauften "Zauberflöten"-Vorstellung in der Alten Kongresshalle war noch nicht verhallt, als wir im Februar 2020 voller Zuversicht in unsere neuen Räume eingezogen sind. Wir haben unzählige Stunden und Geld in den Ausbau unserer eigenen vier Wände investiert und nun diese traurige Situation. Doch das Gute ist, dass wir Theater machen, Drama-erfahren sind und Ängste kennen. Dass wir uns auf einmal miteinander nicht unmittelbar austauschen können, das war neu. Also mussten wir schnell handeln und alle Möglichkeiten für die Weiterführung des Betriebs in Erwägung ziehen. So haben wir als eine der ersten eine Cyberakademie eingerichtet, und seitdem finden die regelmäßigen Gesangs-, Tanz- und Schauspielstunden wie vorher statt, nur eben in Videokonferenzen über Zoom.

Wir unterscheiden uns von anderen Bühnenproduktionen darin, dass wir nicht Erwachsene, sondern Kinder und Jugendliche begleiten. Für diese jungen Menschen steht nur eine begrenzte Ausprobierzeit offen. In relativ kurzer Zeit können sie in Rollen hinein- aber auch herauswachsen, nicht nur optisch sondern auch stimmlich, etwa durch den Stimmbruch. Die Entwicklung, die in diesen Lebensphasen stattfindet, ist daher unser natürlicher Taktgeber. Die Treue unserer Akademisten zeigt uns, wie viel Lebensmut, Zuversicht, Kreativität und Gemeinschaftssinn in dieser Arbeit steckt. Es ist klar, dies sind keine Idealbedingungen für die Proben, aber die Kinder und Jugendlichen sind froh, diese Abwechselung im eintönigen Corona-Alltag zu haben. Da kann es schon mal vorkommen, dass die vernachlässigte Hauskatze über die Klaviertastatur spaziert und mit einem falschen Ton ihrem Anspruch auf freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit Nachdruck verleiht. Das bringt zwar alle aus dem Konzept, aber gleichzeitig auch alle zusammen zum Lachen.

Wir sind auch stolz auf unsere erste komplette Online-Produktion. Das Lied "Halleluja" von Leonhard Cohen haben die Akademisten einzeln von der Couch aus eingesungen. Die Mischung von Bild und Ton erfolgte auch durch junge Talente. Das Projekt gab uns Hoffnung, uns auch in neue Gebiete hineinzuwagen.

Was nehmen wir, unsere Kinder und Jugendlichen, mit aus dieser Zeit? Im besten Falle die Erfahrung, dass eine Krise nur solidarisch zu bewältigen ist - und dass, wenn es wirklich drauf ankommt, auch unglaublich viel bewegt werden kann. Eine Erfahrung mit jungen Menschen, die der Fridays-for-Future-Generation hoffentlich weiterhin viel Kraft verleiht.

Aus lauter Vorfreude auf unser nächstes Stück und ungeachtet der Schwierigkeiten auf dem Weg seiner Fertigstellung, haben wir mit den Akademisten jetzt den Kurztrailer über das Musical "Peter Pan" von George Stiles gedreht. Wir werden also vorbereitet sein, wenn es wieder heißt: Freuen Sie sich mit uns auf "Peter Pan".

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© SZ vom 22.02.2021
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