Kultur in München:Muss das Valentin-Musäum raus aus dem Isartor?

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Der Brandschutz gewährt für den Betrieb des Valentin-Karlstadt-Musäums wohl nur noch eine Frist bis September. (Foto: Stephan Rumpf)

Der Einrichtung droht wegen fehlendem Brandschutz und mangelnder Barrierefreiheit das Aus in ihrer jetzigen Form. Außenaufzüge lehnt der Denkmalschutz ab, eine Verlegung eines Teils der Ausstellung ins Stadtmuseum wollen die Verantwortlichen nicht.

Von Julian Raff

Wie jeder gestandene Münchner weiß und eine Tafel am Eingang verkündet, haben "Kinder unter sechs Jahren und 99-Jährige in Begleitung ihrer Eltern freien Eintritt" im Valentin-Karlstadt-Musäum. Speziell den betagteren Besuchern die Gaudi verleiden können da eigentlich nur noch die steilen, engen Wendeltreppen hinauf in die Türme des Isartors, wo das Musäum 1959 einzog. Natürlich waren mangelnde Barrierefreiheit und fehlende Fluchtwege schon damals ein ernstes Problem, das bei Anwendung heutiger Standards nun das Aus fürs Musäum in seiner jetzigen Form bedeuten könnte.

Das Dilemma ist bekannt und spitzt sich zu, wie die Antwort von Kulturreferent Anton Biebl auf eine Ratsanfrage von CSU und Freien Wählern verrät. Halbwegs akzeptabler Brandschutz im Inneren ließe sich durch eine Bodenklappe mit ausfahrbarer Leiter gerade noch bewerkstelligen. Allerdings dürften diese sowie Brandschutztüren und brandsichere Unterdecken die "ohnehin bedrohlich beengte" Raumsituation noch weiter verschärfen, so dass die Ausstellung nicht in heutiger Form weiter bestehen könne.

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Eine wirklich sichere und zudem barrierefreie Erschließung der Torburg hat sich dagegen als vollends unmöglich erwiesen - zumindest ohne äußerliche Veränderungen. Außen angebaute Aufzüge an den Flankentürmen und eine Vergrößerung des mittigen Wehrgangs, wie sie ein Münchner Architekturbüro für eine Machbarkeitsstudie und einen Vorbescheidsantrag skizziert hat, lehnt die untere Denkmalschutzbehörde ab. Der Antrag sei noch in Bearbeitung, allerdings bestehe "denkmalfachlich keine Möglichkeit zur Zustimmung", so Biebl in seinem Antwortschreiben.

Als neues Domizil haben Stadträte und Lokalpolitiker unterdessen das Stadtmuseum vorgeschlagen, das allerdings von Ende 2023 an bis mindestens Mitte 2031 zwecks Generalsanierung schließt. Eine spätere Eingliederung in den runderneuerten Bau stellt für Biebl "keine Option" dar "aufgrund der bereits fortgeschrittenen Planungen". Außerdem sei das Musäum kraft seiner Lage im Isartor ein "Gesamtkunstwerk".

Die Außenaufzüge sollen von Tal und Isartorplatz aus nicht zu sehen sein

Einem älteren Vorschlag aus dem Bezirksausschuss, wenigstens die ergänzende Volkssänger-Ausstellung aus dem Südturm ins Stadtmuseum zu verlegen und so mehr Platz fürs eigentliche Musäum zu schaffen, kann die stellvertretende Leiterin Renate Luba nichts abgewinnen. Die Schau schlage eine unverzichtbare Brücke zur kulturellen Basis des Duos Valentin/Karlstadt. Ebenso wie Musäums-Direktorin Sabine Rinberger stellt sich Luba leidenschaftlich hinter die vorgeschlagenen Turm-Anbauten, also gegen die Denkmalschutz-Einwände. Vom Tal aus gesehen, lägen die Türme außerhalb der Sichtachse. Vom Isartorplatz aus verschwänden sie hinter dem historischen Bestand, ebenso wie die vorgeschlagene Erweiterung des Wehrgangs.

Dieser sei übrigens erst anlässlich einer Restaurierung Anfang der 1970er-Jahre ohne historisches Vorbild entstanden und verkörpere so die wechselvolle Baugeschichte des Tors, dessen Gestalt mit der Urform von 1337 so gut wie nichts zu tun haben dürfte. Tatsächlich hatte erst Friedrich von Gärtner in den 1830er-Jahren das Tor im Auftrag Ludwigs I. in der heutigen Form erbaut. Das von Bernhard von Neher 1835 geschaffene Fresko zeigt einen Triumphzug des mittelalterlichen Wittelsbacher-Kaisers Ludwig und illustriert so ebenfalls eher den Machtanspruch der von Napoleon auf den Thron gesetzten Wittelsbacher-Könige als verbürgte Historie.

Direktorin Rinberger stellt daher in einem Essay die Frage: "Welches Denkmal gilt es heute zu würdigen?" Die Anbauten hätten aus ihrer Sicht eine Berechtigung als Ausdruck einer "inklusiven Stadtgemeinschaft". Die Münchner hätten das Tor, als einzige der drei erhaltenen Münchner Stadtpforten, übrigens bereits 1924 demokratisch genutzt, als die erste Volkshochschule hier Quartier nahm.

Einen Umzug ihres Musäums kann sich Rinberger, nicht nur mangels Alternativstandorten, kaum vorstellen, denn: "Allegorisch spiegeln die verwinkelten Räume die Windungen eines Valentin'schen Gehirns." Nun, da dem Meister des Absurden quasi die Vertreibung aus seinem eigenen Kopf droht, könnte eine weitere valentineske Klausel der Hausordnung bittere Realität werden: "Besichtigung, auch bei Regenschein, Tag und Nacht, nur von außen und zwar kostenlos."

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