ZollstreitWenn Trump Ernst macht, wird es teuer für „Man versus Machine“

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Marco Mehrwald betreibt mit seiner Frau Corinna in München mehrere Kaffeeläden.
Marco Mehrwald betreibt mit seiner Frau Corinna in München mehrere Kaffeeläden. (Foto: Catherina Hess)

Vom 1. August an könnten enorme Zölle auf US-Produkte anfallen. Für die Münchner Kaffeerösterei „Man versus Machine“ baut sich da gerade eine sehr konkrete Drohkulisse auf.

Von Jacqueline Lang

Schon vor gut einem Jahr hat Marco Mehrwald eine Röstmaschine in den USA bestellt, Warenwert 170 000 US-Dollar. „Man versus Machine“ ist zwar kein ganz kleines Unternehmen mehr, trotzdem war und ist der Kauf die bis dato größte Einzelanschaffung, die Betreiber Mehrwald getätigt hat. Das Problem ist nun: Wenn der US-Präsident Ernst macht und die Einfuhrzölle auf Importe aus der Europäischen Union (EU) vom 1. August an tatsächlich auf 30 Prozent anhebt, könnten als Reaktion darauf auch Importe aus den USA deutlich teurer werden. Für die Röstmaschine samt Entsteiner, beides in Kalifornien von der Firma Loring produziert, könnte sich damit der Gesamtpreis für Mehrwald im schlimmsten Fall um weitere 50 000 US-Dollar erhöhen.

Seinem Ärger darüber hat Mehrwald vor wenigen Tagen auf Instagram in einem Post Luft gemacht. Man stehe, heißt es darin, im „Kreuzfeuer einer Politik, die kleine, langfristige Entscheidungen wie politische Schachfiguren“ behandele. Und: Der Handelskrieg zwischen den USA und Europa treffe nicht Regierungen, er treffe „Menschen wie uns“. Welches Unternehmen hätte schließlich vor gut einem Jahr ahnen können, dass ein transatlantischer Handelsstreit ausbricht?

Fragt man Mehrwald, warum es überhaupt so lange gedauert hat, bis die Maschine geliefert werden konnte, erklärt dieser am Telefon, die kalifornische Firma baue nur auf Bestellung. Außerdem sei die neue Rösterei an der Görresstraße bislang nicht fertig, mit der Lieferung habe man es also eigentlich nicht allzu eilig gehabt. Denn dann hätte er die Röstmaschine in München irgendwo unterstellen müssen.

Auch bei der Frage der Versandart, sprich per Flugzeug oder Schiff, habe man sich unter anderem aus ebendiesem Grund für die langsamere Variante auf dem Seeweg entschieden. All diese Entscheidungen haben allerdings nun zur Folge, dass die Container aller Voraussicht nach erst am 9. August in Deutschland eintreffen. Das wäre – Stand jetzt – acht Tage nach Inkrafttreten der neuen Zölle.

Existenzbedrohend, das versichert Mehrwald, seien die möglichen Extrakosten für sein Unternehmen nicht. Ein Crowdfunding, wie User es ihm unter seinem Post vorgeschlagen haben, will er deshalb auch nicht starten, das hielte er für unlauter. Und trotzdem: Alles wird teurer, nicht zuletzt die Kaffeepreise. Das erschwert kleineren Unternehmen wie Man versus Machine das Wirtschaften. Zumal man in der Konsequenz irgendwann der Kundschaft steigende Preise vermitteln muss.

Und jetzt kommt die große Verunsicherung hinzu: Treten die Zölle tatsächlich Ende der kommenden Woche in Kraft? Und wenn ja, welche Produkte und Geräte werden konkret betroffen sein? Zuletzt hatte die EU erklärt, Zölle in Höhe von 72 Milliarden Euro erheben zu wollen, sollte es bis 1. August nicht zu einer Einigung mit den USA kommen. Ob konkret auch der von Man versus Machine bestellte Röster betroffen wäre, weiß Mehrwald allerdings bis dato nicht mit hundertprozentiger Sicherheit.

Bei allem Frust hat zumindest der Instagram-Post sein Gutes gehabt: Dort wurde Mehrwald darauf hingewiesen, dass die Möglichkeit bestehe, Nicht-Unionsware für die Dauer von 90 Tagen in einem Lager zollfrei zu deponieren. Sollten die Zollerhöhungen – sofern sie in Kraft treten – nach nur wenigen Tagen wieder zurückgenommen werde, bestünde die Option, den Röster erst danach einzuführen. Mehrwald will diese Möglichkeit nun prüfen. Bis dahin gilt: Abwarten und Kaffee trinken.

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