Sven G. (Name geändert) ist das, was man in Bayern ein „Mannsbuid“ nennen würde: groß, kräftig, Schultern wie ein Breitwandfernseher. Nach seinem Beruf befragt, nuschelt er schüchtern: „Wirtschafter“, er halte ein Haus in Schuss. Man könnte sagen, dass es nicht nur ein Haus, sondern eine ganz eigene Welt ist. Sven G. ist Türsteher und Security-Mann in „Caesar’s World“, einem Bordell im Münchner Osten. Dort soll er unter anderem einen Freier verprügelt haben und auf dessen Hals gekniet sein. Dafür verurteilte ihn die Amtsrichterin zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung.
Man wollte sich offenbar einen netten Herren-Abend machen: Jakob R. (Name geändert) und seine beiden Freunde waren im Oktober 2022 zur Bauma nach München gereist und nach der Messe ging es ins Bordell. Der Alkohol floss, und gegen 3 Uhr früh hatte sich der 35-jährige Lehrer mit einer der Damen auf „einen Service“ geeinigt, so nennt es R. vor Gericht. 100 Euro habe er voraus an die rumänische Prostituierte für eine halbe Stunde gezahlt.
Nach 15 Minuten allerdings war alles vorbei. Die Frau war der Meinung, dass man zum Abschluss gekommen sei, der Mann eher nicht. „Die vereinbarte Leistung wurde nicht erbracht“, formuliert er es trocken in der Verhandlung. Er habe sein Geld zurückverlangt, darüber sei ein Streit entbrannt. Die Frau habe ihm 50 Euro auf das Bett geworfen, die habe er in seine Hosentasche geschoben.

Zu dem Zeitpunkt jedoch hatte die Dame aufgrund des Streits bereits den Notalarmknopf gedrückt. Plötzlich sei ein Mann in der Türe gestanden, erzählt der Freier, habe ihn „ohne viele Worte“ zu Boden gebracht, ein Knie gegen seinen Hals gedrückt und ihm die 50 Euro aus der Tasche gezogen. „Ich habe keine Luft mehr bekommen“, schildert Jakob R., ihm sei schlecht und schwindelig geworden, „ich hab um mein Leben gekämpft“. Er habe es geschafft, sich zu befreien und aufzurappeln, da habe ihm der Security-Mann Faustschläge ins Gesicht versetzt. „Ich hab stark an der Augenbraue geblutet und man hielt mir ein Zewa hin mit der Aufforderung, ich solle mein Blut aufwischen.“
Sven G. werde sich „schweigend verteidigen“, sagt sein Anwalt Michael Pfefferl. Die beiden Aussagen der Prostituierten bei der Polizei, die im Gericht verlesen werden, seien widersprüchlich und unglaubwürdig, wie Staatsanwalt Florian Lettmeier in seinem Plädoyer später sagen wird. So hatte die Frau etwa behauptet, der eher schmächtige Freier habe dem Türsteher ein Bein gestellt und ihn zu Fall gebracht. Die Verletzungen des Kunden könne sie sich auch nicht erklären, sie habe gerade aus dem Fenster geschaut.
Es ist nicht die einzige Tat, die an diesem Tag verhandelt wird. Wenige Monate zuvor soll Sven G. einen untersetzten Gast ausgehebelt und auf den Boden geworfen haben. Und dann gibt es noch einen anderen angeklagten Vorfall mit mehreren polnischen Bauarbeitern, die das Bordell nicht verlassen wollten, und mit denen zwei Türsteher sowie ein Barkeeper im Eingangsbereich rangelten. Ein Gast ging zu Boden, er soll getreten worden sein.
Allein die Beweisführung gestaltet sich schwierig: Ausgerechnet von der hauseigenen Videokamera im Außenbereich gibt es keine Aufnahmen, die Bilder im Innenraum sind unübersichtlich. Der mutmaßlich Geschädigte weiß so gut wie gar nichts mehr: Irgendetwas habe er auf den Kopf bekommen, nein, am Boden sei er nicht gelegen. Das Gericht stellt diesen Anklagepunkt ein.
„Ich kenn das von der Justiz, wenn ein Mandant groß und breit ist, dann denkt man gleich, er sei gefährlich“, führt Verteidiger Pfefferl an. „Seit dem Vorfall sind bei mir zehn bis zwölf weitere Verfahren gegen Ihren Mandanten aufgelaufen“, kontert Staatsanwalt Lettmeier. Er habe mit keinem anderen Türsteher in München Probleme. „Alle anderen schaffen es, die Freier ruhig zu halten.“ Der Job sei sicher kein leichter. „Aber Sie sind leicht zu provozieren und überfordert.“ Dieses Problem werde nicht weggehen, wenn er nicht bereit sei, daran zu arbeiten.
Das Gericht verhängt eine Bewährungszeit von drei Jahren. Lässt sich der 27-Jährige in dieser Zeit etwas zu Schulden kommen, muss er hinter Gitter.

