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SZ-Serie: Urlaub in München:Schnitzeljäger und Hexenmasken

Die Schwestern Nishka und Yuti werfen beim Cowboy-Training einen Ring auf die Kuh. Übungsleiterin Sunna Gottschewski hat als Kind selbst an den Programmen des Quax teilgenommen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Im Riemer Park wartet derzeit ein besonderes Abenteuer auf Kinder: Eine multimediale Rallye mit ganz analogen Schauspielern.

"Ein Lebenstraum geht in Erfüllung!", verkündet der Naturforscher begeistert. "Endlich hab ich ein echtes Karapäus-Knappikus-Grantikus-Simplex gefunden." Eine Hexe hüpft lachend auf ihrem Besen vorbei, ein Cowboy stößt zur Runde hinzu, die Spionin und der Pirat schauen verdutzt aus der Wäsche. Schuld an diesem Chaos ist das Florona-Virus. Es hat den Computer des Regisseurs Karl Klappe befallen. All seine Drehbücher sind jetzt durcheinander. Keiner seiner Schauspieler weiß mehr, wann er am Filmset an der Reihe ist. Zu sehen ist die turbulente Szene in einem Video auf dem Smartphone - es ist die Einleitung zu einer Schnitzeljagd durch den Riemer Park.

Ausgedacht hat sich die Geschichte der Echo-Verein - und für die Internetseite www.kiku-online.net eine multimediale Rallye entwickelt. Seit Dienstag steht vor dem Quax, dem Zentrum für Freizeit und kulturelle Bildung, eine Tafel mit einem QR-Code. Scannt man diesen mit der App Actionbound, führt einen das Programm von Station zu Station.

Ohne Lupe und Hut wird der Naturforscher aus dem Video wieder zu Karl-Michael Brand, dem Geschäftsführer des Echo-Vereins. "Das Rallye-Programm hatten wir schon zu Beginn des Lockdowns entwickelt, doch da wäre die Teilnahme wegen der Ausgangsbeschränkungen noch schwierig gewesen", sagt er. "Jetzt sieht das schon anders aus." In kleinen Gruppen oder mit der Familie könnten die Kinder durch den Riemer Park ziehen. "So haben wir ein Pfingstferien-Programm geschaffen, bei dem es einfach ist, Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten."

Zu der Rallye gehören "lebende" Stationen, an denen die Kinder und Jugendlichen auf die Charaktere aus den Videos treffen - ganz analog. Die Schauspieler live erleben können sie noch am Montag und Dienstag, jeweils von 14 bis 18 Uhr. "Doch auch ohne die lebenden Stationen macht die Actionbound-Rallye Spaß," versichert Mitentwickler Florian Knappig.

Und die Studentin Annabelle Bölsterl haucht im Riemer Park ihrer Hexenfigur Leben ein. "Ein bisschen heiß wird es langsam schon in dem Kostüm", sagt die 19-Jährige. Für die Kinder hält sie ein Glockenspiel bereit.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Da gibt es zum Beispiel die Rinderhirtin, sie stellt das Cowboy-Training vor: Es gilt, eine hölzerne Kuh mit Lassos und Ringen zu treffen. Die Kuh thront auf einem Hügel der Senkgärten im Riemer Park. An dessen Fuß wartet das zweite Spiel: Dort versuchen gerade die Schwestern Yuti und Nishka mit einem Hammer eine Erbse zu treffen, die aus einer Murmelbahn gerollt kommt. Ihre Mutter Tina Agarwal freut sich über die Beschäftigung unter freiem Himmel, schließlich war das in den vergangenen Wochen nicht immer einfach. Die elfjährige Nishka kann erst seit zwei Wochen wieder in den Unterricht gehen und Drittklässlerin Yuti muss auf ihre Schulkameraden noch bis nach den Pfingstferien warten. "Wir kommen so gerne ins Quax. Schon im letzten Sommer waren meine Kinder beim Ferienprogramm dabei", erzählt Agarwal. "In diesen Ferien wollten wir eigentlich nach Mallorca fliegen, doch der Trip wurde gecancelt." Stattdessen zieht die Familie nun durch den Park. Den Mädchen habe die Interaktion mit anderen Kindern gefehlt, sagt die Mutter. "Die Kinder und Jugendlichen hat der Lockdown am übelsten erwischt", meint Echo-Chef Brand.

Neben der Schnitzeljagd bietet der Verein noch einige andere Aktivitäten an. Familien können gemeinsam mit dem Quax-Team ein Wildbienenhotel bauen oder ein Kräuterbeet anlegen. Bei diesen Projekten sowie auf dem Abenteuerspielplatz können sich maximal zwei Familien für denselben Zeitraum anmelden. An Regentagen können sich Kinder mit den "Künstlerpackerl" die Zeit vertreiben: Dank 7500 Euro vom deutschen Kinderhilfswerk packte der Verein Hunderte Pakete mit Aquarellfarben, Malblöcken und Tonpapier für Kinder, die sich die Materialien nicht leisten können.

Tipps

Startpunkt für die Schnitzeljagd des Echo-Vereins ist das Quax in Riem an der Helsinkistraße 100. Dort steht während der Pfingstferien die Tafel mit dem QR-Code für die Rallye. Auch ohne Code kann man die Actionbound-App herunterladen und das interaktive Abenteuer starten. Ein voller Handyakku ist zu empfehlen. Die zusätzlichen Stationen mit Schauspielern sind noch am 8. und 9. Juni von 14 bis 18 Uhr aufgebaut (letzter Start 17.30 Uhr). Bei Regenwetter entfallen die "lebenden Stationen" im Park. Geeignet ist die Rallye für Kinder ab sechs Jahren. Anmelden müssen sich Familien für das kostenlose Programm nicht. Mitmachen können alle Teilnehmer nur in Kleingruppen unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln. Die gesamte Rallye mit allen Aufgaben dauert etwa eineinhalb Stunden. radin

"Als kleiner Verein sind wir wie ein Motorboot: schnell und wendig", sagt Brand. "Wir können auf die Regelungen flexibel mit neuen Angeboten reagieren. Nächste Woche begrüßen wir die Kinder und Jugendlichen auch wieder im Haus des Quax." Noch während er das erzählt, kommen immer mehr Familien an und wollen zur Schnitzeljagd losziehen. Einige wurden erst durch die Menschen in Kostümen auf die Aktion aufmerksam. So zieht zum Beispiel die Studentin Annabelle Bölsterl am ersten Tag der Rallye die Blicke auf sich: In einem rot-schwarzen Hexenkostüm verrät sie den Teilnehmern, wie sie einen weiteren Buchstaben für das Passwort von Karl Klappes Virenschutzprogramm erspielen können. Sieht Bölsterl die nächsten Schnitzeljäger über die Wiese streifen, setzt sie ihren großen Hexenhut auf und streift sich den Mund-Nasen-Schutz über. Und auf ihrer Maske baumelt eine aufgenähte Hexennase.

In der nächsten Folge am Samstag geht es auf Entdeckungstour durch die letzten Urwälder im Münchner Westen.

© SZ vom 05.06.2020

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