UrlaubserlebnisseSonnenuntergänge, Autoschlangen und hungrige Katzen

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Sonnenuntergang auf Sizilien
Sonnenuntergang auf Sizilien Lorenz Mehrlich

Ferien sind eine besondere Zeit, für alle, die wegfahren, aber auch für diejenigen, die zu Hause bleiben. Fünf Eindrücke von Straße, Strand und heimischem Garten.

Von SZ-Autorinnen und -Autoren

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Mittagessen verpasst

Schnell, schnell, Kinder, wir wollten doch spätestens um sechs Uhr in der Früh schon auf der Autobahn sein ... Der Start in die Pfingstferien gleicht einem Rennen gegen die Zeit, wenn man zum Mittagessen bei der Verwandtschaft in Norditalien sein soll. Denn das Autourlauber-Axiom lautet grob überschlagen: Jede Minute, um die sich der Aufbruch in München verzögert, kostet am Ende zweieinhalb Minuten Fahrt- und vor allem Standzeit zusätzlich. Jedenfalls dauerte damals die erste Stau-Etappe schon fünf Stunden bis 12.30 Uhr – und zwar gerade einmal bis Salzburg, nicht bis zur Pizza im Friaul.

Richtung Süden ging es dann im Schritttempo weiter. Und nachdem das Navi den Tauerntunnel nach einem Unfall auch noch als gesperrt angezeigt hatte, kletterten Tausende über Pass und Bergdörfer hinauf und stürzten sich am Katschberg wieder hinunter. Das kostete dann noch einmal mindestens zweieinhalb Stunden zusätzlich. Von wegen Mittag: Gerade so pünktlich zum Abendessen liefen wir dann nach elfeinhalb Stunden im Auto ziemlich hungrig auf der Piazza ein. David Costanzo

Mehr Meerblick

In dem Häuschen an der Westküste Korsikas verbrachten wir nur wenige Tage, die Pfingstferien dauern ja leider nicht so lang. Aber halb so schlimm, denn die Tage im Juni sind länger als in den Sommerferien. Und so saßen wir, nachdem wir am Morgen zu der kleinen Bucht Cala d'Orzu gelaufen waren, ausgiebig gebadet, Postkarten geschrieben, Fisch gegessen und ein paar Einkäufe erledigt hatten, auf der Terrasse unserer Ferienwohnung und blickten vom Hügel hinunter auf das Meer. Diese herrlichen Blautöne, die weißen Segelboote, die zwischen schwarzen Felsen herumkurvten. Dann irgendwann, die Kinder schon im Bett, der Sonnenuntergang, es glitzerte in Rot und Gold. Was für Farben bis in die Nacht.

Neigen sich dagegen die bayerischen Sommerferien dem Ende zu, bedeutet „Unterkunft mit Meerblick“: Bereits kurz nach dem Abendessen schauen Urlauber vom Balkon aus in ein grau-schwarzes Nichts, das auch Wald sein könnte. Diesmal geht es an Pfingsten an die Côte d’Azur. Bei der Buchung haben wir auf zwei Dinge geachtet: Dass die Ferienwohnung Meerblick hat. Und einen Tennisplatz. Der sogar mit Flutlicht – das aber ist nur für Sommerferienurlauber relevant. Lisa Sonnabend

Auf in die Berge

Vier Jahre ist es her, da hatte der Münchner Bergbus des Alpenvereins Premiere. Es war ein heißer Junitag. Und auf dem Rückweg aus dem Tegernseer Tal wurde es auf einmal mächtig still, zumindest was den bis dahin doch recht regen Erfahrungsaustausch der zufriedenen Bergsteiger anging. Erschöpfung? Iwo. Fußball! Bei der EM trat damals Deutschland gegen Portugal an. Spielbeginn 18 Uhr. Der Heimweg vom Schildenstein bis zum heimischen Fernsehsessel war zu weit, die Handys wurden ausgepackt...

Am verlängerten Pfingstwochenende fährt der Bergbus wieder, auf zwei Routen. Und wieder wird Fußball gespielt. Diesmal am Sonntag schon um 15 Uhr. Das Spiel um Platz drei ist also für die Wanderer nicht zu schaffen, höchstens das Finale am Abend. Der Unterschied zu 2021: Das mit Portugal hat sich für die Deutschen ja schon mal erledigt. Und das Wetter am Pfingstsonntag wird eher nicht bergkompatibel. Da kann man sich gut zu Hause die Klatsche gegen Frankreich angucken. Gut, dass der Bergbus auch am Samstag und am Pfingstmontag fährt. Martin Bernstein

Wenn die Katze das Sagen hat

Wer in den Ferien daheim bleibt, kann manchmal gar nicht so schnell schauen, wie die Nachbarn ihre Schlüssel vorbeibringen: Blumengießen hier, Briefkasten leeren da. In unserem Fall tritt in den Ferien mit schöner Regelmäßigkeit Findus in unser Leben. Ein grau-schwarz gestreifter Kater, der uns unterm Jahr so würdevoll ignoriert, wie es nur Katzen vermögen. Das ändert sich freilich, wenn wir fürs Füttern zuständig sind: Sobald wir das Haus verlassen, kommt er angerannt und schnurrt um unsere Beine. Oder er gesellt sich zu uns in den Garten und räkelt sich im Gras, das er ansonsten doch eher als Außen-Toilette betrachtet.

Wenn alles Anschmusen nichts nützt, kann Findus auch rabiater werden. Einmal saßen wir gemütlich beim Frühstück, da pochte es vehement am Fenster. Findus, der mit ärgerlichem Miauen zu verstehen gab, dass auch er Hunger hat. Bis dahin konnten wir uns nicht vorstellen, wie sich manche Katzenbesitzer von ihrem Tier herumkommandieren lassen. Und nun? Entschuldigung, muss weg, Findus klopft! Isabel Bernstein

Antizykliker muss man sein

Wer gezwungen ist, Urlaub in den Schulferien zu machen und womöglich auch noch am Bettenwechsel-Samstag zu starten, ist gut beraten, wenn er zumindest temporär der Gruppe der Antizykliker beitritt. Das beginnt bei der Wahl des Urlaubsziels – in unserem Fall Frankreich während der bayerischen Pfingstferien, also nach den französischen Frühjahrs- und vor deren Sommerferien. Und natürlich sollte man nicht erst nach ausgiebigem Frühstück um halb zehn morgens ins Auto steigen, sondern zu dieser Zeit bereits zumindest die Schweizer Grenze hinter sich haben – vor allem, wenn der Routenplaner für die Fahrt nach Antibes an der französischen Mittelmeerküste satte zehn Stunden prognostiziert.

Mit ausreichend Zeit und der nötigen Gelassenheit wird die lange Fahrt dann Abschnitt für Abschnitt regelrecht zum Genuss. Der Bodensee, die Schweizer Berge, entspannt Käse einkaufen in der kleinen Sennerei in Splügen, San Bernardino, über die Brücke im Luganer See, später dann die Autostrada dei Fiori mit ihren Ausblicken aufs Meer auf der einen, Pflanzen, die hierzulande nirgendwo am Straßenrand wachsen, auf der anderen Seite: Selten hat sich bei uns so viel Urlaubsgefühl schon bei der Anfahrt eingestellt. Wir haben dann hinter Ventimiglia sogar auf die Auffahrt zur Autobahn verzichtet und lieber die französischen Küstenorte der Reihe nach passiert, weil das Ambiente so viel Spaß gemacht hat. Und lieber noch ein oder zwei Stunden länger im Auto verbracht. Thomas Kronewiter

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