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Mitten in Untergiesing:Abflug zum Chillen

Wenn es die Menschen entlang der Isar zu bunt treiben, weichen die Enten auf die Garagendächer in Schyrenbad-Nähe aus - und geben den Menschen diverse Rätsel auf

Endlich Feierabend, hinaus auf den Balkon in die Abendsonne. Ein kühles Getränk, die Untergiesinger Kirchen lassen die Glocken bimmeln, eine Ente quakt. Moment mal, eine Ente quakt? Ja, richtig gelesen. Seit ein paar Wochen gehört das zum Sound eines Hinterhofs, nur ein paar Flugsekunden vom Schyrenbad entfernt. Ein Enten-Pärchen hat die Garagendächer zur Chill-Zone erwählt, wie man so schön sagt. Viel gequakt wird da nicht, nur wenn Glocken aufdringlich bimmeln oder ungehörige Nachbarn die Stille im Hof stören.

Ente und Erpel geruhen vielmehr, die meiste Zeit nahezu unbeweglich herumzusitzen und zu glotzen, zu chillen also. Manchmal erhebt sich einer von beiden, watschelt in bewundernswerter Langsamkeit hierhin oder dorthin, um sich dann wieder niederzulassen. Verzeihung, aber man muss es so sagen: Die scheißen sich nichts, diese Enten. Denn während ihres Zeitlupe-Lustwatschelns über die Garagendächer hinterlassen sie munter ihre gut sichtbaren Kothäufchen, was ihnen sichtlich piepegal ist. Den Hausmeister haben sie schon zweimal in ihrer stoischen Art dabei beobachtet, wie er hinaufkraxelte und das wieder wegputzte.

Viel wird freilich spekuliert in der Nachbarschaft, wo diese Vögel wohl herkommen mögen - und wohin sie sich immer wieder absentieren. Tagelang sind sie manchmal ausgeflogen. Dann wieder kann es passieren, dass von schräg oben ein etwas gereiztes Quaken ertönt, wenn man frühmorgens die Garagentüre öffnet. Es gibt die Theorie, dass es dem Paar an der Isar mitunter zu bunt wird mit all den Jogger-Horden, die da jetzt herumlaufen. Oder sie wohnen am Entenweiher unweit des Rosengartens. Dort geht's auch ziemlich zu, nachdem die Stadt meinte, den Rosengarten wegen Corona zusperren zu müssen. Zwar ist der jetzt wieder teilweise geöffnet; doch seit ein am Entenweiher ansässiges Schwanen-Paar ein halbes Dutzend kleine Schwan-Babys bekommen hat, ist eh alles zu spät. Dann lieber den Abflug machen und in den ruhigen Hinterhof flattern, werden sich die beiden denken. Dort steht auf dem Dach in der Abendsonne oft ein kühles Getränk in einer Schale bereit.

© SZ vom 26.05.2020

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