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München/Unterföhring:Stromlinie

Eingesteckt: Die erste voll elektrisch betriebene MVV-Regionalbuslinie kostet jährlich 3,5 Millionen Euro - bezahlt vom Landkreis München.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Mit dem Fahrplanwechsel pendelt jetzt die E-Buslinie 232 zwischen Unter- und Oberföhring

In der Landeshauptstadt sind die batteriebetriebenen Elektrobusse der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) schon unterwegs. Zum Fahrplanwechsel am vergangenen Sonntag nimmt nun auch der Unterföhringer Ortsbus 232 seinen klimaschonenden Betrieb auf. Am Freitag haben Landrat Christoph Göbel (CSU), Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (Parteifreie Wählerschaft, PWU) und MVV-Geschäftsführer Bernd Rosenbusch am Bahnhof der Stadtrandkommune den symbolischen Startschuss für die E-Buslinie 232 gegeben. Diese bedient das Unterföhringer Gemeindegebiet und fährt die Tram-Endhaltestelle St. Emmeram in München-Oberföhring an.

Der Ortsbus verkehrt werktags von 5.30 bis 23.30 Uhr im 20-Minuten-Takt; an Sonn- und Feiertagen fahren die Busse von 8 bis 23.15 Uhr alle 40 Minuten. 17 Haltestellen liegen auf der Strecke. Von der im Norden Unterföhrings gelegenen Fichtenstraße geht es über Rathaus und S-Bahnhof zu den Einkaufsmärkten an der Feringastraße bis zur Straßenbahn. Bereits im Jahr 2014 hatte der Landkreis München den Münchner Verkehrsverbund (MVV) mit der Prüfung beauftragt, unter welchen Kriterien der Einsatz von Elektrobussen im Regionalverkehr möglich sei. Gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme wurden daraufhin alle MVV-Regionalbuslinien im Landkreis untersucht, ehe im Jahr 2015 die Entscheidung fiel, den Ortsbus in Unterföhring zu elektrifizieren. Die europaweite Ausschreibung gewann die Ettenhuber GmbH in Feldkirchen. Drei E-Busse des Unternehmens werden nun in der Kommune lautlos unterwegs sein.

Zunächst hatte es so ausgesehen, dass Unterföhring die Kosten in Höhe von jährlich 3,5 Millionen Euro allein hätten tragen müssen - was sie ohne Murren getan hätten, wie Landrat Göbel am Freitag lobte. Während sich der Kreis damals noch "in vornehmer Zurückhaltung übte", habe die Gemeinde sofort ihre Bereitschaft signalisiert, für die Finanzierung aufzukommen. Das ist seit einem Kreistagsbeschluss von 2018 zur kompletten Kostenübernahme nicht mehr nötig. Dass der strombetriebene Ortsbus nun in den Regelbetrieb geht, ist nach den Worten von Göbel ein wegweisender Start für weitere Projekte. So plant der Landkreis, in Zukunft Elektrobusse auf insgesamt fünf Trassen einzusetzen. Neben dem 232er sollen vier weitere Strecken genauer beleuchtet und möglicherweise bereits ein Jahr später ebenfalls mit E-Bussen ausgestattet werden. MVV-Geschäftsführer Rosenbusch teilte Göbels Begeisterung für das Pilotprojekt im Münchner Umland: Es werde nicht das letzte sein, sagte er. Der Aufwand und die Kosten hätten sich gelohnt. Bürgermeister Kemmelmeyer war sichtlich stolz, dass in seiner Gemeinde die erste E-Buslinie im Landkreis ihre Runden dreht. Die Kommune übernimmt für die Unterföhringer übrigens die Fahrtkosten.

© SZ vom 16.12.2019
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