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Unfallstatistik der Polizei:Jeder dritte Verkehrstote ist ein Radler

Rosenheimer Straße München

Während der Pandemie gab es eine starke Zunahme beim Radverkehr.

(Foto: Stephan Rumpf)

Obwohl im Corona-Jahr 2020 die Zahl der Unfälle deutlich zurückgegangen ist, starben nicht weniger Menschen auf Münchens Straßen als 2019 - und es gab mehr Kollisionen mit Radfahrern.

Von Julian Hans

Während Verkehrsunfälle im zurückliegenden Corona-Jahr fast in allen Bereichen zurückgegangen sind, gab es 2020 mehr Unfälle mit Radfahrern als 2019. Die Münchner Polizei führt diese Entwicklung darauf zurück, dass während der Pandemie viele Menschen zu Hause geblieben und andere vom öffentlichen Nahverkehr auf das Fahrrad umgestiegen sind. "Wir hatten während der Pandemie eine starke Zunahme beim Radverkehr", sagte Michael Dibowski, Leiter der Abteilung Einsatz im Polizeipräsidium, bei der Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik am Freitag.

Wegen der ungewöhnlichen Umstände seien die Zahlen aber nur bedingt mit denen des Jahres 2019 vergleichbar, erklärte Dibowski. Bedauerlich sei, dass es trotz eines Rückgangs der Verkehrsunfälle in der Landeshauptstadt und im Landkreis München um fast 17 Prozent auf 44 972 genau so viele Verkehrstote gegeben habe wie im Vorjahr, nämlich 21. Davon starben 17 bei Unfällen im Stadtgebiet München. Von den 21 Verkehrstoten im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums waren sieben Radfahrer, sechs Fußgänger, fünf Insassen von Pkw und drei Motorradfahrer.

Es gab 18 Prozent weniger Verkehrsunfälle mit Fußgängern und fast zwölf Prozent weniger Verkehrsunfälle mit Senioren. Derweil nahm die Anzahl von Unfällen mit Radfahrern um acht Prozent zu von 3161 im Jahr 2019 auf 3420 im Jahr 2020 zu. "Jeder dritte Verkehrstote in München war mit dem Radl unterwegs", sagte Dibowski. Bayernweit war es jeder siebte. Verletzt wurden in München und im Umland 3089 Radfahrer, im Vorjahr waren es noch 2845 gewesen. Die Zahl der schwerverletzten Radler stieg von 330 auf 373. Von den sieben Radfahrern, die bei einem Unfall ums Leben kamen, waren drei älter als 80 Jahre. Auch bei den Unfällen mit Pedelecs spielen ältere Menschen eine besondere Rolle: Von den 222 Unfällen, in die Fahrer solcher elektrisch angetriebenen Fahrräder verwickelt waren, war die Fahrerin oder der Fahrer in 77 Fällen älter als 65.

Fast bei jedem zweiten Radlunfall, an dem ein weiterer Verkehrsteilnehmer beteiligt war, trug der Radfahrer eine Mitschuld. Häufigste Ursache waren der Polizeistatistik zufolge Missachtung der Vorfahrtsregeln und sogenanntes "Geisterradeln" entgegen der Fahrtrichtung.

Wegen des Homeschoolings kam es zu deutlich weniger Schulwegunfällen

Unfälle mit Motorradfahrern gingen 2020 um mehr als 21 Prozent zurück. Bei den 499 Unfällen wurden 377 Motorradfahrer verletzt, im Jahr zuvor waren es 521. Häufigste Ursachen waren dabei laut Verkehrspolizei Fehler beim Überholen, überhöhte Geschwindigkeit und zu geringer Abstand. Dafür, dass es 2020 kaum Feste gab und Restaurants und Kneipen über viele Monate geschlossen bleiben mussten, ist der Rückgang von Unfällen, bei denen Alkohol im Spiel war, mit 1,2 Prozent erstaunlich gering. Die Zahl der Opfer infolge solcher Trunkenheitsfahrten ist sogar gestiegen: Bei den insgesamt 501 Unfällen mit alkoholisierten Verkehrsteilnehmern wurden vier Menschen getötet (2019: eine Person) und 286 (2019: 261) verletzt. Der höchste Wert von Alkohol im Blut eines Unfallbeteiligten in München lag 2020 bei 3,66 Promille.

Im Jahresvergleich wurden fast 19 Prozent weniger Unfälle aufgrund von überhöhter Geschwindigkeit festgestellt, nämlich 394. Dabei wurden 289 Personen verletzt. Der schnellste Raser, der 2020 erwischt wurde, war ein 38-Jähriger, der mit 197 Stundenkilometern auf einer Straße unterwegs war, auf der 60 km/h erlaubt gewesen waren.

Eine positive Nebenwirkung der Corona-Beschränkungen war der Rückgang von Schulwegunfällen um mehr als die Hälfte (56,5 Prozent). Im Jahr, in dem Schule über weite Strecken zu Hause stattfand, wurden bei 57 Schulwegunfällen 60 Schülerinnen und Schüler verletzt, davon sieben schwer. 2019 hatte es 131 Schulwegunfälle mit 135 Verletzten gegeben, elf davon hatten schwere Verletzungen. Bei den 44 972 Verkehrsunfälle im Stadtgebiet und im Landkreis München ist im Jahr 2020 kein Kind ums Leben gekommen.

© SZ vom 20.02.2021/kafe, van
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