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Verkehr in München:Warten auf Assistenzsysteme

Wieder kollidiert ein Bus mit einem Radler. Über Technik gegen Abbiegeunfälle verfügen nur die neuen MVG-Busse verfügen - derzeit sind es 45.

Von Andreas Schubert

Immer wieder passieren Unfälle mit rechts abbiegenden Autos, Lastwagen oder Bussen. Und immer wieder werden dabei Fahrradfahrer schwer verletzt oder kommen sogar ums Leben. Am Samstagmorgen ist in der Landsberger Straße ein Radler mit einem nach rechts abbiegenden Nachtbus der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) zusammengestoßen. Das Rad wurde dabei überrollt, der Radler kam nicht unter die Räder, brach sich aber ein Bein.

Der Unfall hätte womöglich verhindert werden können, wenn der Bus mit einem Abbiegeassistenz-System ausgestattet gewesen wäre. Rund 450 Busse sind für die MVG im Einsatz. Und die alten Modelle werden erst nach und nach durch modernere mit Abbiegeassistenten ersetzt. Derzeit verfügen 45 im vergangenen Jahr ausgelieferte Gelenkbusse über so ein System. 53 weitere folgen nach Angaben der MVG in Kürze. Alte Modelle werden nicht nachgerüstet. "Allerdings erneuern wir unsere Flotte laufend, so dass sich die Ausstattungsstand kontinuierlich erhöht", teilt MVG-Sprecher Matthias Korte mit. Alle neuen Busse werden standardmäßig mit Abbiegeassistent bestellt und ausgeliefert. Von 2022 an werden die Assistenzsysteme EU-weit Pflicht. Von den 800 städtischen Lkw sind bereits etwa 90 Prozent mit einem Assistenten ausgestattet.

Als Ergänzung testet die Stadt derweil an 40 Kreuzungen 100 sogenannte Trixi-Spiegel. Diese an Ampelanlagen angebrachten Spiegel sollen es Fahrern von Lastwagen, aber auch Autofahrern ermöglichen, Radler und Fußgänger im toten Winkel zu sehen. Wenn sie sich bewähren, sollen noch mindestens 1000 weitere Spiegel in der Stadt montiert werden. Im Februar hatte Kreisverwaltungsreferent Thomas Böhle erklärt, dass an möglichst allen Ampelkreuzungen Spiegel montiert werden sollen.

Das Kreisverwaltungsreferat (KVR) hat zusammen mit dem Unfallforscher Wolfram Hell vom Institut für Rechtsmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität eine Liste von Standorten erarbeitet, die für den Test besonders geeignet sind. Der Test dauert ein Jahr, damit auch die Auswirkungen saisonaler und witterungsbedingter Einflüsse in die Bewertung einfließen können. Die Ergebnisse und entsprechende Empfehlungen werden dem Stadtrat dann Anfang 2021 vorgelegt.

Die Trixi-Spiegel hat deren Erfinder nach seiner Tochter benannt, nachdem sie von einem Laster überrollt und schwer verletzt worden war. Als erste deutsche Stadt hat Freiburg sie 2007 flächendeckend eingeführt. Dort sind die Unfallzahlen während einer zweijährigen Testphase gesunken - ein kompletter Ersatz für die Assistenzsysteme, das weiß man auch im KVR, sind die Spiegel aber nicht.

© SZ vom 05.05.2020 / schub

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