Olympiapark:Erste Hürde zum Weltkulturerbe genommen

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Olympiastadion in München, 2011

Nach den Maßstäben der Unesco-Weltkulturerbe-Liste ist der Münchner Olympiapark mit seiner ikonischen Glasdach-Konstruktion und dem bis heute genutzten Olympiadorf geradezu ein Jungspund.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Der Olympiapark soll auf die Liste des Weltkulturerbes kommen. Bis die Unesco den Plan absegnet, ist aber Ausdauer nötig.

Von Joachim Mölter

Die Stadt München ist einen kleinen Schritt weitergekommen auf dem Weg, den Olympiapark in die Liste der Weltkulturerbe aufnehmen zu lassen. Es ist allerdings nur ein kleiner Schritt in einem großen Marathonlauf durch viele Instanzen. Bis das Ziel in Sicht kommt, "ist auf jeden Fall Geduld gefragt", sagt Jörg Haspel, der Präsident von Icomos Deutschland: "Zehn, zwanzig Jahre sind wahrscheinlich nicht unrealistisch." Haspel muss es wissen: Seine Organisation ist der nationale Ableger des Internationalen Rates für Denkmalpflege, und der wiederum berät die Kulturorganisation der Vereinten Nationen (Unesco), wenn es darum geht, welche Denkmäler, Ensembles und Stätten des Prädikats Welterbe würdig sind.

Der Olympiapark hat nun gerade mal die erste Hürde genommen, wie Stadtbaurätin Elisabeth Merk am Montag berichtete, anlässlich der Vorstellung der Dokumentation "Das moderne Erbe der Olympischen Spiele". Die ist aus einer Icomos-Tagung im November 2019 hervorgegangen. Kurz vorher hatte Oberbürgermeister Dieter Reiter beim Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst eine Vorbewerbung für den Welterbe-Status eingereicht. Die ist mittlerweile von einem Expertenrat positiv beschieden worden, das heißt aber auch bloß: Nach den Sommerferien entscheidet Bayerns Ministerrat, ob er den Antrag an die Kultusministerkonferenz des Bundes weitergibt. Und dort wird dann ein nationales Ranking erstellt, andere Bundesländer haben ja auch was anzubieten. Das dauert also noch, bis allein hierzulande alle Vorschläge abgearbeitet sind. Und das ist längst noch nicht das Ende.

Wiepke van Aaken, die Projektleiterin in Sachen "Welterbe Olympiapark", spricht jedenfalls von einem "mehrstufigen Evaluierungsprozess, national und international", und erklärt: "Das ist kein formaler Antrag, dessen Ergebnis von vornherein feststeht."

Icomos-Präsident Haspel gibt dem Münchner Antrag freilich gute Chance. Er verwies darauf, dass es unter den aktuell 1121 Welterbe-Stätten nur zwei mit Sportbezug gibt: die antiken Anlagen in Olympia sowie - als Teil der Universitätsstadt in Mexiko-Stadt - einige Bauten, die für die Sommerspiele 1968 genutzt wurden. Zudem, so Haspel weiter, sei das Kulturerbe des 20. Jahrhunderts noch unterrepräsentiert: Der Olympiapark wäre das zweitjüngste Ensemble in der Liste, nur die 1973 fertiggestellt Oper in Sydney/Australien hat eine kürzere Geschichte.

Für Icomos-Vizepräsidentin Sigrid Brandt, ihres Zeichens Kunsthistorikerin und Denkmalpflegerin, ist der Olympiapark jedenfalls ein "avantgardistisches architektonisches System, das nicht nur auf das Stadion reduziert ist". Die Professorin spricht von einer "demokratischen Architektur", weil der Olympiapark Sport- und Parkanlagen verbinde und auch die Wohnblöcke des damaligen Olympischen Dorfes mit einbeziehe. Mit Recht verweist Marion Schöne, Geschäftsführerin der Olympiapark GmbH, darauf, ihr seit 1998 denkmalgeschütztes Ensemble sei die "weltweit am besten nachgenutzte Olympiastätte, auch als Freizeit- und Naherholungsgebiet".

Wie Stadtbaurätin Merk versichert auch Schöne, dass es bei dem Antrag, als Welterbe anerkannt zu werden, nicht um Werbezwecke gehe. "Wir wollen kein Label haben für den Tourismus oder fürs Marketing", sagte Schöne am Montag: "Wir wollen einen lebendigen Park, der genutzt wird." Das ist ganz im Sinne von Jörg Haspel, der aus dem Olympiapark ebenfalls "kein Museum des Sports oder der Architekturkonstruktion" machen will. Seine Kollegin Brandt fügte hinzu, bei dem Prädikat Weltkulturerbe gehe es "um eine ideelle Auszeichnung und eine ideelle Verpflichtung, nicht um einen monetären Vorteil".

Das sieht auch Elisabeth Merk so, sie bekräftigt, dass die Motivation bei der Bewerbung "nicht ein Vorteil, sondern eine Verantwortung" sei: "Wir wollen den Park lebendig erhalten für die Generationen, die noch kommen." Ehe der Olympiapark aber in den Status eines Welterbes erhoben ist, wird wohl noch eine Generation Münchner einfach so durch ihn spazieren, flanieren und joggen.

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