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Sendlinger Tor:Umsteigen auf der Baustelle

Die Zugänge leuchten schon in hellem Gelb, hinter den Kulissen geht es noch grau und staubig zu. Nach vier Jahren Bauzeit lässt sich erahnen, wie der neue U-Bahnhof Sendlinger Tor aussehen wird.

Von Andreas Schubert

Der Eingang des U-Bahnhofs Sendlinger Tor an der Sonnenstraße strahlt in hellem Gelb, und als hätten die Stadtwerke es bestellt, zeigt sich auch die Aprilsonne gnädig und verstärkt den Effekt. Schon hier an der Treppe und im neuen Erweiterungsbauwerk lässt sich sehr gut erahnen, wie modern der gesamte Bahnhof in zweieinhalb Jahren aussehen wird. Der Eingang gegenüber zur Sendlinger Straße hin ist noch bis Herbst des Jahres gesperrt. Er wird vier Meter breiter und bekommt wie alle anderen Zugänge auch eine neue Verkleidung samt LED-Beleuchtung. Dazu kommt dann noch eine zweite Rolltreppe.

Gerade als Stadtwerke-Projektleiter Andreas Schmid erläutert, warum es eine solche zur Sonnenstraße nicht mehr brauche, passiert ein älterer Herr die kleine Entourage, die sich mit Schutzwesten, Gummistiefeln und Helmen zur Baustellenbesichtigung getroffen hat und brummt kopfschüttelnd und in grantigem Bairisch: "Baut's jetz da endlich a Rolltreppm hi?"

Die Rolltreppenfrage ist eben Ansichtssache. Für die Stadtwerke ist eine Rolltreppe zur Sonnenstraße wegen der geringeren Fahrgastströme nicht wirtschaftlich, weil es die meisten Menschen Richtung Innenstadt, also zum Sendlinger Tor hin ziehe. Doch so manche Fahrgäste wie der grantige Senior sind offensichtlich nicht begeistert, dass der aufgehübschte Zugang ohne auskommen muss.

Überhaupt haben es die Passagiere derzeit nicht leicht. Wer von der U1/U2 zur U3/U6 umsteigen will, muss noch immer den Weg über den neuen Erweiterungsbau ins Zwischengeschoss nehmen und von dort dann wieder runter zur oberen Bahnsteigebene. Immerhin dürfen Passagiere, die von dort zur U1/U2 umsteigen wollen, direkt die Treppe nach unten nehmen. Dass niemand dort nach oben steigt, darauf achten Mitarbeiter der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG).

Wer nicht Treppensteigen kann oder will, ist auf dem Weg an die Oberfläche auf die Aufzüge zum Trambahnrondell oder zur Kreissparkasse angewiesen, an Rolltreppen ins Freie sind derzeit nur die zur Pettenkoferstraße und am ebenfalls bereits erneuerten Zugang zur Wallstraße in Betrieb. Denn auch der Aufgang zur Müllerstraße ist wegen der Renovierung seit März dieses Jahres gesperrt. Auch dieser wird verbreitert und bekommt eine zweite Rolltreppe. Diese Arbeiten dauern voraussichtlich noch etwa ein Jahr. Umsteiger vom Metrobus 62 müssen erst umständlich über die Kreuzung zum nächstgelegenen Zugang an der Wallstraße laufen.

Doch im Untergrund ist nach vier Jahren Bauzeit viel passiert. Die neue Rampe im Sperrengeschoss ist seit Kurzem fertig und zum Teil freigegeben. Sie wird sich künftig über die gesamte Breite des west-östlichen Durchgangs erstrecken. Läden sind nur noch an der südlichen Seite vorgesehen. An der neuen Anordnung der Roll- und Festtreppen zwischen den Ebenen der U 1/U 2 und der U 3/U 6 arbeiten die Bauarbeiter gerade noch. Wenn dieser "Treppen-Dreh" um 180 Grad erledigt ist, wird es am oberen Bahnsteig weniger Gedränge geben, weil die Umsteiger zur U3/U6 nicht mehr alle an einer Stelle nach oben kommen. Zudem haben die Fahrgäste auf der untersten Ebene künftig deutlich mehr Platz. Hierfür wurden Betriebsräume verlegt, die Wände Stück für Stück herausgerissen und durch Säulen ersetzt.

Im neuen Zugangsbauwerk zur Blumenstraße, dem südlichen "Querschlag", wo vor zwei Jahren noch eine riesige offene Baugrube klaffte, sind nun neue Betriebsräume für die MVG und Aufgänge für Passagiere entstanden. Hier wird nach dem Abschluss der Bauarbeiten eine der längsten Rolltreppen der Stadt die unterste, in 16 Metern Tiefe liegende Ebene mit der Oberfläche verbinden. So wird der U-Bahnhof auch besser an das Gärtnerplatzviertel angebunden. Der Durchgang zum Bahnsteig der U 1/U 2, für dessen Durchbruch die Bauarbeiter das Erdreich aufwendig vereisen mussten, ist inzwischen im Rohbau fast fertig. Er wird allerdings erst ganz am Ende der Bauarbeiten 2023 geöffnet.

Auch das neue Blau für die Ebene der U3/U6 ist zum Teil schon zu sehen ebenso wie die schwarze Verkleidung der Wände im Sperrengeschoss. Auf den Bahnsteigen sind teilweise schon die neuen Böden aus hellem Granit verlegt, der aus Spanien importiert wird. Die Sockel der Wände werden ebenfalls mit Granit verkleidet, der obere Teil mit farbigem Email.

Hinter den Kulissen geht es derweil noch recht staubig und laut zu. Die MVG-Fahrgäste sind so gut es geht davon abgeschottet. Jetzt, in Zeiten der Pandemie, ist im U-Bahnhof deutlich weniger los als früher. Irgendwann sollen sich dann wieder 150 000 Passagiere und noch mehr pro Tag dort tummeln. Nur eben ohne sich gegenseitig auf die Füße zu steigen.

© SZ vom 17.04.2021/van/syn
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Sabine Bundschu

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Sabine Bundschu ist Sprechtrainerin und liefert seit 27 Jahren die Ansagen in Münchner U-Bahnen. Ein Gespräch über Nervosität, Blubber-Übungen und wie man lernt, die eigene Stimme zu mögen.

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